Neunburgs Berufsschule boomt seit Jahren

Von Jan Lange · 31. Januar 2025 um 21:30

Neunburg. Es ist eine mehr als erfreuliche Entwicklung: Seit über 20 Jahren steigt die Zahl der Schüler an der Berufsschule Neunburg stetig an. Auch im aktuellen Schuljahr ging sie wieder deutlich nach oben – von 645 auf 694. Die Schülerzahlen haben sich damit seit 2009 nahezu verdoppelt. Damals waren gut 380 Schüler angemeldet.

„Allein in den vergangenen fünf Schuljahren hatten wir eine Zunahme um rund 30 Prozent“, erklärt Schulleiter Armin Wild. Den Geburtenrückgang in den 2000er Jahren spüre die Neunburger Bildungseinrichtung, die eine Außenstelle des Beruflichen Schulzentrums Oskar-von-Miller Schwandorf ist, bislang überhaupt nicht, fügt Wild hinzu.

Der Aufwärtstrend wird sich wohl auch im kommenden Schuljahr fortsetzen. „Es wird noch einmal nach oben gehen“, ist sich Wild angesichts der bisherigen Anmeldezahlen sicher. Er rechnet damit, dass im nächsten Schuljahr die Zahl von 700 Schülern geknackt wird.

Wie viele es am Ende sein werden, steht laut Wild aber erst im Sommer endgültig fest. „100 mehr dürfen es aber nicht werden“, meint der Schulleiter. Dafür würden die Räumlichkeiten nicht ausreichen. Man werde aber keine Anmeldungen ablehnen, versichert Wild.

Alle Bereiche wachsen

Armin Wild kennt keine andere Berufsschule, die ihre Schülerzahl in den zurückliegenden 15 Jahren verdoppeln konnte, ohne dass eine neue Berufsgruppe dazugekommen ist oder das Einzugsgebiet vergrößert wurde. In Neunburg wird seit 1998 unverändert in den Berufen Forstwirt, Land- und Baumaschinenmechatroniker sowie Landwirt ausgebildet.

In allen drei Berufsgruppen sind die Zahlen gestiegen: Aktuell rund 118 Landwirte bedeuten den höchsten Stand seit 2014. Die Ausbildung der Landwirte hat die längste Tradition am Standort Neunburg. Bereits seit 1957 werden sie hier auf ihren künftigen Beruf vorbereitet. 1973 kamen die Forstwirte dazu, deren momentane Schülerzahl (385) den höchsten Stand seit circa 40 Jahren erreicht hat.

1998 wurde die Ausbildung der Land- und Baumaschinenmechatroniker eingeführt. Aktuell sind 187 Schüler in dieser Berufsgruppe registriert – der höchste Stand überhaupt seit Einführung der Beschulung.

Für den Boom der grünen Ausbildungsberufe hat Wild keine eindeutige Erklärung. Themen wie Klimawandel oder Fridays for Future würden ein bisschen mit reinspielen, entscheidend für die Entwicklung seien sie aber nicht. „Wir haben hier keine Ökos oder Klimaaktivisten im Klassenzimmer sitzen“, erklärt er. Bei den Schülern würde es sich vielmehr um junge Menschen handeln, die aus ländlich geprägten und waldreichen Regionen kommen.

Auch durch politische Entscheidungen sei der starke Aufwärtstrend nicht erklärbar, meint Wild. Angesichts der vielen Restriktionen, die es in den vergangenen Jahren gegeben habe, hätte es eher einen Rückgang geben müssen, findet der Schulleiter. Ganz im Gegenteil wachse das Interesse an den Ausbildungsberufen aber stetig.

Das ist für die Berufsschule eine große Herausforderung. Für die vielen Schüler müssen ausreichend Räume zur Verfügung stehen – und natürlich mehr Lehrpersonal. Immerhin wurde das Kollegium zu Beginn des aktuellen Schuljahres um einige Lehrkräfte aufgestockt. Weitere Kollegen befinden sich laut Wild im Referendariat und werden ab September 2025 voll zur Verfügung stehen.

Ein extrem junges Kollegium

Das Beste daran sei, dass es sich um „ein extrem junges Kollegium“ handelt. „Nur drei hauptberufliche Lehrkräfte sind älter als 50 Jahre“, erklärt er. Wild geht davon aus, dass in den nächsten zwei Jahren noch weitere zusätzliche Lehrkräfte benötigt werden.

Erst in dieser Woche habe es wieder ein Vorstellungsgespräch gegeben, erzählt der Schulleiter. Er versuche immer, Lehrkräfte aus der Region zu gewinnen. Das verringere die Gefahr, dass sich die jungen Lehrer nach wenigen Jahren wieder verabschieden. Das könne zwar passieren, komme aber relativ selten vor, so Wild. Neben der Suche nach Lehrkräften ist die Raumfrage eine weitere organisatorische Herausforderung für die Schulleitung. In den vergangenen Jahren wurden zwei Besprechungsräume zu Klassenzimmern umfunktioniert. Auch die Hausmeisterwohnung wurde aufgegeben und für schulische Zwecke genutzt.

Im Kreisschülerheim, das ebenfalls in dem Gebäudetrakt an der Amberger Straße untergebracht ist, wurden wiederum Lagerräume und Umkleiden geräumt und stehen nun als zusätzliche Klassenräume zur Verfügung. In den 1980er Jahren waren hier schon mal Klassenzimmer, weiß Armin Wild. Dann seien Zwischenwände eingezogen worden, weil man davon ausging, dass nicht mehr so viele Land- und Forstwirte gebraucht würden.

Noch in den frühen 2000er Jahren sei man dieser Meinung gewesen. Damals gingen auch die Schülerzahlen noch eher zurück. Der Trend habe sich einige Jahre später aber umgekehrt und weise seitdem stetig nach oben.

Am besten zeige sich dies an den Bayerischen Staatsforsten, die 2005 gegründet wurden, erklärt Wild. In den ersten Jahren hatten die Staatsforsten 35 Forstwirt-Azubis, von denen etwa jeder Dritte nach der Ausbildung eingestellt wurde. Heute liege man, so Wild, bei 100 Forstwirt-Azubis und würde am liebsten alle danach übernehmen. Doch die jungen Leute können sich den Betrieb inzwischen aussuchen. Von den bis zu 150 Forstwirten, die jedes Jahr die Ausbildung beenden, blieben auch nicht alle in der Forstwirtschaft, sagt Wild. Wäre es anders, „dann wäre nach fünf Jahren der Hype vorbei“, glaubt der Schulleiter. So werde trotz der stark gestiegenen Schülerzahlen auch „nicht über den Bedarf ausgebildet“.

Der ehemalige Hausmeistergarten wurde zum Parkplatz umgestaltet, um den vielen Schülern mehr Stellplätze zur Verfügung stellen zu können.