Volles Haus bei Info-Abend: Das wollen Kelheimer Windkraft-Gegner erreichen

Von Beate Weigert · 17. Januar 2025 um 19:00

Großer Andrang herrschte im Perzl-Saal in Lohstadt: Geplante Windräder und große Potenzial-Flächen für Solarparks treiben die Menschen in den Dörfern im Kelheimer Nordosten wie auch im benachbarten Sinzing um. Demnächst soll ein weiterer Info-Abend folgen.

Dass das Thema, die Menschen in Kelheim wie auch im benachbarten Sinzing umtreibt, war am Donnerstagabend zu sehen, lange bevor das erste Wort beim Info-Abend der Initiative „Heimat retten“ gesprochen war. Der Saal war voll.

Kurz vor Beginn wurden immer neue Stühle in den Perzl-Saal in Lohstadt getragen. Zum Schluss mussten viele Interessierte stehen. An die 200 Menschen dürften es wohl gewesen sein, die hören wollten, was Florian und Michael Karl sowie Wolfgang Schneider und Günter Spörl zu sagen hatten – zu drei geplanten Windrädern nördlich von Kapfelberg und großen Potenzialflächen für Solarparks um die Dörfer im Kelheimer Nordosten.

Sprecher der Initiative: „Kein Wahlkampf“

„Das ist keine Veranstaltung der Stadt, keine vom Projektierer und auch kein Wahlkampf“, betonte Florian Karl. „Von Bürgern für Bürger“ wolle man (Grund-)Infos liefern. Auch wenn diese noch nicht so in die Tiefe gingen. Karl kritisierte, dass „so einschneidend große Projekte vorangetrieben werden, ohne dass die Leute etwas wissen“.

Auch viele Kelheimer Stadträte waren da. Ebenso Kelheims wie auch Sinzings Bürgermeister. Die einen Besucher, die eng an eng an den Tischen saßen, interessierte, was es mit der Windkraft hier an sich auf sich hat. „Ob schon bekannt sei, ob man sich beteiligen könne“, fragte ein Nittendorfer seine Tischnachbarn. Andere wohnen in unmittelbarer Nähe zu den drei angedachten Windrädern. Sie sorgen sich, um ihre Grundstücke und, dass ihnen ihr Leben im „Schatten“ der Windräder, wie es eine Saxbergerin auf den Punkt brachte, verleidet werde. Ein Reichenstettener raunte seinem Nachbarn zu: „Da kannst’ dann wegziehen.“

Die Sprecher der Initiative, Florian und Michael Karl aus Kapfelberg und Wolfgang Schneider aus Lohstadt zeigten sich „überwältigt“ vom Andrang der Besucher. „Das zeigt, wie stark das Interesse ist.“

Sie skizzierten ihre Kritik und Sorge. „Im schlechtesten Fall kommt alles – PV und Windräder.“ Sie fürchten laut ihren Schilderungen Zerstörung bester Böden und Wälder, die Zerstörung hochwertiger Natur- und Kulturlandschaft, die auch viele Urlauber herlocke, oder auch enorme finanzielle Risiken für die Stadt und ihre Bürger an einem „bedingt geeigneten Windkraftstandort“.

Michael Karl: „Das ist teils nicht einmal 3H“

Zudem führten sie die Dimensionen der Anlagen und Abstände zu Wohnhäusern ins Feld. 260 Meter Höhe seien gewaltig. Mögliche Abstände von 1400 bis etwas mehr als 600 Metern zu Häusern und Höfen „nicht einmal 3H“, so Michael Karl. Bezüglich vom Stadtrat im Sommer 2024 festgelegter Obergrenzen für Solarparks pro Ortsteil, betonte der Kapfelberger Ortssprecher: „Es ist nur eine Frage der Zeit, bis aus Potenzialflächen für Freiflächen-PV Realität wird. Die geplanten Dimensionen sind einfach zu viel. Ich hoffe, dass die Stadträte ihre Meinung hierzu noch ändern.“

Laut Kelheims Geschäftsleiterin im Rathaus Miriam Seidl soll das Thema in der Januar-Sitzung erneut behandelt werden.

Aus Sicht der vier Redner ist der Standort für die Windräder aus vielerlei Gründen ungeeignet. Weil das kleine Waldgebiet von Siedlungen umzingelt und es an und für sich viel zu kleinräumig sei. Günter Spörl, von Beruf Landschaftsplaner, ging auf umliegende FFH-Gebiete und andere bedeutsame Areale in Sachen Flora und Fauna (Mattinger Hänge) ein und fragte sich, ob das Areal nicht „im selben militärischen Interessenskonflikt“ stehe, wie das in Ihrlerstein. Tiefflugkorridore für Hubschrauber der Bundeswehr hatten 2024 zum Aus der Kelheimer Windpark-Pläne im dortigen Stadtwald geführt.

„Abend war ein Gradmesser“

Spörl sorgt sich zudem, dass im Gegensatz zu PV-Verfahren die Genehmigung für Windräder „ohne faktische Bürgerbeteiligung“ über die Bühne ginge. „Wenn sie die Flächen erwerben können, fürchte ich, dass es konkret wird für uns.“

Die abschließende Fragerunde offenbarte, dass viele Aspekte bislang unklar sind bzw. sie nur vom Projektierer beantwortet werden könnten. Für die Initiatoren war der Abend ein „Gradmesser“. Sie wollen nach eigenem Bekunden erreichen, dass das Standortkonzept für PV-Freiflächen der Stadt „rückabgewickelt“ wird bzw. dass die Flächen um Kapfelberg wieder gelöscht werden. Zudem hoffen sie, dass Grundstückseigentümer ihre Flächen nicht für Windräder zur Verfügung stellen und versprachen sie, Fragen per Mail zu sammeln und an die Stadt Kelheim weiterzuleiten.

Ein Schultersdorfer fragte, ob man man nicht eine Petition einbringen könne, dass die Stadt alle Bürger im Umkreis von drei, vier Kilometern befragen müsse, „bevor der Stadtrat entscheidet“.

Demnächst gibt es einen weiteren Info-Abend. Die Stadt fasse einen Termin Anfang Februar ins Auge, so Bürgermeister Christian Schweiger auf unsere Nachfrage.

Wolfgang Schneider, Sprecher der Initiative aus dem Kelheimer Ortsteil Lohstadt
Florian Karl, Sprecher von „Heimat retten“ aus Kapfelberg
Michael Karl, Mitglied der Initiative und Ortssprecher von Kapfelberg