Geplanter Windpark zwischen Kelheim und Sinzing wirbelt viele Ängste auf – Das plant die Firma Bögl

Nach immensem Interesse beim Infoabend der Windkraft-Gegner in Lohstadt war nun auch der Saal beim Abend der Stadt Kelheim in Gundelshausen proppevoll. Stadt, Projektierer und Windkümmerin hatten viele Fakten im Gepäck. Nach einem langen Abend war klar – es gibt noch viele Fragen und Gesprächsbedarf.
Einmal mehr waren auch viele Sinzinger gekommen. „Natürlich bin ich emotional, wenn die geplanten Windräder näher an Sinzing liegen als an Kelheim“, brachte es eine Frau auf den Punkt. Kritik brachten auch die Bürgermeister der Nachbargemeinde an.
Kelheims Bürgermeister Christian Schweiger, Windkümmerin Lilli Wolff von der Energieagentur Regensburg sowie Christoph Walter und Florian Franz vom Projektentwickler Bögl plädierten für Windkraft („eine der preiswertesten Energiearten“) und schilderten Rechtliches wie Planungsstand.
• So weit ist Bögl: Am brennendsten interessierte die 300 Zuhörer im Kellner-Saal, was bislang konkret bekannt ist. „Wir stehen ganz am Anfang“, sagte Christoph Walter. In der Regel dauere eine Windpark-Planung vier bis sechs Jahre. Man sei in der Vorplanung. Bis zu einer Genehmigung sei es ein weiter Weg. Es gelte die großen Themen (Militär/Luftfahrt, Natur-/Vogelschutz) abzuprüfen, „bevor wir weitergehen“. Beides laufe gerade (Vorbescheidsanfrage/Horstkartierung).
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• Alternative: Nach dem Aus der Windkraft-Pläne im Kelheimer Stadtwald bei Ihrlerstein wegen Tiefflugkorridoren der Bundeswehr war die Fläche im Wald nördlich von Kapfelberg als Alternative in den Fokus gerückt, so Walter. Wie im November-Stadtrat bekanntgeworden war, plant Bögl dort drei Windräder sowie eines bei Kelheimwinzer. Letzteres war kein Thema. Nur so viel: Man plane einen Windpark mit insgesamt vier Anlagen. Der Abstand zwischen den Flächen sei einem militärischen Flugkorridor geschuldet. Drei Windräder sind nördlich von Kapfelberg auf drei Plateaus im Wald angedacht. Theoretisch wären mehr möglich. Andere Projektierer würden davon womöglich Gebrauch machen, so Walter. Bögl wolle aber nicht in den Hang bauen, denn dafür müsste deutlich mehr Gelände bewegt werden.
• Bekannte Details: Angedacht seien Vestas-Anlagen V172 mit 172 m Rotor-Durchmesser, 175 m Nabenhöhe, 260 m Gesamthöhe. Pro Anlage könnten 14 Millionen Kilowattstunden Strom jährlich produziert werden. Investitionskosten pro Windrad: zehn bis zwölf Millionen Euro; Mutmaßliche Abstände zur Wohnbebauung: 1000 m (bis Reichenstetten/Sinzing), 1200 m (bis Dürnstetten/Sinzing), 1400 m (zu den Kelheimer Ortsteilen im Süden). Bei Vorliegen einer Vorrangfläche im (künftigen) Regionalplan sollen Windräder bis auf 900 Meter zu Wohn-, Misch- oder Dorf-Gebieten mit Bebauungsplan heranrücken dürfen, auf einzelne Gehöfte im Außenbereich bis zu 550 Meter.
Dauerhafter Flächeneingriff pro Windrad: 2700 Quadratmeter, temporär 4000, nötiger Wege-Neubau circa 1 km (4500 Quadratmeter); Die Erschließung sei über Saxberg (Gemeinde Sinzing) angedacht. Ein Rotorblatt sei 86 Meter lang, insofern brauche es ein 100-Meter- Transportgerät und vor Ort Platz, um einen Kran zusammenzubauen. Im September habe man mit den Grundstückseigentümern gesprochen und „relativ gute Resonanz“ erhalten. Noch seien keine Verträge geschlossen, so Walter. Alles hänge davon ab, ob die Eigentümer mitmachten.
• Was kommt wann? Vieles, was Walter zum Ablauf der Planungen schilderte, konnten die Zuhörer schwer nachvollziehen. Etwa, dass man aktuell nur mit einer Windschätzung, nicht mit realen Werten arbeite. Diese Aussage hatten die Besucher mit Gelächter quittiert. Laut Walter sei dies völlig normales Vorgehen. „Wir wissen, was wir tun.“ Allein das Windgutachten koste „100.000 Euro“. Zahlreiche weitere seien nötig – Denkmalschutz (Befreiungshalle), Schall, Schatten, Boden, Baugrund. Weil diese teuer seien, würden sie erst angestoßen, wenn sicher sei, dass etwa die Grundstücke überhaupt zu pachten seien.
Zurück zur Windgeschwindigkeit: Die geschätzten 6,2 Meter pro Sekunde könne man mit heutigen Windrädern durchaus nutzen. Dennoch könnte das Gutachten auch ergeben, dass „der Wind zu schlecht ist“. „Wenn alles gut läuft“, könnte Bögl frühstens Ende 2025 Antrag auf Genehmigung stellen. Das Kelheimer Landratsamt wäre für das sogenannte BImschG-Verfahren (Verfahren nach BundesimmissionsschutzGesetz) zuständig. Frühestens 2026 könne man eine Genehmigung in Händen halten. Dann brauche es einen Zuschlag nach EEG (Erneuerbare Energien Gesetz). Erst damit erziele das Vorhaben „Baureife“, so Walter. Dann würde man Netzanschluss und Finanzierung in Angriff nehmen. Baubeginn könnte frühestens 2027, eher 2028 sein. Bögl erstelle den Windpark auf eigene Kosten und eigenes Risiko und würde ihn ein Jahr betreiben (Erfahrungswerte). Dann könnte die Stadt ein Vorkaufsrecht ausüben. „Nach Gewerbesteuer garantiere man eine Rendite von fünf bis sechs Prozent“. Alleine könnte dies die Stadt Kelheim laut Bürgermeister nie stemmen. Es bräuchte Partner, die miteinsteigen (Unternehmen, Stadtwerke, Banken, Bürgergenossenschaft).
• Bürgersorgen: Zweieinhalb Stunden stellten viele Bürger Fragen und äußerten Sorgen. Dabei ging es von Landschaftsverschandelung bis Netzanschluss. Kelheimer wie Sinzinger appellierten an die Planer. „Wir haben nur Nachteile“, so eine Saxbergerin. Man solle prüfen, ob man die Windräder verschiebbar seien oder niedriger gebaut werden könnten. In Sachen Schall und Schatten verwiesen die Bögl-Mitarbeiter auf verpflichtende Abschaltungen bei Überschreitungen von Grenzwerten oder schallreduziertem Modus, der dann anlaufe. „Wir haben Verständnis für ihre Anliegen“, betonte Walter.
Bei vielen Punkten kam man an diesem Abend aber nicht zusammen. Zum kritischen Blick auf das finanzielle Risiko und wer es letztlich trage, sagte Walter: „Wir setzen keinen Windpark hin, wenn die Wirtschaftlichkeit nicht gegeben ist.“ Auch zu befürchtetem Verlust beim Wert der Immobilien gab es unterschiedliche Sichten. Florian Franz versuchte die Sorge mit Blick auf mehrere Studien zu zerstreuen. Dies sei bei Windrädern nicht zu erwarten. Kapfelbergs Ortssprecher verwies auf einen Immobilienfachmann und nannte Wertminderungen von „10 bis 30 Prozent“.
• Bürgermeister-Sichten: Kelheims Bürgermeister musste sich von den Sinzinger Kollegen anhören, dass sie bislang offiziell nichts wussten. Erst beim Abend in Lohstadt habe man erfahren, „dass Sinzing massiv betroffen ist“, so Martin Brix und Thomas Schwindl. Auch von Bögl hätte man sich gewünscht, eingebunden worden zu sein. An die Kelheimer gewandt, sagte Schweiger: „Ich will euch nicht anlügen. Kelheim hat keinen Einfluss darauf, ob Projektierer (Vorrang-)Flächen ins Visier nehmen oder nicht.“
• Das sagt die Windkümmerin:Ähnlich argumentierte die Windkümmerin. Dieser oder ein anderer Projektierer mache auch bei einem Nein von Stadt bzw. Stadtrat weiter. Waldgebiete gelten als Vorranggebiet. Laut bayerischer Bauordnung dürfen Windräder hier bis auf 1000 Meter an Wohnbebauung heran. Ein Regionalplan werde erst erarbeitet. So lange es aktuell keine rechtlich problematische Situation gebe, sei da nichts dagegen zu machen. Der Vorteil das Ganze mit einem Projektierer wie Bögl anzugehen, liege darin, dass man mitreden könne und „auch finanzielle Vorteile“ in Form von Beteiligung erzielen könne.






