Kein Problem, sondern die Lösung: Migration als Chance für Arbeitgeber in der Region Regensburg

Im Rahmen der Wochen gegen Rassismus sprachen sich Unternehmer im Evangelischen Bildungswerk unisono für Bürokratieabbau und einfachere Regeln bei der Beschäftigung von Geflüchteten aus. Zudem seien bessere Integration, Hilfen bei der Wohnungssuche und mehr Sprachkurse nötig, hieß es in der Podiumsdiskussion.
Arbeitgebern sollte mehr zugetraut werden, wenn sie sich für einen Arbeitnehmer entscheiden. Auch, wenn es ein Geflüchteter ist. Doch stattdessen gebe es viele Hürden für eine Einstellung. Die Unternehmer Andreas Eckl, Muk Röhrl, Alexander da Silva Sebö und Viktoria Baumann eint, dass sie Geflüchtete als Chance für den Arbeitsmarkt und die Sozialsysteme sehen.
Im Rahmen der Wochen gegen Rassismus sprachen sie sich im Evangelischen Bildungswerk (EBW) unisono für Bürokratieabbau und einfachere Regeln bei der Beschäftigung von Geflüchteten aus, um eine schnelle Arbeitsaufnahme zu fördern. Zudem seien bessere Integration, Hilfen bei der Wohnungssuche und mehr Sprachkurse nötig.
Unternehmen suchen hängeringend Mitarbeiter
„Viele sind jung und kommen voller Elan nach Deutschland“, betonte Gerhard Hain von der BI Asyl sowie dem Verein Ausbildung statt Abschiebung, der das Gespräch moderierte. „Wir müssen das als Chance begreifen.“ Migration sei nicht das Problem, sondern die Lösung. Viele Unternehmen würden händeringend Mitarbeiter suchen. 2024 hätte Deutschland 230 000 Geflüchtete aufgenommen und damit 30 Prozent weniger als im Vorjahr. „Deutschland braucht 400 000 zusätzliche Arbeitskräfte, um den demographischen Wandel abzudecken“, sagte Hain. „Es ist dämlich, Menschen an der Grenze abzuweisen, die wir brauchen.“ Von den seit 2015 nach Deutschland Geflüchteten seien heute zwei Drittel in sozialversicherungspflichtigen Arbeitsverhältnissen.
„Viele Migranten fühlen sich bei uns nicht willkommen . Das muss sich ändern“, erklärte Andreas Eckl vom Architekturbüro Eckl. Er beschäftige im Unternehmen 28 Mitarbeiter, zehn mit Migrationshintergrund. Es seien Fachkräfte aus der Baubranche aus dem Iran, aus Syrien, Äthiopien, Tschechien und Polen. „Wir sprechenDeutsch und Englisch.“ Von seinen Kunden aus dem Bereich Klinikplanung wisse er, dass sie im Ausland nach Ärzten und Pflegern suchen.
Jobs für Migranten, die noch Deutsch lernen
Alexander da Silva Sebö, Chef von Best Car Wash in Regensburg, beschäftigt fast ausschließlich Menschen mit Migrationshintergrund, die bei ihm Autos pflegen. Bei ihm finden auch Migranten einen Job, die noch Deutsch lernen. „Es sind Helfer-Jobs“, sagt er und weiß, dass die Mitarbeiter weiterziehen, wenn sie Deutsch können. „Flucht ist ein persönliches Thema für mich“, sagt er. Sein Vater musste aus Ungarn nach Deutschland flüchten. Daher hilft er mehr, als er müsste, und setzt sein unternehmerisches Netzwerk ein, um die Karriere von guten Mitarbeitern voranzubringen.
Viktoria Baumann aus Berlin von der workeer gGmbH stellte die Jobplattform vor, die das Unternehmen betreibt, um Arbeitgeber und Geflüchtete zusammen zu bringen. „Bei uns sind etwa 4000 Arbeitgeber sowie Arbeitnehmer mit Migrationshintergrund gelistet und sie werden gematcht“, erklärte sie und plädierte dafür, Deutsch-Kenntnisse von Bewerbern nicht zu hoch zu bewerten. „Man muss genau hinschauen, wie viel Deutsch für den Job nötig ist.“ Oft reiche es, über Sprachprogramme zu kommunizieren oder Englisch zu sprechen.
Auch die Anbindung muss passen
Einer, der noch mehr Migranten ausbilden oder beschäftigen würde, ist Muk Röhrl, Inhaber der Gaststätte Röhrl in Eilsbrunn. Von seinen 30 Mitarbeitern hätten zehn Migrationshintergrund. Sein Problem ist die Lage seiner Gaststätte. „Die Busverbindung ist naja“, sagt er. Er unterstützt daher seine Mitarbeiter, damit sie fußläufig eine Wohnung finden.