Geht der millionenteure Entnahmeturm am Eixendorfer See bei Neunburg erst 2026 in Betrieb?

2024 wurde der Entnahmeturm am Eixendorfer See bei Neunburg (Landkreis Schwandorf) eingeweiht. Genutzt wird er bisher nicht. Warum?
Es war eines der großen Ereignisse im Vorjahr: die Einweihung des Entnahmeturms am Eixendorfer See. Mit Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (FW) und Umweltminister Thorsten Glauber (FW) waren sogar zwei Vertreter der Landesregierung nach Neunburg gekommen. Für Außenstehende schien es, dass das Bauwerk damit auch in Betrieb gegangen sei. Doch das ist bis heute nicht der Fall. Und es könnte noch einige Monate dauern, bis es soweit ist.
Bis jetzt sei kein Tropfen Wasser über den Entnahmeturm gelaufen, behaupten Insider gegenüber der MZ. Das rund zehn Millionen Euro teure Bauwerk steht also seit knapp einem halben Jahr da, ohne dass es seine eigentliche Aufgabe erfüllt. Der Turm dient der oberflächennahen Entnahme von Wasser, um zukünftig während der Sommermonate eine stabile Schichtung im See zu erreichen, ähnlich einem natürlichen See. Damit soll auch das Blaualgenwachstum eingedämmt werden.
Der Grund, dass das Millionenprojekt bisher nicht seinen Zweck erfüllt, soll nach MZ-Informationen die noch ausstehende wasserrechtliche Genehmigung sein. Kritiker bemängeln, dass diese viel zu spät beantragt worden sei. Demnach habe es bereits im Juni 2022 den Hinweis gegeben, das Wasserrechtsverfahren für die Inbetriebnahme zu beginnen. Damals hatten die Bauarbeiten gerade erst begonnen.
Aber erst im April 2024, als sich die Errichtung des Turms bereits in der Endphase befand, seien die Dokumente beim Landratsamt Schwandorf eingereicht worden, monieren die Kritiker. Dass zu diesem Zeitpunkt der Betrieb des Entnahmeturms beantragt wurde, bestätigt Mathias Rosenmüller, Leiter des Wasserwirtschaftsamtes Weiden (WWA).
Neunburgs Bürgermeister Martin Birner (CSU) ist zwar dankbar, dass es auf politischer Ebene gelungen sei, dass der Entnahmeturm errichtet wurde. Aber auch er hätte sich gewünscht, dass das Genehmigungsverfahren früher begonnen hätte.
Genehmigungsverfahren wurde hinten angestellt
Laut dem WWA-Behördenleiter seien anfangs alle verfügbaren Personalressourcen für die Bauüberwachung verwendet worden. Das Genehmigungsverfahren wurde demnach hinten angestellt. „Die Gründung des Bauwerks unterhalb des Grundwasserspiegels, bis dahin ungeklärte Fragen nach der späteren Steuerung und Überwachung des Turm oder beispielsweise auch der Umgang mit an der Wasseroberfläche am Ablauf anfallendem Treibgut stellten zu lösende Aufgaben für die Verantwortlichen dar“, teilt Rosenmüller weiter mit.
Im Herbst 2022 habe das Landratsamt Schwandorf als Genehmigungsbehörde festgelegt, für „den Betrieb der epilimnischen Entnahme ein Planfeststellungsverfahren für einen Gewässerausbau nach Wasserhaushaltsgesetz mit Umweltverträglichkeitsprüfung und Öffentlichkeitsbeteiligung durchzuführen“, so der WWA-Leiter. Bisher würden laut Rosenmüller zur epilimnischen, also oberflächennahen Entnahme aus einem künstlichen See und der beabsichtigten Eindämmung von Blaualgen in Bayern keine praktischen Erfahrungen vorliegen.
Nach aufwendigem Vergabeverfahren habe das Wasserwirtschaftsamt im Frühjahr 2023 Aufträge an Ingenieurbüros aus München und Cottbus sowie ans Helmholtz-Institut für Umweltforschung Magdeburg vergeben können, erläutert Rosenmüller den Zeitablauf. Auf knapp 400 Seiten sei das Antragsziel konkretisiert und alle Maßnahmen beschrieben worden, um negative Auswirkungen auf geltende Schutzziele zu vermeiden. Im April vorigen Jahres seien dann die Antragsunterlagen eingereicht worden.
Auslegung soll bis Ende März erfolgen
Von Teilnehmern des Runden Tisches Eixendorfer See erfuhr die MZ, dass beim Treffen im vergangenen Oktober darüber informiert worden sei, dass alle Fachstellen beteiligt wurden und demnächst die öffentliche Auslegung erfolgen solle. Auf Nachfrage beim Landratsamt erklärt Behördensprecher Hans Prechtl, dass die öffentliche Auslegung bisher noch nicht stattgefunden habe. Sie solle aber bis Ende März erfolgen, weist Prechtl hin.
Es seien zunächst die Träger öffentlicher Belange beteiligt und deren Stellungnahmen abgewartet worden, begründet der Landkreissprecher die bisher noch nicht erfolgte öffentliche Auslegung. Diese würden nun vorliegen.
„Da müsse nur einer querschießen“, meint ein Insider mit Blick auf mögliche Bürgereinwendungen beim öffentlichen Auslegungsverfahren. In einem internen Schreiben sei, so der Kenner der Materie, davon die Rede gewesen, dass der Entnahmeturm wohl erst 2026 in Betrieb gehen werde.
Abläufe sollen verbessert werden
Vonseiten des Landratsamtes klingt es optimistischer. Demnach finde in der Regel nach der öffentlichen Auslegung ein Erörterungstermin statt und anschließend werde der Bescheid erstellt.
Vom Wasserwirtschaftsamt wird parallel zum Rechtsverfahren eine neue Betriebsanweisung für den Speicherbetrieb erstellt und auch ein Monitoringkonzept vergeben, dass zukünftig den Betrieb der epilimnischen Entnahme begleiten soll, so WWA-Chef Rosenmüller. „Die Dokumentation der Daten und Erfahrungen ist wichtig, um Abläufe zu verbessern und letztlich einen möglichst großen Erfolg beim eigentlichen Ziel der stabilen Schichtung im See zu erreichen.“ Einen verbindlichen Zeitpunkt, wann der Entnahmeturm in Betrieb gehen kann, könne Rosenmüller aufgrund verschiedener Unwägbarkeiten derzeit noch nicht benennen.