Der Herr des Goldsteigs: Klaus Zeiser ist Wegepate in Neunburg

Auf einmal unterbricht Klaus Zeiser seine Wanderung. Sein Blick fällt auf eine Fichte am Wegesrand. Er schiebt ein paar Äste zur Seite und prüft, ob die am Baum festgenagelten Wanderschilder noch richtig verankert sind. Er rüttelt kurz an den Schildern und nickt zufrieden. Doch das ist nicht bei jeder Kontrolle des Wegepaten der Fall.
Seine morgendliche Wanderung startet vielversprechend. „Hier sitzt noch alles einwandfrei“, stellt Zeiser fest und ergänzt mit einem Augenzwinkern: „Manchmal werden Schilder von Wanderern als Andenken geklaut.“ Kein Wunder, ist die Strecke Teil des überregional bekannten Goldsteigs.
Klaus Zeiser ist seit fast fünf Jahren Wegepate und prüft regelmäßig die Beschilderung und Begehbarkeit des von ihm betreuten Wanderpfades. Dabei kümmert sich der 68-jährige Kröblitzer um ein rund 14 Kilometer langes Teilstück des Goldsteigs entlang der Schwarzach über Kröblitz bis zum großen Bußberg. Alles hat er entlang dieser Strecke genaustens im Blick.
Als vor einigen Jahren der Posten des Wegepaten frei wurde, weil der in der Region als „Wanderpapst“ bekannte Franz Tennert aufhörte, habe Zeiser laut eigenen Worten nicht lange gezögert. „Ich bin schon immer gerne wandern gegangen und liebe die Natur, deshalb wollte ich unbedingt Wegepate in Neunburg werden “, erklärt er. Dass der ihm zugeteilte Streckenteil genau vor seiner Haustüre liege, sei ein „Glücksfall“ gewesen.
Regelmäßig könne er deshalb seinen Wanderweg abgehen, um nach dem Rechten zu sehen. So auch am Donnerstag zusammen mit seinem Hund Lobu.
Viel zu entdecken
Sein Rundgang beginnt am Wanderparkplatz Hammer-Kröblitz in der Nähe von Neunburg. „Dieses kleine Stück hier ist meine absolute Lieblingsstrecke“, verrät Zeiser. Auf kleiner Strecke gebe es dort „verdammt viel zu entdecken“.
Nach wenigen Metern macht der Wegepate direkt wieder Halt und zeigt auf einen verschütteten Höhleneingang. „Hier wurde früher das Bier für die Gaststätten gelagert“, erzählt er. Laut Zeiser dienten die Höhlen früher als natürliche Kühlschränke. „Heutzutage wird dort nichts mehr gelagert, sondern nur noch Fotos gemacht“, sagt der 68-Jährige.
Der weitere Pfad führt den Wegepaten vorbei an einem Bach bis zu einem kleinen Holzhäuschen. „Das ist ein Goldsteig-Mobiliar“, erklärt der pensionierte Kröblitzer. Diese würden den Wanderern beim Goldsteig als Raststätte dienen. Zwei davon sind laut Zeiser auf dem Neunburger Abschnitt aufgestellt und helfen dabei, dass jeder Wanderer „sich unterwegs auch mal ausruhen kann“.
Die Sicherheit und das Wohlbefinden der Leute stehe im Vordergrund ihrer Arbeit, sagt der langjährige Vorstandsvorsitzende der Nord-Ost-Gruppe Neunburg. Die Aufgabe eines jeden Wegepaten sei es nicht nur die Schilder regelmäßig zu kontrollieren, sondern auch dafür zu sorgen, dass die Wanderstrecken stets begehbar sind. „Umgestürzte Bäume oder Hindernisse auf dem Pfad melden wir direkt“, so Zeiser. Immer wieder komme es nach Unwettern oder Stürmen zu solchen Vorkommnissen. So auch ein paar Meter weiter: „Eine alte Fichte ist umgestürzt und hatte den Weg blockiert“, erzählt der Wegepate. Sie wurde innerhalb von wenigen Tagen entfernt.
„Richtig gefährlich wird es natürlich, wenn zum Beispiel Radfahrer die Hindernisse zu spät bemerken“, meint der 68-Jährige. Schlimme Unfälle habe es aber laut Zeiser auf seiner Strecke noch nicht gegeben. Der Wanderweg sei auch eher einsteigerfreundlich und leicht für jeden begehbar, „zumindest mit dem richtigen Schuhwerk“. Denn auch wenn die Strecke bisher weitgehend eben verlief und sich am Fluss Schwarzach orientierte, beginnt nun ein steiler Anstieg.
Die Mühe sei es aber letztlich wert, verspricht der Wegepate: „Der große Bußberg ist ein echter Höhepunkt vom Goldsteig und bietet eine tolle Aussicht über die gesamte Region.“ Außerdem ist der Gipfel nach seinen Worten auch ein historisch bedeutender Ort. „Der Goldsteig ist als Wallfahrtsweg in Europa bekannt und manche Leute nutzen den Weg zum Gipfel, um Buße zu tun“, erzählt der zweifache Familienvater.
Internationale Gäste
Am Berggipfel angekommen, präsentiert Zeiser stolz die zuvor versprochene Aussicht. Oftmals würden sich hier bei schönem Wetter die Wanderer treffen und sich gegenseitig austauschen. Auch für den Wegepaten sei der Kontakt mit anderen Leuten mit das Schönste bei seiner Arbeit. „Es ist einfach toll rauszukommen in die Natur und Leute zu treffen, die hier unsere Wälder erkunden“, sagt Zeiser.
Egal ob Belgien oder Hamburg, von überall her würden die Leute kommen, um auch auf seiner Strecke zu wandern. „Die Rückmeldungen der Leute sind fast nur positiv und es macht mich natürlich auch stolz, wenn die Qualität des Pfades gelobt wird“, so Zeiser. Probleme mit den internationalen Gästen gebe es nicht und auch über Müllprobleme könne er sich kaum beklagen.
„Eigentlich endet hier am Bußberg mein Streckenteil, aber ich habe noch einen Geheimtipp zu zeigen“, sagt der Wegepate. Ein paar Schleichwege später lüftet er das Geheimnis: Eine Steinformation mit einem schmalen Durchgang – das sogenannte Felsentor. „Gut versteckt abseits aller Wanderwege kennt fast niemand diesen Ort“, so Zeiser. Auch er selbst habe erst vor einigen Jahren das Felsentor entdeckt, obwohl er schon viele Jahre hier wohnt und regelmäßig wandert.
Auf dem Rückweg verrät Klaus Zeiser noch seine Zukunftspläne als Wegepate: „Ich will das hier machen, solange es irgendwie geht.“ Wegepate zu sein, sei für ihn eine Ehre und ein großer Spaß zugleich. Geld bekomme er für seine Arbeit kaum, abgesehen von einem kleinen „Erfrischungshonorar“. Bei der Arbeit als Wegepate geht es Zeiser aber auch nicht ums Geld: „Für mich war das Ganze schon immer eine Herzensangelegenheit und so wird es auch in Zukunft bleiben.“
