Was die Flabeg-Pleite in Furth im Wald mit dem Wasserpreis zu tun haben könnte

Wenn man derzeit mit Bürgermeister Sandro Bauer spricht, schwingt immer auch die Landesgartenschau (LGS) mit, die am 22. Mai beginnt. Gut bayerisch ausgedrückt: Er freut sich sakrisch drauf. Doch er weiß natürlich, dass es ein danach gibt. Wie das aussehen könnte und warum die Flabeg-Pleite nicht nur die Mitarbeiter, sondern jeden Bürger treffen könnte, hat er im Gespräch erzählt.
Noch herrscht in Furth rege Betriebsamkeit. Vor allem in der Eschlkamer Straße und auf der angrenzenden Festwiese bilden sich regelrechte Baumaschinen- und Lastwagen-Staus. Soll ja alles fertig werden. „Wird es auch“, sagt Bauer und lacht, bevor man ihm diese derzeit meistgestellte Frage stellen kann. Klar ist, dass die Baustellen langsam weniger werden.
Ebenso sicher ist das Haushaltsminus von rund 17 Millionen Euro, wenn die LGS abgerechnet ist. Stadtrat Stefan Zeller hat die Meinung sicher nicht exklusiv, dass die Freie Spitze, also das Geld, das der Stadt übrig bleibt, wenn alle Rechnungen bezahlt sind, nicht reichen wird, um zukünftige Pflichtaufgaben zu lösen (wir berichteten).
Hochwasserschutz wichtig
Bauer bleibt da locker: „Es wird weitergehen“, da ist er sich sicher. Natürlich nicht im Tempo der vergangenen Jahre, „aber wir haben uns keine Daumenschrauben angelegt, die uns unfähig machen würden zu handeln.“ Er schiebt auch gleich seine Begründungen für diese Aussage nach. So nimmt die Verwaltung immer eine sehr konservative Gewerbesteuerschätzung an. 2024 waren rund fünf Millionen eingeplant, neun sind es geworden.
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Heuer stehen sieben Millionen Euro im Haushaltsplan. Aber selbst, wenn unerwartete Maßnahmen anstünden, dazu gehören Kanalbrüche oder Entwässerungsgräben, sei das kein Grund, in Panik zu verfallen. Im Haushalt sind demnach immer Vorhaben eingestellt. „Nice to have“, also wünschenswert, nennt der Rathauschef diese Planungen. Die müssten dann zwar nicht aufgegeben, aber halt weiter nach hinten geschoben werden. Keinen großen Aufschub duldet für ihn das Projekt Hochwasserschutz. Die von Zeller geäußerte Kritik, man hätte diesen mit der Planung zur Landesgartenschau verbinden können, weist Bauer zurück. 2019 wurde mit den Planungen für die Schau begonnen. „Beim Hochwasserschutz brauchen wir ein Planfeststellungsverfahren, das benötigt mehr Zeit.“
Doch gleich nach den Kommunalwahlen im nächsten Jahr will er im neuen Stadtrat das Thema angehen. In dem Satz ist eine Aussage versteckt. „Ja, ich möchte weitermachen und werde mich wieder um das Amt des Bürgermeisters bewerben.“
Rudolf Metzka, Professor an er Fakultät Bauingenieurwesen und Umwelttechnik an der Technischen Hochschule Deggendorf, hat im Stadtrat vor rund drei Jahren ein Gutachten vorgelegt und verschiedene Schutzmöglichkeiten präsentiert. Bauer bevorzugt die Variante, bei der im Grenzbereich Schafberg und im Bereich Voithenberghütte Wälle entstehen, die einen Durchlass haben, durch den konstant Wasser fließen kann (wir berichteten). Kommt es zu Starkregenereignissen, staut sich der Regen in dem durch den Wall entstandenen Becken und fließt kontrolliert ab. „Einhundertprozentigen Schutz bietet das nicht, aber zum größten Teil.“
Bauer schwenkt noch einmal zurück zu den Finanzen, von denen in den kommenden Jahren weniger zur freien Verfügung stehen werden. Stimmt schon, räumt er ein, dafür ist in den letzten Jahren nicht nur im Bereich der Landesgartenschau viel passiert. Er zählt auf: „Das Amtsgericht wurde saniert, beim Museum ist man gerade dabei, wir haben ein modernes Rettungszentrum und viel für das Feuerwehrwesen getan.“ Die Wehren in Lixenried nennt er in diesem Zusammenhang oder auch die Drehleiter für Furth im Wald, die 850 000 Euro gekostet hat. Bald komme außerdem ein Tanklöschzug, der mit rund 650 000 Euro zu Buche schlage.
Vieles, was für die Gartenschau investiert wurde, komme in Zukunft ebenfalls den Bürgern zugute. „Das sind Investitionen für Generationen, wir haben das ja nicht für den Stadtrat oder den Bürgermeister gemacht, sondern für die Further.“ Den Mehrwert erkennen offensichtlich viele Further. Bauer wurde schon mehrfach angesprochen, ob man das Späth-Areal und den Bereich Wiesengrund am Haupteingang nach der LGS nicht einfach bestehen lassen könne. „Das Problem ist, dass in der Ausschreibung für den Vergabeauftrag der Rückbau schon enthalten ist.“ Man wird also abwarten müssen, ob beispielsweise das Späthgelände mit seinen Biergärten bleiben darf, bis ein Investor gefunden wurde, der dort das geplante innerstädtische Wohnen in die Realität umsetzt. Bauchschmerzen bereitet dem Further Bürgermeister, wie allen anderen Beteiligten auch, das Hallenbad. Es ist in die Jahre gekommen, muss mit einem jährlich steigenden Aufwand in Schuss gehalten werden. „Für mich gehört es zur Daseinsvorsorge, es ist ja kein Spaßbad, sondern die Kinder lernen dort schwimmen und es ist im Schulunterricht integriert.“ In diesem Zusammenhang riskiert Bauer einen Blick in Richtung der vielen Milliarden Euro, die jetzt vom Bundestag freigegeben wurden und auch den Kommunen zugute kommen sollen. Mit einer Förderung von 80 bis 90 Prozent könnte man die Sanierung schon wuppen, meint er.
Lob für Further ISEK
Nächstes Thema: Fortführung Stadtentwicklung (ISEK). „Auf jeden Fall.“ Auch weil die Regierung der Oberpfalz es fachlich und in der Umsetzung für eines der Besten im Bezirk hält. „Da wollen wir weitermachen, auch wenn natürlich der Strukturwandel nicht aufzuhalten ist.“ Ihm ist der Krapfen mit der süßen Marmelade in der Mitte lieber als der Donut, der ein Loch hat, will heißen: Eine Innenstadt mit Einzelhandel wäre schöner als ohne. Wenn das nicht geht, dann müsse man sich über andere Konzepte unterhalten.
Weh getan hat natürlich die Pleite der Flabeg Automotive. Vor allem, weil das ein Problem nicht nur für die entlassenen Mitarbeiter und die entgangene Gewerbesteuer ist, sondern für alle Further werden könnte. Bauer bestätigt auf Nachfrage, dass Flabeg einer der großen Wasserverbraucher in der Drachenstadt war. Rund zehn Prozent des Verbrauchs verfielen auf das Unternehmen. Die dabei anfallenden Gebühren kann die Stadt nicht mehr kassieren. Da die Fixkosten zum Beispiel für den Betrieb aber bestehen bleiben, könnte dies unter Umständen eine Erhöhung der Kanal- und Wassergebühren nach sich ziehen.
Wo sieht das Stadtoberhaupt Furth im Wald, wenn er es sich malen könnte, in zehn Jahren? „Ich wünsche mir, dass wir weiterhin ein attraktiver Wohnstandort sind. Leben, arbeiten und wohnen vor Ort für möglichst viele Menschen, das ist das Ziel.“
