„Wasserstoff-Kernnetz ist nur der Anfang“: Firmen aus dem Kreis Kelheim mahnen Umsetzung an

Von Martina Hutzler · 31. März 2025 um 05:00

Aus unterschiedlichen Gründen sind Unternehmen im Kreis Kelheim interessiert an einer regionalen Wasserstoffversorgung. Alle aber sind sich einig: Der Energieträger müsse nun schnell zur Anwendung kommen, forderten sie bei einer Veranstaltung der „Wasserstoffallianz Donauregion Kelheim-Regensburg“.

Zahlreiche Wirtschafts-Vertreterinnen und -Vertreter kamen zur Präsentation einer Studie, die den Anschluss der Regionen Kelheim und Regensburg ans bundesweite Wasserstoff-„Kernnetz“ als Notwendigkeit darstellt. Viele haben selbst ein großes Interesse an dem Energieträger. Und erklären, warum dies so ist.

Kelheim Fibres: Heute werde die Region Kelheim mit Wasserstoff (H2) in Verbindung gebracht – das sei vor drei Jahren noch kaum vorstellbar gewesen, beschreibt Wolfgang Ott das „Signal“, das die Wasserstoffallianz Donauregion gesetzt habe. Aber „jetzt müssen wir einzelne Projekte voranbringen!“, mahnt der Bereichsleiter Unternehmerische Sozialverantwortung (CSR) bei Kelheim Fibres.

Ein Projekt sei für den Kelheimer Spezialfaser-Hersteller von zentraler Bedeutung: H2 als Ersatz-Brennstoff für das bisher verwendete Erdgas. Damit könnte Fibres „zum ersten klimaneutralen Betrieb der Branche“ werden. Dafür brauche es aber staatliche Anschub-Finanzierung, etwa mittels Klimaschutz-Vertrag. „Ansonsten wäre die Umstellung ein unfinanzierbares ,Abenteuer‘ für Firmen wie die unsre“: Eine Preisdifferenz von umgerechnet Dutzenden Cent je Kilowatt-Stunde Energie sei wirtschaftlich nicht darstellbar.

Bayernoil: Die Raffinerie will am Standort Neustadt einen Elektrolyseur mit 125 Megawatt Leistung bauen, um damit „grünen“ H2 zu erzeugen – und wartet seit 2021 auf die beihilferechtliche Entscheidung aus Brüssel für den Förderantrag für das Millionen-Projekt. Man habe zwar schon viel Geld in die Entwicklung und Planung des Vorhabens gesteckt, sagt Geschäftsführer Alexander Struck. Und auch ein vorzeitiger Baubeginn wäre genehmigt. Aber bei einer Investition im dreistelligen Millionenbereich „ist schon erst Planungssicherheit nötig“ – und damit das grüne Licht der EU.

Stadtwerke Kelheim: Energieversorger wie die SWK stehen derzeit vor der Herausforderung abzuschätzen, wo und in welchem Umfang H2 künftig eine Rolle spielen wird. Denn dort müssen sie ihre bisherigen Erdgas-Leitungsnetze „transformieren“, also umrüsten und ergänzen um H2-fähige Leitungen, erklärt SWK-Geschäftsführerin Sabine Melbig. Die SWK könnten bereits jetzt, ohne Umbau an ihren Leitungen, 11 Prozent des eingespeisten Erdgases durch H2 ersetzen.

Das Kelheimer Unternehmen, via Keldorado GmbH zu 65 Prozent in Besitz der Stadt Kelheim, hat voriges Jahr mit einer eigenen kommunalen Wärmeplanung begonnen; in Absprache mit dem Rathaus, das parallel selbst eine solche Wärmeplanung durchführt, erläutert Sabine Melbig. Für die SWK gehe es um eine Planung, welche Stadtgebiete man künftig mittels welcher potenziell nutzbarer Energiequellen am besten versorgen könnte. Gerade in Neubaugebieten seien die Wege noch offen.

Je nach Lage und Bedarf können künftig Wärmepumpen das Mittel der Wahl sein, oder Wärmenetze – oder eben auch H2 als Wärmequelle. Der Anschluss ans Wasserstoff-Kernnetz wäre dafür ein wichtiger Schritt. Angesichts der hohen Anfangsinvestitionen müsse die Regierung aber auch verbindliche Rahmenbedingungen schaffen, so Melbig.