Ein Konzept für Furth im Wald liegt vor – Bürgermeister erklärt, was man umsetzen will

Die Schrecken des Hochwassers Anfang Juni noch vor Augen, kam in Stadtrat Furth im Wald die neuerliche Frage nach der Umsetzung eines Konzepts auf, das vor zwei Jahren dem Gremium vorgestellt wurde. Bürgermeister Sandro Bauer klärt im Gespräch zum derzeitigen Sachstand auf.
Stefan Zeller verwies auf bestehende Pläne für den Schutz vor einem Hundertjährigen Hochwasser (HQ-100), das auch die möglichen Ausuferungen in Furth zeigen würde.
Lesetipp: Die Further sind sich einig: „Es hätte kein Wasser mehr kommen dürfen!“
„Wenn das kommt, kann niemand sagen, dass er es nicht gewusst hat“, so der Grünen- Stadtrat. Gemeint ist ein Hochwasserschutzkonzept für die Kalte Pastritz, das im Jahr 2022 von Professor Rudolf Metzka von der Technischen Hochschule Deggendorf erstellt und vorgestellt wurde.
Kosten: Zwei Millionen Euro
Dass Hochwasserschutz notwendig ist, weiß auch Bauer. Wenn bei einem HQ-100 das Wasser über die Ufer schwappt, sind sowohl die Stadt als auch zahlreiche Gemeindeteile unterschiedlich stark betroffen. Grundsätzlich sagt der Further Rathauschef dazu: „Wenn der Stadtrat einen Hochwasserrückhalt haben will, dann muss er das beschließen.“ So wie die Maßnahme im Moment angedacht ist, würden damit Kosten in siebenstelliger Höhe entstehen. Auf konkrete Zahlen will er sich natürlich nicht festnageln lassen. „Aber ich hoffe, dass vorne noch eine eins steht.“
Heißt: Die Maßnahme könnte knapp zwei Millionen Euro kosten. Das sei in der aktuellen Haushaltssituation nicht drin und kann frühestens nach Abrechnung der derzeitigen Stadtbau- und Landesgartenschau-Maßnahmen in Angriff genommen werden.
Doch von Anfang an: Metzka hat sich in seinem Hochwasserschutzkonzept auf die Kalte Pastritz konzentriert. Der Chamb ist durch den Drachensee soweit entschärft, dass er keine Gefahr mehr für Furth im Wald darstellt.
Basierend auf der Analyse des Einzuggebietes, der Strömungen im Gelände und der hochwassergefährdeten Gebiete ergaben sich für den Schutz verschiedene Modelle. Warum damals vom Maximalschutz ausgegangen wurde, erklärt Bauer so: „Nach den damaligen Richtlinien konnte die Maximalförderung nur durch einen HQ-100 erreicht werden.“ Um die möglichen Wassermassen komplett von Furth im Wald und umliegenden Ortsteilen abzufangen, müssten vier Hochwasserrückhaltebecken geschaffen werden. Dabei werden Mulden mit einem Wall verschlossen. Lediglich zwei Rohre, die immer geöffnet sind, lassen Wasser durch. Trifft eine Hochwasserwelle auf den Damm, staut sich das Wasser zurück und wird durch die Rohre gleichmäßig abgegeben. Der Wall wird begrünt, fügt sich unauffällig in die Landschaft ein, die Staufläche kann landwirtschaftlich genutzt werden, bei Ernteausfällen im Ernstfall erhalten Landwirte Entschädigung.
Metzka verortete ein Becken im Grenzbereich Schafberg. Das Wasser würde größtenteils in einen unbewohnten Bereich nach Tschechien rückgestaut. Ein zweites Becken könnte demnach westlich der Voithenberghütte entstehen, ein drittes und viertes in den Bereichen Sagberg und Schafberg. Metzka kommt bei seinen Ausführungen zu dem Schluss, dass „die Rückhaltungen in den Einzugsgebieten eine enorme Dämpfung der Hochwasserwellen bringen.“
Er schränkt aber gleichzeitig ein, die Becken alleine könnten keinen hundertprozentigen Schutz für alle Gebiete gewährleisten. Dazu bräuchte es innerorts bis zu 1,5 Meter hohe Mauern entlang der Kalten Pastritz. Vor zwei Jahren errechnete der Deggendorfer Professor Kosten für die Gesamtmaßnahme in Höhe von elf Millionen Euro. Die Pastritz einzumauern kommt für die Stadt nicht in Frage. Das Rückhaltebecken im Grenzbereich könnte zu schwierigen Verhandlungen mit den böhmischen Nachbarn und möglicherweise auch zu Regressforderungen führen. Auch die Kosten wären immens. Deshalb ist im Moment eine Variante angedacht, bei der zwar kein Schutz vor einem HQ-100 gewährleistet, aber eine deutliche Abminderung zu erreichen ist. Bei diesem Gedankenspiel ist eines der vier Rückhaltebecken im Bereich Schafberg vorgesehen, das große Mengen Wasser zurück halten könnte.
Hochwasser oder Starkregen
Laut Gutachten müsste der Einstaubereich 8,5 Meter betragen, was eine Wallhöhe von rund zehn Metern erforderlich macht. „Der Wall muss höher sein, damit er nicht überspült wird“, so Bauer. Die Straße und das Gelände links und rechts der Mulde liegen erhöht, so dass der Bereich maximal 244000 Kubikmeter Wasser aufnehmen könnte. Gespräche wurden mit den Grundstückseigentümern bisher noch nicht geführt. Aber, wie anfangs erwähnt, soll das Projekt inklusive Landerwerb zwischen 1,5 bis knapp zwei Millionen Euro kosten. Eine kleine Differenzierung möchte Bauer zum Schluss noch vornehmen. Demnach sind Starkregen und Hochwasser zwei unterschiedliche Ereignisse. Wenn es im Bereich Voithenberg stark regnet, kann es in Eschlkam durchaus trocken sein. Erst wenn es weiträumig sehr stark regnet, kommt es zum Hochwassergeschehen.