Trotz weniger Übernachtungen – Neunburg bleibt der Tourismus-Primus im Oberpfälzer Wald

Die Deutschen fahren trotz Konjunkturkrise gern in den Urlaub. Während andere Regionen 2024 neue Rekorde bei den Übernachtungen aufgestellt haben, musste der Tourismus im Oberpfälzer Wald einen Dämpfer hinnehmen: Um 4,2 Prozent ging er zurück. Im Landkreis Schwandorf fällt der Rückgang aber geringer aus.
„Mit einem blauen Auge davongekommen“ – so lässt sich die Tourismusbilanz 2024 im Landkreis Schwandorf zusammenfassen. 432 244 Übernachtungen wurden 2024 registriert. Das sind 1,2 Prozent weniger als 2023. Aber das Minus ist kleiner als im Oberpfälzer Wald.
Gut jede vierte Übernachtung im Landkreis entfiel dabei auf die Stadt Neunburg, die damit der Tourismus-Primus bleibt. Kein anderer Ort verzeichnet mehr gewerbliche Übernachtungen – und das nicht nur im im Raum Schwandorf, sondern im gesamten Oberpfälzer Wald.
Camper retten Neunburger Bilanz
Einen Wermutstropfen gibt es aber: Auch in Neunburg gingen 2024 die Zahlen zurück – bei den gewerblichen Übernachtungen lag das Minus immerhin bei 6,5 Prozent. Ohne die Camper wäre es noch höher ausgefallen. Die Camping-Anbieter konnten im Gegensatz zu den Betreibern von Hotels und Pensionen ein deutliches Plus verzeichnen: Wurden 2023 noch 9874 Übernachtungen verbucht, waren es im Vorjahr 10 887.
Nicht ganz so stark gewachsen, aber dennoch ein Plus gab es bei den privaten Anbietern. Hier stieg die Übernachtungszahl von 2879 auf 3288. Werner Dietrich, Leiter des Neunburger Tourismusbüros, glaubt, dass diese Zahl durchaus noch höher ausfallen könnte und dass es bei den privaten Übernachtungen eine Dunkelziffer gibt, weil nicht alle Anbieter ihre Gäste melden würden.
Leicht gesunken ist in Neunburg ebenso die Zahl der Ankünfte: auf 35 541 Gäste. Im Jahr zuvor waren es noch 37 245. Dabei zeigt sich auch hier, dass die Camping- und privaten Anbieter mehr Gäste empfangen konnten, während es bei den gewerblichen nach unten ging.
Im Sommer einige Tage geschlossen – Zugeständnis an Mitarbeiter
Einen Rückgang musste auch Markus Greiner, Inhaber des Panorama-Hotels am Eixendorfer See, verbuchen. Etwa 15 Prozent weniger Übernachtungen gab es bei ihm. Das habe auch daran gelegen, so Greiner, dass sein Hotel zeitweise geschlossen war. Im Frühjahr sei es wegen Umbau vier Wochen geschlossen gewesen. Und im vorigen August gab es eine zehntägige Betriebsruhe. Die sei inzwischen notwendig, um die Mitarbeiter halten zu können. Denn auch die Beschäftigten in der Hotellerie wollen im Sommer ein paar Tage Urlaub haben, meint Greiner. Er habe deshalb momentan keine Probleme mit dem Personal, so der Neunburger Hotelier und Gastronom, der auch Vorsitzender des örtlichen Tourismusvereins ist.
In den vergangenen Jahren hatten viele Unternehmer aus der Hotelbranche und Gastronomie händeringend Mitarbeiter gesucht. Oft ohne Erfolg. Das habe sich laut Greiner etwas geändert. Gab es vor drei Jahren auf freie Stellen keine Bewerber, würden ihn inzwischen sechs bis sieben Anfragen erreichen, so der Hotelier. Dabei handele es sich in den meisten Fällen um Bewerber aus dem Ausland.
Auch Günter Koller vom Kollerhof in Poggersdorf bestätigt dies. 2024 sei das erste Jahr gewesen, in dem er keine Probleme beim Personal hatte, so der Inhaber des Reiterhofes. Es sei auch leichter gewesen, Aushilfen zu finden. Bei den Übernachtungen habe es auf dem Kollerhof einen leichten Rückgang gegeben. Während die Zimmer und Ferienwohnungen im Sommer wieder ausgebucht waren, seien in der Nebensaison weniger Gäste gekommen, berichtet Günter Koller, der im Neunburger Tourismusverein das Amt des stellvertretenden Vorsitzenden innehat.
Weniger Geschäftsreisende als in den Vorjahren
Nach den bayerischen Herbstferien seien sonst noch viele Geschäftsleute gekommen. Im Vorjahr sei deren Zahl deutlich geringer ausgefallen. „Wir spüren die wirtschaftliche Lage“, meint Koller. Er rechnet damit, dass dieses Jahr wieder besser wird. Ostern, Pfingsten und die Hauptferienzeit seien schon vor Weihnachten ausgebucht gewesen, sagt Koller.
Das größte Potenzial für künftige Steigerungen sieht Alexandra Beier, die Leiterin des Tourismuszentrums Oberpfälzer Wald, in einer „konsequent fortgeführten Qualitätsverbesserung“ der Betriebe und der Gastfreundschaft der Gastgeber. „Auch die Weiterentwicklung der touristischen Infrastruktur – vor allem der Rad- und Wanderwege –, die sowohl den Gästen als auch den Einheimischen zugute kommt, spielt eine wichtige Rolle“, ist Beier überzeugt. Für Neunburgs Bürgermeister Martin Birner (CSU) ist die Erneuerung des Hirschbergturms bei Kemnath bei Fuhrn ein Beitrag, um die touristische Infrastruktur weiterzuentwickeln.
Im Jahr 2023 lag das Plus bei zwölf Prozent
Dass die Zahlen 2024 etwas nach unten gingen, ist für Alexandra Beier nicht beunruhigend. Immerhin habe es 2023 ein Plus von zwölf Prozent gegeben. „Es kann nicht jedes Jahr eine riesige Steigerung sein“, findet Beier. Größere Sprünge nach oben seien aus ihrer Sicht nur möglich, wenn neue Betriebe eröffnet oder bestehende deutlich erweitert würden.
Das sei mit den neuen See-Chalets am Steinberger See der Fall gewesen. Steinberg am See hatte deshalb im Vorjahr ein Plus bei den Übernachtungen von 33,3 Prozent. Noch höher fiel die Steigerung in Nabburg aus. Beier sieht den Grund hier in den neuen Mobilheimen im Campingpark Perschen.
In Neunburg sind im Tiny-Dorf am Eixendorfer See auch zwei Mini-Chalets dazugekommen. Daneben gab es keine größeren Erweiterungen. Das wird heuer genauso sein. Immerhin planen einzelne Hoteliers Modernisierungen. Markus Greiner will zum Beispiel die hoteleigene Bar auf Vordermann bringen – und dafür sein Haus wieder eine Woche schließen.
