Nach Sanierung: So schön ist die Alte Canzley in Neunburg geworden

Von Jan Lange · 6. März 2025 um 11:00

Dass sich die Alte Canzley nicht in kurzer Zeit sanieren lässt, war Johannes Steidl und Sarah Fleischmann vorher bewusst. Mehr als drei Jahre dauerte es letztlich, dem Gebäude seinen ursprünglichen Glanz zurückzugeben. Nun wird es seinem historischen Rang als ehemalige Residenz der Wittelsbacher wieder gerecht, sind die Bauherren überzeugt.

Nach Jahren des Leerstands – zuletzt nutzten die Verwaltungsgemeinschaft Neunburg und eine Anwaltskanzlei die Räume in der Alten Canzley – ist nun wieder Leben in die alten Mauern zurückgekehrt. Im Erdgeschoss ist das Architekturbüro Steidl untergebracht, darüber die Wohnung des Architektenpaares. Zudem befinden sich eine Psychotherapiepraxis und zwei weitere Gewerbeeinheiten im Gebäude. Eine Mischnutzung aus Wohnen und Gewerbe zu schaffen, sei das Ziel der Sanierung gewesen, so Steidl.

Schon lange in Familienbesitz

Schon als Jugendlicher interessierte sich der 36-jährige Neunburger für die Alte Canzley. Immerhin befindet sie sich seit etwa 20 Jahren in Familienbesitz. Die Frage, was man mit diesem besonderen Gebäude machen sollte, sei immer wieder Thema in der Familie gewesen, sagt Steidl. Es habe zwar Interessenten gegeben, aber letztendlich wollte sich doch keiner von ihnen an die Sanierung wagen.

Und so überlegte das Architektenpaar, das Projekt selbst anzugehen. Ohne Förderung wäre ein solches Vorhaben aber nicht finanzierbar gewesen. Finanzielle Unterstützung erhielten Johannes Steidl und Sarah Fleischmann unter anderem aus dem Topf der Städtebauförderung, von der Stadt Neunburg, vom Bezirk Oberpfalz, vom Landkreis und von der Bayerischen Landesstiftung.

Es sei ihre Herangehensweise, immer etwas mehr über das zu sanierende Objekt zu erfahren. Da sich die Alte Canzley im eigenen Besitz befand, fiel diese Bauforschung noch intensiver aus als sonst. Steidl suchte unter anderem im Staatsarchiv Amberg nach Dokumenten und erfuhr bei seinen Recherchen so Einiges, das selbst dem Neunburger Kreisheimatpfleger Theo Männer nicht bekannt war.

Mit den gewonnenen Erkenntnissen über das Gebäude wurden die einzelnen Räume behutsam und mit viel Detailliebe saniert. Ein Vorteil war, dass sich das Gebäude trotz des langen Leerstandes in einem relativ guten Zustand befand.

Viele Materialien wurden wiederverwendet

So konnten auch viele alte Materialien aufbereitet und wiederverwendet werden. Mehrere Tonnen an handgeschlagenen Ziegelsteinen, zig Quadratmeter an handbehauenen Solnhofer Platten, und stapelweise Dielenböden aus dem 19. Jahrhundert wurden ausgebaut und aufbereitet. Der Anteil der wiederverwendeten Materialien sei im Vergleich zu anderen Sanierungsvorhaben „ungewöhnlich hoch“, meint Johannes Steidl.

Nur dort, wo es gar nicht anders ging, wurden neue Materialien eingefügt. Hierbei wurde zum Beispiel auf Holz, Lehm und Kalk zurückgegriffen. Beim Holz handelte es sich übrigens um eigens geschlagenes Vollholz aus dem Neunburger Forst.

Während der Sanierung wurden beispielsweise auch Schablonenmalereien aus dem 19. Jahrhundert entdeckt, die teilweise freigelegt wurden und nun eine Art „Schaufenster zurück in die Vergangenheit“ sind. Zum Vorschein kam ebenso eine mit aufwendigen Schnitzereien verzierte Bohlenbalkendecke aus dem 16. Jahrhundert. Auch eine etwa 1,30 Meter hohe Kalksandsteinstatue des Heiligen Georgs, die eingemauert war, wurde aufgefunden und soll bald einen gebührenden Platz bekommen.

Vieles brachten die Bauherren – mit Unterstützung ihrer Familien – bei der Sanierung als Eigenleistung ein. Dies machten allein mehr als 4000 Arbeitsstunden aus. „Wir verstehen uns als Gast in diesem Gebäude, das uns selbst überdauern wird und deshalb haben wir auch versucht, Konstruktionen zu verwenden, die später wieder zurückgebaut oder wiederverwendet werden können“, so Steidl.

Die Alte Canzley hat so ihren bauzeitlichen Charakter zurückerhalten. Der war bei den Umbauten zum Gesundheitsamt in den 1950er und 1960er Jahren verloren gegangen. Nun ist der Gebäudekomplex wieder ein Schmuckkästchen. „Die Alte Canzley ist wieder zu einem identitätsstiftenden Bestandteil der denkmalgeschützten Altstadt von Neunburg geworden“, finden Johannes Steidl und Sarah Fleischmann.

Das Gewölbe kam in diesem Raum im Erdgeschoss vorher nicht richtig zur Geltung. Foto: Johannes Steidl
Nun wurde die Beleuchtung darauf abgestimmt, um dem Gewölbe eine bessere Wirkung zu geben. Foto: Johannes Steidl
Der Saal war beim Umbau in den 1960er Jahren in vier kleine Räume unterteilt worden. Foto: Johannes Steidl
Besonderer Hingucker im wieder erschaffenen Saal ist die Bohlenbalkendecke. Foto: Johannes Steidl
Im früheren Gesundheitsamt befand sich hier der Röntgenraum. Foto: Johannes Steidl
Eine Wand wurde eingezogen und der Raum wieder verkleinert. Er dient nun als Büroeinheit. Foto: Johannes Steidl
Der Dielenboden und die Bohlenbalkendecke aus dem 16. Jahrhundert lagen versteckt. Foto: Johannes Steidl
Beides wurde im Zuge der Sanierung wachgeküsst. Foto: Johannes Steidl
In mehrere Räume unterteilt und eine Zwischendecke eingezogen war im ersten Obergeschoss. Foto: Johannes Steidl
Ohne Zwischendecke ist der Blick nun frei auf das Mauerwerk und die Deckenbalken aus dem 19. Jahrhundert. Foto: Johannes Steidl
Der Zwingerausgang, der 1857 angelegt wurde, war vor der Sanierung nicht mehr existent. Foto: Johannes Steidl
Jetzt wurde der Zwingerausgang wieder freigelegt. Direkt daneben befindet sich ein Schaufenster ins Mauerwerk. Foto: Johannes Steidl
Die Alte Canzley ist ein stadtbildprägendes Gebäude, das aber jahrelang im Dornröschenschlaf lag. Foto: Johannes Steidl
Die Südfassade mit integrierten Burgbefestigungsturm und vorgelagerter Zwingeranlage leuchtet nun wieder im alten Glanz. Foto: Johannes Steidl