Silke Schell schlägt vor, bedürftigen Kindern Büchereigebühr in Furth im Wald zu erlassen

Die Stadtbibliothek zieht um. Alles wird neuer, frischer, moderner und besser (wir berichteten). Das macht eine Gebührenerhöhung notwendig, über die der Stadtrat abzustimmen hatte. Grundsätzlich bestand Einigkeit, bis eine Herzensangelegenheit von Rätin Silke Schell eine lebhafte Diskussion auslöste.
Kulturamtsleiterin Karin Stelzer kam die Aufgabe zu, die Einzelheiten zu erklären.
So läuft der Umzug der Stadtbibliothek: Stadtbibliothek Furth im Wald zieht mit 12 500 Medien ins Amtsgerichtsgebäude um
Mit dem Umzug in das Alte Amtsgericht erhält die Stadtbibliothek eine neue Heimat. Damit könnten die circa 12 500 Medien optimal präsentiert und gleichzeitig die Aufenthaltsqualität für die Besucher verbessert werden.
Längere Öffnungszeiten
„Mit den beiden Selbstverbuchungsterminals ist die Bibliothek künftig auch technisch auf dem neuesten Stand“, sagt Stelzer und ergänzt: „Zudem ermöglichen es diese Terminals, die Öffnungszeiten wesentlich auszuweiten.“ Eine Medienrückgabebox außerhalb des Gebäudes ermögliche darüber hinaus eine Rückgabe rund um die Uhr und auch am Wochenende. Neben den physischen Medien haben Besucher Zugriff auf rund 25 000 E-Medien und eine Video-on-Demand Plattform für Bibliotheken. Ohne Mehrkosten können bis zu 3000 Spielfilme, Kinderfilme und Serien gestreamt werden. Auch ein Gaming-Bereich für Jugendliche wird eingerichtet werden.
„Aufgrund der vorgenommenen Investitionen, der verbesserten Nutzungsmöglichkeiten und der Preissteigerung beim Medienkauf schlägt die Verwaltung vor, die Gebühren für Mitglieder der Stadtbibliothek zum 1. Juni 2025 anzuheben“, erläuter Stelzer. Demnach werden für Erwachsene ab Juni 20 Euro (vorher: 15 Euro) fällig. Kinder, Schüler, Jugendliche, Studenten und Auszubildende zahlen zukünftig 15 statt bisher zehn Euro. Der Familientarif ab drei Personen beträgt 25 Euro (20 Euro). Die einmalige Nutzung, beispielsweise für Urlaubsgäste, steigt von drei auf fünf Euro, das Ausstellen eines Bibliotheksausweises kostet in Zukunft ebenfalls fünf Euro (drei Euro), Ersatz- und zusätzliche Familienausweise kosten weiterhin fünf Euro. Für die Fernleihe wird fünf Euro berechnet (zwei Euro und Rücksendekosten). Säumnisgebühren betragen je angefangene Woche und Medium weiterhin einen Euro. Die 1. Mahnung per E-Mail bleibt kostenfrei (bisher ein Euro für Telefonanruf), die zweite und dritte postalische Mahnung schlagen wie bisher mit drei beziehungsweise fünf Euro zu Buche.
Vor der eigentlichen Abstimmung meldete sich Rätin Silke Schell zu Wort: „Ich bin ein großer Fan der Bücherei und habe grundsätzlich auch nichts gegen die Erhöhung“, schickte sie voraus. Aber sie würde sich wünschen, dass Kindern im Zuge der Teilhabe die Gebühren für die Nutzung erlassen werden, wenn sie ohne Eltern in die Bibliothek kommen. Zur Erklärung, Teilhabe meint: Empfänger von Grundsicherung oder Sozialhilfe können für ihre Kinder unter anderem Leistungen für Bildung beantragen. So könnte man diesen Kindern einen Zugang zur Bildung ermöglichen. „Es ist mir eine Herzensangelegenheit, Kindern aus Familien, die Anspruch haben, nur wenn sie alleine kommen, das zu ermöglichen.“ Grund: Es gebe durchaus Eltern, die ihren Kindern sagen: „Das ist es uns nicht wert.“
Ähnlich sah es Toni Schmidt. Es gebe eine Schwellenangst, die Räumlichkeiten alleine zu betreten. „Dazu braucht man Mut, der sollte belohnt werden.“ Er empfahl, Kindern bis zwölf Jahren, die alleine in die Bibliothek kommen, die Gebühren zu erlassen. „Wenn Kinder alleine kommen, ausleihen und auch zurückbringen, dann ist das doch der Idealfall.“
Bürgermeister Sandro Bauer wollte im Zuge der Gleichbehandlung wenn, dann eine Lösung, bei der alle Kinder freien Zugang zu den Medien hätten. „Sonst müssen wir eine Neiddebatte führen.“ Er befürchtete aber auch, dass dies zu Lasten des Familienpasses gehen könnte, weil sich der nicht mehr lohnen würde, wenn Kinder frei sind. Das zweifelte Schell, selbst aktive Nutzerin der Stadtbibliothek, an: „Ich gebe doch deswegen meinen Familienausweis nicht zurück.“ Es gehe um Leute, die sich das Angebot nicht leisten können oder wollen.
Mehrwert muss kosten
Oskar Mühlbauer sprach sich für eine geringe Gebühr von drei Euro aus, dritter Bürgermeister Franz Former schlug sieben Euro für Kinder und Jugendliche vor. Andreas Roder wollte bei 15 Euro bleiben: „Wir bieten doch einen super Mehrwert.“ Ähnlich sah es Günter Stelzer: Wenn man bis zu 40 Titel pro Ausleihe mitnehmen könne, „dann weiß ich überhaupt nicht, warum wir hier diskutieren.“ Zweiter Bürgermeister Michael Mühlbauer wurde deutlich: Das sei eine Investition in die Zukunft, ein super Angebot, „der Preis passt“.
Stefan Zeller warf ein, die erste Mahnung solle weiterhin einen Euro kosten. Der Stadtrat beschloss zunächst einstimmig unter Auslassung der Kinder- und Jugendgebühren die Erhöhung inklusive Zellers Vorschlag einstimmig. In einer zweiten Abstimmung wurde über die Kinder- und Jugendgebühren abgestimmt. Mit vier Gegenstimmen bleibt es bei den 15 Euro.
Kommentar von Alexander Frimberger
Ich erinnere mich an einen Christkindlmarkt in meiner Heimatgemeinde. Da gab es ein Märchenzelt, in dem Kindern etwas vorgelesen wurde. Einmal saß ein Junge dabei, der regelmäßig Probleme hatte, sich zu benehmen und aus einer schwierigen Familie kam. Als er bei mir im Zelt saß, war er mit Begeisterung bei der Sache, ermahnte jedes Kind, das nicht aufpasste, leise zu sein. Was ich damit sagen will: Bücher eröffnen faszinierende Welten, die jedem zugänglich sein sollten. Vor diesem Hintergrund ist Silke Schells Vorstoß richtig, bedürftigen Kindern in der Bibliothek freie Ausleihe zu ermöglichen. Folgerichtig der Vorschlag von Bürgermeister Sandro Bauer, allen Kindern bis zwölf Jahre, die alleine in die Bibliothek kommen, diese Möglichkeit zu bieten, um so eine Neiddebatte zu verhindern. Jedes Kind, da hat Toni Schmidt recht, das sich alleine in eine Bücherei traut, ist ein Gewinn. Vor diesem Hintergrund ist die Diskussion, ob 15 Euro, sieben Euro oder drei Euro im Jahr kassiert werden sollen, kleinkariert.
Ja, die neue Stadtbücherei wird modern und bietet viel. Die Argumentation, das müsse honoriert werden, weil nicht wertgeschätzt wird, was nichts kostet, ist in diesem Zusammenhang falsch. Was kann es für eine höhere Wertschätzung geben als ein Kind, das sich traut, alleine in eine städtische Einrichtung zu spazieren und mit leuchtenden Augen vor einem Bücherregal steht. Um nicht falsch verstanden zu werden: 15 Euro im Jahr sind ein mehr als fairer Preis. Aber egal, wie hoch der Betrag ist, Eltern, die selbst die Welt des Lesens nicht entdeckt haben, werden sie ihren Kindern auch für drei Euro nicht eröffnen. Beweis gefällig? Ein kurzer, so erlebter Dialog in einem Buchladen: „Mama, bekomme ich das Buch?“ „Warum, Du hast doch schon eins.“ Es geht hier nicht ums Geld, sondern darum, unnötige Hürden abzubauen, und da, wo die Unterstützung der Eltern ausbleibt, Kindern die Möglichkeit zu geben, sich frei und ungezwungen auf Abenteuerreise zu begeben. Das wäre eine schöne Sache gewesen. Dass sich diese Sichtweise in der Stadtratssitzung nicht durchgesetzt hat, läuft für mich unter der Rubrik: Schade, Chance vertan.