Vorreiter in Deutschland: Bis 2025 soll grüner Wasserstoff in Neustadt entstehen

Das Unternehmen Bayernoil arbeitet in Neustadt (Landkreis Kelheim) weiter daran, unabhängiger von fossilen Rohstoffen zu werden. Ein wichtiges Projekt dabei soll am heutigen Donnerstagabend einen weiteren Schritt machen. Man wäre dabei Vorreiter für ganz Deutschland.
Wie mehrfach berichtet, soll aus Wasser gewonnenem Wasserstoff der Rohstoff sein, der künftig mehr eine Rolle spielen soll – Öl und Gas sollen stattdessen an Bedeutung verlieren. Laut Michael Raue, langjähriger Geschäftsführer bei Bayernoil und jetzt Chef der Projekte rund um den Wasserstoff, plant das Unternehmen, eine Elektrolyse-Anlage auf dem Firmengelände zu bauen.
In ihr soll Wasser mittels Strom in die Bestandteile Wasserstoff und Sauerstoff gespalten werden. Weil bei diesem Prozess keine Schadstoffe entstehen, spricht man von grünem Wasserstoff, der gewonnen wird. Die konkreten Kosten des Projekts würden derzeit ermittelt.
Schon jetzt wird laut Raue in der Raffinerie Wasserstoff gewonnen – allerdings aus Erdgas. Dieser Prozess, bei dem auch das umweltschädigende Kohlendioxid entsteht, soll ein Ende finden.
Raue geht davon aus, dass in Zukunft Öl und Gas grundsätzlich nicht mehr so umfangreich genutzt werden wie noch heutzutage. Die Tendenz sei jetzt schon fallend. In 20 Jahren würde Erdöl wohl nur noch im Bitumen beim Straßenbau Verwendung finden.
Baubeginn für Wasserstoffanlage in Neustadt 2024 geplant
Dem Bauausschuss liegt in seiner heutigen Sitzung, die um 19 Uhr im Sitzungssaal des Rathauses beginnt, der Antrag auf vorzeitigem Baubeginn für die Elektrolyse-Anlage vor. Das Gremium hat eine Stellungnahme dazu abzugeben, die Entscheidung fällt dann in der Baubehörde im Landratsamt. Bei grünem Licht müsste das Unternehmen mit Bauarbeiten nicht unbedingt bis auf den schriftlichen Genehmigungsbescheid warten.
Darauf hofft Raue, denn sein Zeitplan ist durchaus ehrgeizig. 2024 soll es den Spatenstich für die Anlage geben, Ende 2025 soll sie laufen. Der darin gewonnene Wasserstoff könnte zu hundert Prozent für betriebsinterne Abläufe verwendet werden. Dazu plant Raue aber eine Wasserstofftankstelle, deren genauer Standort im Bereich des Firmengeländes noch festgelegt werden müsse. Sie werde öffentlich zugänglich sein, jeder, der das wolle, werde dort künftig Wasserstoff tanken können.
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Den notwendigen Strom für die Elektrolyse will Raue mit Photovoltaikanlagen erzeugen lassen. Die Elektrolyse-Anlage ist mit 125 Megawatt Leistung geplant, womit sie die größte in ganz Deutschland wäre. Allerdings sei eine Erweiterung möglich. Hier gebe es laut Raue Überlegungen – aber noch keine konkreten Planungen.
Genügend Abnehmer für Wasserstoff aus dem Landkreis Kelheim
Abnehmer für Wasserstoff gebe es in seinen Augen in der Region sicherlich. Das seien nicht nur Betriebe, deren Fahrzeuge mit Wasserstoff betankt werden sollen. Er nennt etwa die chemische Industrie sowie Hersteller von Keramik und Glas. Raue und Britta Heidemann-Schöberl, Leiterin Unternehmenskommunikation, nennen im Gespräch mit der Mittelbayerischen ein konkretes Beispiel: So seien beispielsweise die notwendigen Temperaturen, um Glas zu schmelzen, nur durch das Verbrennen von Wasserstoff zu erreichen.
Läuft die Elektrolyse-Anlage, soll der entstehende Sauerstoff erst einmal in die Luft abgegeben werden, was laut Raue ja kein Problem sei. Allerdings ist bereits ein weiteres Projekt in Arbeit, für das man den Stoff dann verwenden könnte. Angedacht ist, biologische Reststoffe wie Holz weiter zu verwerten. Mithilfe von Sauerstoff soll es vergast werden. Dabei würden wiederum Wasserstoff und weitere Stoffe entstehen.
Diese könnten zu Treibstoffen für Schiffe und Flugzeuge weiterverarbeitet werden. Raue nennt als Starttermin das Jahr 2028. Woher die Reststoffe kommen, stehe laut Heidemann-Schöberl derzeit noch nicht fest.