„Initiative Heimat retten“: Gegenwind für Windräder und große Solarflächen in Kelheim

Von Beate Weigert · 11. Januar 2025 um 11:00

In Kelheim formiert sich Widerstand gegen drei geplante Windräder und große Solarparks. Eine Initiative von Bürgern sieht die Menschen in den Dörfern übergangen. Sie machen ihre Kritik laut und laden zu einer öffentlichen Veranstaltung.

Ende November war im Stadtrat bekannt geworden, dass die Kreisstadt mit der Firma Bögl als Projektierer im Nordosten Kelheims vier Windräder planen will. Zudem hatten die Stadträte im Sommer eine Obergrenze von 30 Hektar pro Ortsteil für Solarparks festgezurrt. In den Augen so einiger Bürger aus den betroffenen Dörfern sind die Pläne viel zu massiv. Es regt sich Widerstand.

Am Donnerstag, 16. Januar, 19 Uhr, will die Initiative „Heimat retten“ ihre Mitbürger im Saal des Gasthauses Perzl in Lohstadt informieren. Hinter dieser stehen laut vier Sprechern, die unsere Zeitung traf, an die 20 engagierte Frauen und Männer aus allen betroffenen nordöstlichen Kelheimer Ortsteilen.

Vor den Kopf gestoßen

Kapfelbergs Ortssprecher Michael Karl, der Kapfelberger Florian Karl, der Lohstädter Wolfgang Schneider und Bernhard Seitz aus Reichenstetten, das zu Sinzing gehört, fühlen sich von den „sehr aktuellen Planungen mehrerer Windräder“ sowie durch das Festlegen „enorm großer“ Potenzial-Flächen für Solarparks im Nordosten der Kreisstadt vor den Kopf gestoßen.

Ihre Sorge: Dass die Bürger „vor vollendete Tatsachen gestellt werden“. Im Herbst tourten Bürgermeister Christian Schweiger und die Abteilungsleiter der Stadtverwaltung bei den Bürgerversammlungen durch alle Ortsteile. Dabei spielte das Thema Energie(-Projekte) in den Dörfern keine große Rolle. Nur auf Nachfrage von Bürgern fielen ein paar Sätze, so zumindest schildern es die vier Vertreter der bislang noch „losen Initiative“.

Wenig später in der November-Sitzung des Stadtrats wurden in den Augen des Quartetts, aus dem Nichts die Pläne der Stadt in Sachen Windräder doch sehr konkret. Mit einer 14:8-Mehrheit gaben die Stadträte für die Planung von vier Windrädern (drei nördlich von Kapfelberg, eines nördlich von Kelheimwinzer) grünes Licht.

Zuvor hatte ein Vertreter der Firma Bögl, mit der die Stadt zunächst im Stadtwald bei Ihrlerstein Windräder zu realisieren versuchte, informiert, dass man noch im alten Jahr „zweigleisig fahren“ wolle. Es sollten Flächen auf drei Plateaus im Wald nördlich von Kapfelberg gesichert werden, zudem sollte das naturschutzrechtliche Gutachten anlaufen, „um keine Zeit zu verlieren“.

„Man muss die Leute informieren“

Kapfelbergs Ortssprecher Michael Karl und weitere Mitbürger aus den umliegenden Ortsteilen Lohstadt, Gundelshausen oder Herrnsaal fielen laut ihren Schilderungen aus allen Wolken. Nachbarn aus dem Sinzinger Gemeindegebiet ginge es genauso. Keiner wisse, was die Menschen erwarte. Der Informationspolitik der Stadt stellen die Sprecher der Initiative ein schlechtes Zeugnis aus. „Es ist in Ordnung zu planen, aber man muss die Leute informieren.“

Bürgermeister Schweiger hatte Ende 2024 gegenüber unserer Zeitung für das erste Quartal 2025 eine bzw. mehrere Info-Veranstaltungen für die Bürger in Aussicht gestellt. Die kommen den vier Männern dann aber „zu spät“. Sie fürchten, dass die Menschen vor „vollendete Tatsachen“ gestellt werden. „Was nützt eine Bürger-Info, wenn ein Stadtratsbeschluss erwirkt und Verträge mit Grundstückseigentümern geschlossen sind?“

Vor der Stadtratssitzung hatte Ortssprecher Karl nach eigener Schilderung einen Antrag geschrieben, der dann als Empfehlung der CSU eingebracht worden war. Doch die Idee, dass im Falle möglicher Windräder anteilig Potenzial-Flächen für Freiflächen-PV herausgerechnet werden sollten, fand keine Mehrheit.

Die Vertreter der Initiative betonen vor dem Info-Abend, dass sie nicht grundsätzlich gegen erneuerbare Energien seien. Aber die Dimensionen und die geballten Standorte (Wind wie PV) um die genannten Dörfer, gingen nicht. Sie fürchten viele Nachteile, die sich in ihren Augen ergeben würden – von „Verschandelung der Kulturlandschaft“ über eine mögliche Entwertung von Grundstücken und Immobilien bis hin zu Lärmbelästigung, Blendung oder Zerstörung „funktionierender Dorfgemeinschaften und des gesellschaftlichen Friedens“.

„Die Leute sollen wissen, was auf sie zukommt“, sagen die Vier vor der Versammlung. Mancher habe bislang noch gar nichts von den Plänen mitbekommen. Der Abend solle auch helfen, die Stimmungslage der Bürger zu erfahren. „Wenn dann 80 Prozent für einen Windpark sind, dann ist das so“, sagt Florian Karl. Wenn nicht, könnte sich eventuell eine Bürgerinitiative gründen. Bis 16. Januar wollen sie Flyer an die Haushalte verteilen. Auch Bürgermeister und Stadträte seien eingeladen, heißt es.

Sie sind ein Teil der Bürger, die gegen die Windkraft- und PV-Pläne der Stadt mobil machen: (v.re.) Florian Karl aus Kapfelberg, Kapfelbergs Ortssprecher Michael Karl, Wolfgang Schneider aus Lohstadt und Bernhard Seitz aus Reichenstetten. Foto: Beate Weigert
Im November gaben die Stadträte grünes Licht für das Weiterverfolgen der Windräder mit der Firma Bögl. Foto: Molter/dpa
Für jeden Kelheimer Ortsteil haben die Stadträte 2024 eine Obergrenze für PV-Parks festgelegt. Foto: Patrick Pleul/dpa