Hafen Kelheim steigert Umschlag deutlich – Weltweite Kontakte zur Wasserstoff-Zukunft

Von Martin Rutrecht · 10. Dezember 2024 um 05:00

Die Häfen im Landkreis Kelheim liegen im laufenden Jahr auf Erfolgskurs. Der Umschlag in den ersten neun Monaten wurde um über zehn Prozent gesteigert, die Verladung über Schiffe nahm dabei sprunghaft zu. Zum Energieträger Wasserstoff stellt sich der Hafen aktuell mit weltenweiten Kontakten auf.

Gute Nachrichten in wirtschaftlich schwierigen Zeiten sind rar. Umso mehr freute sich der Zweckverband Häfen im Landkreis Kelheim – mit den Standorten Kelheim/Saal und Lände Riedenburg – in seiner jüngsten Versammlung über die starken Zahlen, die Geschäftsführer Tobias Schlauderer und Stellvertreterin Sarina Knoll vorlegten. Der Gesamtumschlag erreichte von Januar bis Oktober des laufenden Jahres 1.309.501 Tonnen. Das entspricht einer Steigerung von 12,6 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum.

Schlauderer rückt das Ergebnis aber auch ins rechte Licht. „Im vergangenen Jahr waren die Corona-Auswirkungen noch deutlich spürbar. Nun haben sich die Prozessketten wieder normalisiert und wir konnten das Niveau vor Corona wieder erreichen. Einige Ansiedler steigerten sogar ihre Produktion“, erklärt er gegenüber der Mediengruppe Bayern.

Transport per Schiff steigt um fast 50 Prozent

Besonders deutlich fiel das Wachstum beim wasserseitigen Umschlag, also über Schiffe, aus, der um 49,2 Prozent auf 321.134 Tonnen anstieg. Hier sei man aus einem „coronabedingten Zwischentief“ in 2022 und 2023 gestärkt hervorgegangen, so Schlauderer. An Gütern werden in erster Linie Autos, Erzeugnisse der Land- und Forstwirtschaft, Erze, Steine, Erden sowie chemische Produkte umgesetzt.

Die Entwicklung „verdeutlicht die wachsende Rolle der Häfen im Landkreis als regionaler Logistikstandort“, so die Verbandsspitze um den Vorsitzenden Landrat Martin Neumeyer. Im gesamten Hafengebiet arbeiten rund 1000 Beschäftigte, der Zweckverband selbst zählt 19 Mitarbeiter. Der Jahresabschluss 2023 weist ein Plus von 449.294,19 Euro aus, was die wirtschaftliche Stabilität unterstreiche.

Etat 2025: Über vier Millionen Euro auf Einnahmeseite

Auch der Haushalt 2025 ist solide geplant: mit Gesamterträgen in Höhe von 4.104.036 Euro und einem prognostizierten Überschuss von 238.647 Euro. „Vermietung und Verpachtung sowie der Umschlag sind die Hauptaspekte bei den Einnahmen“, erläutert der Geschäftsführer. Im Vermögensplan sind 801.394 Euro für Investitionen vorgesehen. Der Bau einer neuen Hafenmeisterei mit Schiffsmeldestelle befindet sich in der abschließenden Phase. „Die Ausstattung wird bis Anfang 2025 abgeschlossen“, sagt Schlauderer.

Ein „sehr spannender Prozess“ für ihn sind die Innovationen bei technischen und digitalen Systemen. Eine eigens entwickelte Hafensoftware wird im Zuge der Investitionen installiert. „Es wird Digitalisierung gefordert und wir setzen dies um. Das wird uns in Zukunft eine deutlich effektivere und zielführende Prozessabwicklung ermöglichen.“ Die kontinuierliche Weiterentwicklung „stärkt die Position des Standorts“, pflichtet Verbandsvorsitzender Neumeyer bei.

Wasserstoff-Thema zieht Gäste bis aus Oman und Tunesien an

Ein Wegweiser in die Zukunft ist auch der Energieträger Wasserstoff, der dem Hafen ein neues Geschäftsfeld erschließen soll. „Das Pipeline-Netz wird die kurzfristige Energieversorgung mit Wasserstoff nicht abdecken können und somit muss der Transport per Schiff die Übergangslösung sein und ist zu einem späteren Zeitpunkt die perfekte Ergänzung zur Pipeline“, begründet Schlauderer die Hoffnungen.

„Wir waren in den letzten Monaten viel mit dem Thema beschäftigt.“ Unter anderem besuchte eine Hafen-Abordnung auf Einladung von Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger die Länder Belgien und Niederlande. In Kelheim zu Gast waren Delegationen aus dem Oman, Tunesien, Argentinien und Norwegen. „Sollte Wasserstoff als Energieträger verwirklicht werden, wäre der Zweckverband Häfen als zentraler Knotenpunkt Bayerns bestens geeignet“, erklärt der Geschäftsführer.

Die beiden Häfen im Landkreis

Kelheim/Saal: Bei Donau-Kilometer 2411 liegt rechts der Hafen im Bereich der ausgebauten Donau. Die Gesamtfläche beträgt 85 Hektar, der Umschlagskai misst 1200 Meter. Fünf Krananlagen (zwei 45-Tonner, drei 25-Tonner) stehen zur Verfügung sowie 45 000 Quadratmeter Lagerhallen.

Lände: Riedenburg ist mit einem Umschlagskai(180 m), einer privaten Lagerhalle für landwirtschaftliche Produkte und einem Kran (18 t) ausgestattet.