Wasserstoffallianz Kelheim-Regensburg: Mini-Molekül wird entscheidend für Wirtschaft

Von Martina Hutzler · 31. März 2025 um 05:00

Wasserstoff ist ein zentraler Baustein der Energiewende: als Ersatz-Brennstoff für fossiles Erdgas und als Speichermedium für die wetterabhängige Sonnen- und Windenergie. Um ihn quer durch die Republik zu transportieren, stellen Bund und Länder die planerischen Weichen für ein Wasserstoff-„Kernnetz“. Mit einer nun veröffentlichten Studie will die Region Kelheim-Regensburg beweisen, dass sie dringend den Anschluss an dieses „Kernnetz“ benötigt.

Fast 70 Vertreterinnen und Vertreter aus Forschung, Industrie, Energieversorgungsbranche, Kommunen, Behörden und der Energieagentur Kelheim-Regensburg kamen dieser Tage ins Kelheimer Landratsamt, um sich die Studie „Bedarf und Versorgung der Donauregion Kelheim-Regensburg lokal und über das Wasserstoffkernnetz“ vorstellen zu lassen. Ein Indiz dafür, dass sie Wasserstoff in ihre Energie-Planungen einbeziehen.

Etliche von ihnen sind auch Mitgründer oder Partner der „Wasserstoffallianz Donauregion“; diese hat via Energieagentur Regensburg-Kelheim die Studie veranlasst. Aus gutem Grund, so der Allianz-Vorsitzende und Kelheimer Landrat Martin Neumeyer: „Die Zukunft hat eigentlich gestern schon begonnen“; man müsse „endlich Tempo reinbringen“ bei der Erschließung von Wasserstoff als Energiequelle.

• Bedarf: Gerade für die Region Kelheim dürfte nämlich das simple Mini-Molekül, chemisch abgekürzt H2, mit darüber entscheiden, ob energieintensive Firmen wie Kelheim Fibres eine Zukunft haben. Mit Blick auf Klimaziele und Versorgungssicherheit müssen Industrie, aber auch der Verkehrssektor und Gebäudebetreiber wegkommen von fossilen Brennstoffen wie Erdgas und Erdöl. Neben Alternativen wie Elektrifizierung und Wärmepumpen setzt gerade die Industrie auch auf Wasserstoff, um damit zum Beispiel Prozesswärme für Fertigungsanlagen zu erzeugen. Wenn er mithilfe von erneuerbaren Stromquellen per Elektrolyse aus Wasser gewonnen wird, ist er nahezu klimaneutral.

In Kelheim arbeiten bereits Unternehmen mit dem gasförmigen Molekül. Die Bayernoil-Raffinerie in Neustadt etwa produziert es bereits. Bislang noch aus Erdgas, das Unternehmen plant aber einen Elektrolyseur für „grünen“ H2. In Stadt und Kreis Regensburg ist die Nachfrage noch niedrig; dort setzt man vor allem auf Kraft-Wärme-Kopplung. Auf lange Sicht werde der Bedarf auch hier steigen, so die Studie.

Ähnlich sei es im Transportsektor, erklärte Michael Sterner, Professor für „Energiespeicher und Energiesysteme“ an der Ostbayerischen Technischen Hochschule Regensburg (OTH), wo die Studie entstand. Denn für lange Strecken und für den Transport großer Massen – ob mit Lkw, Schiff oder Flugzeug – „werden wir H2 brauchen, in Kombination zum Beispiel mit E-Fuels“, prognostizierte Sterner.

• Erzeugung: „Goldstandard“ bei grünem H2 wäre die Erzeugung vor Ort, mittels regional erzeugtem Grün-Strom: keine Transportwege; der Stromüberschuss bei Wind- und Sonnen-Spitzen wäre in der Elektrolyse gewinnbringend eingesetzt; der gewonnene Wasserstoff wäre speicherbar. All dies würde regionale Wertschöpfung bringen; „das sollte selbst die konservativsten Menschen von der Energiewende überzeugen“, so Michael Sterner. Indes zeige die Studie auch: Der komplette Bedarf lässt sich auf die Weise langfristig nicht decken. Weder lassen sich so viele Kapazitäten für regionalen Öko-Strom schaffen, noch die große Speicherkapazität.

• Lieferung: Deshalb muss ein Import von H2 in die Region mitgeplant werden, so die Studie. Fürs erste und kurzfristig realisierbar wäre das über die Häfen in Kelheim und Regensburg. Namibia beispielsweise plant in großem Stil Wasserstoff mittels – reichlich vorhandener - Sonne und Wind zu erzeugen und ihn zu Ammoniak weiterzuverarbeiten; dieser kann als Flüssigkeit mit Tankschiffen exportiert werden. Im Ziel-Hafen braucht es dann eine Anlage zur Rück-Umwandlung in H2.

Länger dauern wird es, ein bundesweites H2-Leitungsnetz aufzubauen. Es soll sowohl importiertes als auch inländisch erzeugtes Gas – etwa aus den Küsten-Windparks – in der Republik verteilen. Bund und Länder planen dieses „Wasserstoff-Kernnetz“ schon länger; dafür können teils bestehende Erdgasleitung genutzt werden, teils werden neue Leitungen nötig. Erleichtert zeigte sich Prof. Sterner über jüngste Signale aus den Koalitionsverhandlungen: Union und SPD wollen demnach an Wasserstoff-Strategie und -Kernnetz festhalten.

Ingolstadt ist als ein Knotenpunkt dieses Netzes gesetzt; ebenso die Anbindung des bayerischen Chemiedreiecks bei Burghausen. Mit der Gründung der Wasserstoffallianz hat sich nun die Region Kelheim-Regensburg ebenfalls für eine Anbindung empfohlen und wird bei der zuständigen bayernets GmbH bereits berücksichtigt. Im ersten Schritt soll eine „Abzweigung“ vom Kernnetz nach Kelheim führen; diese soll dann nach Regensburg und weiter bis zur Verdichterstation Forchheim verlängert werden.

• Zukunft: Mitte oder Ende des nächsten Jahrzehnts könnte aus dem Kernnetz H2 in den Kreis Kelheim fließen, schätzt Richard Unterseer, Netzmanager bei bayernets. Dafür aber müsse nun die Politik Planungssicherheit für Unternehmen und Kommunen schaffen, technisch und per Zeitplan, forderte Ludwig Friedl, Geschäftsführer der Energieagentur. In einer von ihm moderierten Diskussion kam von mehreren Unternehmensvertretern die Forderung, „wir müssen endlich ins Tun kommen!“ Der Aufbau des Kernnetzes und der Anschluss der Donauregion wäre dafür ein erster Schritt.

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Die Schar der Gründungsmitglieder und Partner der „Wasserstoffallianz Donauregion Kelheim-Regensburg“ zeigt: Dem Wasserstoff wird künftig große Bedeutung zugemessen.