Kelheims neue Windkraft-Pläne – das ist bislang bekannt

Von Beate Weigert · 26. November 2024 um 19:00

Es war im Stadtrat der erste und längste Punkt auf einer langen Tagesordnung: Kelheims neue Windkraftpläne. Nach dem Aus für einen Windpark im Stadtwald bei Ihrlerstein gibt es nun neue, konkrete Überlegungen in zwei Ortsteilen.

Auf der Bürgerversammlung in Kapfelberg hatte es erste Informationen gegeben. Zuvor waren wohl Ende September Eigentümer relevanter Flächen informiert worden, hieß es.

• Projektierer bleibt: Vor gut eineinhalb Jahren hatte sich der Stadtrat für den „Big Player“ unter vier Interessenten entschieden, die Oberpfälzer Firma Max Bögl. Mit ihr will die Kreisstadt „dasselbe Konzept“ an zwei neuen Standorten vorantreiben. Projektentwickler Christoph Walter von der Firma Bögl betonte das Unternehmen baue „viele Anlagen“. Wenn Baureife bestehe, könne das Vorhaben „zügig umgesetzt“ werden. Mit Windkümmerin Lilli Wolff von der Energieagentur Regensburg informierte Walter über das, was bislang bekannt ist.

Planungen für vier Windkraftanlagen

• Neue Standorte: Statt bislang sechs Windräder im Stadtwald bei Ihrlerstein wolle man nun an zwei alternativen Standorten die Planungen für vier Windkraftanlagen vorantreiben, so Walter. Weiterer Unterschied: Die neuen Flächen gehörten nicht der Stadt, sondern 25 bis 30 größtenteils privaten Eigentümern, teils handle es sich um Staatsforst. Ein Standort für ein einzelnes Windrad finde sich nördlich von Kelheimwinzer, ein weiterer nördlich der Dörfer Kapelberg, Lohstadt, Gundelshausen, Lindach und Schultersdorf. Hier sieht die Firma Bögl Potenzial für drei Windräder. Platziert auf drei Plateaus, die sich im dortigen Waldgebiet finden. Die vorgestellten Flächen seien auch von der Regionalplanung in der Region 11 als Vorranggebiete markiert. Bürgermeister Christian Schweiger betonte, dass man mit der Firma Bögl diese Standorte „proaktiv“ entwickeln wolle, bevor andere Projektierer „von irgendwo“ kämen. „Die Flächen dürften Begehrlichkeiten bei vielen Projektierern wecken“, so Schweiger. Mitreden könne die Stadt nur, wenn sie sich selbst (finanziell) beteilige.

• Windkraftanlagen: Im Stadtwald waren 14 bis 15 Millionen Kilowattstunden (netto) an Stromausbeute jährlich angepeilt gewesen, sagte Walter. Von einem ähnlichen Ertrag geht der Teamleiter Süd auch bei den vier neuen Anlagen aus. Die Windgeschwindigkeiten seien ähnlich. Der Projektierer machte aber auch klar: „Es muss sich rechnen. “ Damit dem so sei, müssten die Windräder auch sehr groß ausfallen. Walter sprach von „der neuesten Generation“ von Windrädern. Die Nabenhöhe benannte er mit 175 Metern, den Rotordurchmesser mit 172 Metern, die Gesamthöhe mit 260 Metern.

Standorte noch nicht konkret

• Baudetails: Die Anlieferung der Bauteile würde man von Sinzing her machen, erklärte Christoph Walter. Bei Saxberg (Gemeinde Sinzing) gehe es in den Wald. Wie in Ihrlerstein geplant, würde auch hier eine Kabeltrasse nach Kelheim führen und dort an ein Umspannwerk angeschlossen.

• Kriterien: Walter zeigte zwar Karten, wo die Windräder angedacht seien. Die Markierungen seien aber noch nicht als konkrete Standorte zu verstehen, sagte er. Denn aktuell wisse man noch nicht, welche Flächeneigentümer sich zum Verpachten bereiterklärten. So könnten sich die Standorte noch etwas verschieben. Grundsätzlich sollten die Windräder (insbesondere die nördlich von Kapfelberg) „mitten im Wald entstehen“. Jedoch sollten die Anlagen so weit als möglich auseinander stehen, damit sie sich „nicht gegenseitig Wind wegnehmen“, so Walter. In jedem Fall würden die Windräder mindestens 800 Meter Abstand zu den nächsten „geschlossenen Wohnbebauungen“ haben. Auf der im Stadtrat gezeigten Karte fanden sich im Umkreis auch die Sinzinger Ortsteile Dürnstetten und Reichenstetten.

• Angedachter Zeitplan: Noch 2024 wolle man zweigleisig fahren und sowohl die Flächensicherung vorantreiben, als auch das naturschutzrechtliche Gutachten und die Horstkartierung beginnen, um keine Zeit zu verlieren. Aktuell gebe es aber noch keine unterschriebenen Verträge mit Eigentümern, entgegnete Walter auf Nachfrage. Bei der Eigentümer-Info, die man veranstaltete, konnten sich Interessierte in Listen eintragen. Ein „Standardvertrag“ werde aktuell vom Bayerischen Bauernverband geprüft, hieß es. Angedacht sei ein „Poolvertrag“, sprich jeder Eigentümer solle denselben Vertrag erhalten. 2025 könnte Bögl (auf eigenes Risiko) den Antrag nach Bundesimmissionsschutzgesetz stellen, sprich das Genehmigungsverfahren angehen. Läuft alles glatt könnte bis 2026 Baureife bestehen. Dann würde eine Projektgesellschaft gegründet, die „zu 100 Prozent bei Bögl“ wäre. Baubeginn könnte 2027 sein, eine Inbetriebnahme in 2028. Wegen des anstehenden Regierungswechsels und weil man nicht wisse, wie es künftig um die Förderung bestellt sei, wolle man möglichst schnell einen Antrag stellen, so Walter.

Stadt will Mitspracherecht haben

• Stadt/Bürger beteiligen: Angedacht sei weiter, dass sich die Stadt zwei der vier Flächen sichere, „damit sie immer ein Mitspracherecht hat“, Bögl die anderen beiden, sagte Walter. Parallel zur Gründung der Projektgesellschaft würde mit der Stadt ein Optionsvertrag für ein Vorkaufsrecht geschlossen. Wenn die Anlagen gebaut seien, könnte die Stadt dieses nutzen und etwa eine Betriebsgesellschaft gründen. Möglich sei, dass die Stadt selbst, Stadtwerke oder eine Bürgerenergiegenossenschaft einmal die beiden Windparks betreiben.

• Bürger informieren: So positiv wie Projektierer und viele Stadträte dürfte nicht jeder Bürger die neuen Pläne sehen, merkte Kelheims Bürgermeister an. Für die Einwohner der betroffenen Ortsteile soll es zeitnah Infoabende geben. Hier werde auch Windkümmerin Lilli Wolff eingebunden sein.

Abstimmung(en) am Montag im Kelheimer Stadtrat

CSU-Antrag: Ein Antrag der CSU-Fraktion, wonach wegen möglicher Windräder anteilig Flächen für Freiflächen-PV – im Juni hatten die Stadträte eine 30 Hektar-Obergrenze pro Ortsteil beschlossen – in den betroffenen Dörfern gestrichen werden sollten, wurde mit 10:10 abgelehnt.

Beschluss: Mit 14:8 stimmten die Stadträte für das Weiterverfolgen der Pläne mit der Firma Bögl.