Die Further sind sich einig: „Es hätte kein Wasser mehr kommen dürfen!“

Von Johannes Schiedermeier · 4. Juni 2024 um 05:00

Ein Anwohner lehnt am Tag nach der Flut am Geländer neben der Alten Pastritz und spricht die Erkenntnis laut aus: „Das war knapp. Es hätte am Sonntag kein Wasser mehr kommen dürfen.“

Josef Beer vom Bauamt der Stadt und Ulrich Dölker, der Bauingenieur der Landesgartenschau, waren am Montagvormittag schon unterwegs entlang der Baustellen an der Kalten Pastritz. Die Schäden dort halten sich nach einer ersten Inventur in Grenzen.

„Das hätte nicht gereicht“

Für eine erste Einschätzung der Hochwassertauglichkeit des neuen Bachverlaufes durch die Stadt ist der Stresstest vom Wochenende aber nicht geeignet. Da sind sich Beer und Dölker einig.

Trotzdem zweifelt keiner von beiden, dass es im Endausbau Verbesserungen geben wird. „Vor einer Woche, da wäre das Ganze richtig schlecht ausgegangen, da hätten wir nur den Kanal der Lorenz-Zierl-Straße für den Ablauf zur Verfügung gehabt. Das hätte bei weitem nicht gereicht“, sagt Beer.

Am Sonntag geriet die Verbauung entlang der Kalten Pastritz erstmals an ihre Grenzen. Allerdings nur, weil der alte Bachlauf noch nicht zugeschaltet werden konnte. Der wird im Endausbau zusätzliche Wassermassen ableiten können. So ist das vorgesehen, sagt Dölker.

Baugruben aufgefüllt

Am Montagvormittag ersetzt ein Bagger der Firma Rädlinger abgeschwemmtes Material entlang der Bautrasse. Dölker und Beer haben sich das angesehen. Beer berichtet von einer Rücksprache mit Rädlinger-Bauleiter Michael Weichs. Dieser habe versichert, dass an der Lorenz-Zierl-Straße keine nennenswerten Schäden entstanden seien. Allerdings werde man zwei Tage warten, bis das Wasser aus der Kalten Pastritz wieder abgeflossen sei, um dann die Arbeiten im Bachbett wieder aufzunehmen.

Auch Bauleiter Thomas Kolbeck habe für Hofer-Insel und den Anschluss Kirchplatz samt Waldschmidtstraße und Verbindung zum Stadtplatz Entwarnung gegeben. „Da ist viel Wasser runtergekommen und es wurden bereits ausgehobene Baugruben mit Schlamm und Geröll wieder zu gefüllt. Die Wucht des Wassers hat auch eine Spundwand verschoben“, berichtet Beer. Das sei allerdings kein gravierendes Problem und teilweise schon wieder behoben. Beide Bauleiter hätten auch versichert, dass die Flut keinerlei negative Auswirkungen auf den Bauzeitenplan habe.

Der Drachensee wirkt

Was den Hochwasserschutz entlang der Kalten Pastritz betrifft, so warnt Beer vor der Idee, man könne allem vorbauen. „Wir haben das auch durchrechnen lassen. Wir müssten den Bachlauf mit Spundwänden bis zu 1,20 Metern Höhe verbauen, um uns vor extremen Hochwassern zu schützen. Das ist einfach nicht darstellbar“, so Beer.

Die Stadt sei dankbar für die hervorragende Wirkung des Drachensees. „Wenn der nicht wäre, dann hätte der Bayplatz wieder bis zu den Fenstern der Anlieger im Wasser gestanden, so wie früher“, erinnert sich Beer an 2002. Seit die Wasser von Chamb und Kalter Pastritz nicht mehr zusammenlaufen, sei die Stadt wesentlich besser gestellt bei Hochwasser-Ereignissen.

Die Hofer-Insel hat die Flut gut überstanden, weil das Wasser weitgehend unterirdisch blieb.