Überraschendes Windpark-Update: So steht es um Kelheims geplante Windräder

Im Kelheimer Stadtrat wurde klar, die geplanten vier Windräder kommen wohl nicht alle. Ein Standort ist komplett vom Tisch, ein weiterer scheint auf der Kippe. Die Windpark-Kritiker trafen derweil Landrat, Landtagsabgeordnete und Bürgermeister zum Gespräch. Das sind die Details.
Der erste Tagesordnungspunkt der Kelheimer Stadtratssitzung „Information Windenergie“ förderte einige spannende Neuigkeiten zum geplanten Windpark zutage.
Bürgermeister Christian Schweiger informierte Kelheims Stadträte und die Zuhörer in der Sitzung am Montagabend über stattgefundene Termine, aber auch über die Gründe für mutmaßlich weniger Windräder als geplant.
Zum einen habe es gemeinsam mit Sinzings 2. Bürgermeister Josef Espach und Regensburgs CSU-MdL Patrick Grossmann beim Planungsverband gegeben. Dabei sei eine mögliche Änderung der Abstandsflächen diskutiert worden. Laut Gemeinderatsbeschluss fordert Sinzing 1300 Meter Abstand zu seinen Ortsteilen und 1000 Meter zu Einzelgehöften.
Ergebnis der Besprechung war laut Schweiger, dass dies im Regionalplan nicht möglich sei, weil sich das Ziel von 1,8 Prozent der Flächen für Windkraft, so nicht umsetzen ließe. Die aktuelle Planung sehe mindestens 900 Meter zu Siedlungsgebieten und 550 Meter zu Einzelgehöften vor.
Schweiger: „Mit Firma Bögl über individuelle Abstände sprechen“
Kelheims Bürgermeister schlug nach seinen Worten „individuelle“ Abstandsregeln vor. „Wenn das auf Regionalplanebene nicht möglich ist, wollen wir dies mit dem Projektierer diskutieren“, so Schweiger.
Patrick Grossmann habe auch gesetzliche Initiativen ins Spiel gebracht, welche eine Änderung des Umgangs mit Windkraftanlagen zur Folge hätten. Bislang sei dazu aber nichts bekannt, womöglich werde etwas im Zuge der Regierungsumbildung diskutiert.
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Grundsätzlich sei bei dem Termin beim Regionalen Planungsverband deutlich geworden, dass der Regionalplan, der bis Ende des Jahres stehen soll, die Ziele der Staatsregierung umsetzen wird. Dazu fiel am Montag, 31. März, ein Grundsatzbeschluss.
Darüber informierte Landrat Martin Neumeyer
Landrat Martin Neumeyer hatte laut Schweiger im Vorfeld ein Gespräch mit Vertretern der Kelheimer Windpark-Kritiker von der „Initiative Heimat retten“, was einer ihrer Sprecher, Kapfelbergs Ortssprecher Michael Karl, bestätigt. Laut Schweiger habe ihn der Landrat darüber informiert, aber auch mitgeteilt, dass er als Mitglied des Ausschusses dem Entwurf des Regionalplans zustimmen werde, da der Landkreis nur 1,5 Prozent der Flächen beisteuern könne. Der Großteil sei militärische Flugsperrzone.
Termin mit Petra Högl und Windkümmerin Lilli Wolff
Vergangenen Freitag hatten sich Vertreter der Kelheimer Windpark-Kritiker mit Kelheims CSU-MdL Petra Högl, Windkümmerin Lilli Wolff und Kelheims Bürgermeister getroffen. Dabei hätten diese laut Schweiger ihren Unmut über das Vorgehen Schweigers und des Stadtrats wiederholt. Sie seien nach wie vor für die vollständige Rücknahme der Windpark-Flächen wie auch der für große Solarparks um die betroffenen nordöstlichen Kelheimer Dörfer. Zudem erwarteten die Vertreter der Initiative, dass die Stadt im nun anstehenden Beteiligungsverfahren eine negative Stellungnahme abgebe, was Michael Karl unserer Zeitung gegenüber bestätigt.
Der aktuelle Kelheimer Windpark-Projektierer, die Firma Bögl, sei laut Schweiger grundsätzlich bereit, größere Abstände als sie im Regionalplan festgezurrt würden, zu realisieren – „solange es wirtschaftlich möglich ist“. Gespräche diesbezüglich müssten noch vertieft werden. Aktuell sei zugesagt, dass man „1000 Meter zu zusammenhängender Bebauung einhalten möchte, aber nicht zu jeglicher Bebauung im Außenbereich“. Letzteres werde nicht funktionieren.
Aktuell laufe die artenschutzrechtliche Prüfung. Zudem seien zwei weitere Punkte zu klären: die Windwürfigkeit und die Flächenverfügbarkeit. Ersteres sei „wie von der Initiative vermutet, eines der größten Probleme“, sagte Schweiger. Die Zahlen auf dem Papier seien nicht zufriedenstellend. Aufschluss könne eine Windmessung geben, allerdings komme diese nur, wenn die Flächen gesichert seien.
Aktuelle Entwicklungen beim Kelheimer Windpark
Dann hörten Stadträten und Zuhörer spannende Neuigkeiten. Die anvisierte Fläche am Winzerer Berg, wo man ein Windrad bauen wollte, sei nicht verfügbar. Deshalb würden dort auch keine Planungen stattfinden, sagte Schweiger. Entsprechend habe sich auch Dennis Diermeiers (FW) tagesaktueller Antrag für eine eigene Bürger-Info-Versammlung in Kelheimwinzer erledigt.
Im Raum Kapfelberg sei die Flächensicherung noch nicht abgeschlossen. Noch seien „keine drei Standorte da“. Zudem müssten – wenn Abstände eingehalten werden sollen – weitere Eigentümer kontaktiert werden. Insbesondere ein Standort nahe Kapfelberg sei aktuell fraglich, so Schweiger.
Michael Karl: Kommt jetzt viertes Windrad nach Kapfelberg?
Kapfelbergs Ortssprecher Michael Karl fragte: „Wird nun versucht, das vierte Windrad in den Raum Lindach/Kapfelberg zu verlegen?“ Bürgermeister Schweiger antwortete: „Das ist nicht angedacht.“ Schweigers Resümee: „Ein Standort in Kapfelberg ist fraglich, am Winzerer Berg ist aktuell keine Möglichkeit für ein Windrad, das ist Fakt. „Wie es bei einem anderen Projektierer aussähe, weiß ich nicht“, so Kelheims Bürgermeister.