Ausstellung zu Reizthema in Regensburg: Wie viel Rassismus steckt in Kinderbüchern?

Von Heike Haala · 26. März 2025 um 15:49

Baströcke als einziges Kleidungsstück und riesige rote Lippen: Wenn Schlüsselfiguren aus Afrika auf Illustrationen in Kinderbüchern so dargestellt sind, ist Rassismus im Spiel, finden sieben Ausstellungsmacherinnen.

In der Stadtbücherei am Haidplatz zeigen sie, wie Mamas, Papas, Omas, Opas und natürlich auch Kinder mit dem Thema umgehen können. Es ist ein heißes Eisen, das Isabelle Kleinknecht, Leiterin der Stadtbücherei, Irina Rakos, Leiterin der Kinderabteilung, sowie Lea Wagner, Ladislava Adamova, Aleksandra Szulc und Birgit Bockschweiger von der Antidiskriminierungsstelle der Universität anpacken. Das dürfte jedem klar sein, der sich an die Debatten über Winnetou oder Halle Bailay als Arielle-Besetzung erinnert.

Jetzt müssen aber auch Fans von Jim Knopf oder Pippi Langstrumpf ganz stark sein, die während der internationalen Wochen gegen Rassismus einen Blick in die Mini-Ausstellung mit mehreren Plakaten werfen. Denn in diesen beliebten Klassikern, die Generationen von Menschen vor dem Schlafengehen vorlasen und selbst bereits vorgelesen bekamen, gibt es Illustrationen, die die Ausstellungsmacherinnen als problematisch empfinden.

Überzeichnetes Afrika

Immer wieder kommen die Frauen auf Darstellungen zum Thema Afrika zu sprechen. Es geht ihnen etwa um Jim Knopfs breite Lippen – eine Illustration, die im vergangenen Jahr in einer überarbeiteten Version aus dem Buch verschwand – oder einheimische Kinder in Baströcken bei Pippi Langstrumpfs Besuch im Taka-Tuka-Land: Das sind für Wagner Stereoptype. Darstellungen wie diese seien ein Bild dessen, wie sich Menschen die Bewohner von Afrika vorstellen, erklärt Bockschweiger.

Durch die Überzeichnung entstehe nicht der Eindruck, dass es sich um menschliche Individuen handelt. „Das wirkt wie ein Scherenschnitt, mit dem sich niemand identifiziert“, sagt die Frau von der Antidiskriminierungsstelle. Und: „Afrika ist ein Riesenkontinent. Es gibt dort viele Länder und sehr wohl Städte. Dort leben wie in Europa Menschen, die unterschiedlich aussehen. Und die wohnen auch nicht alle in Lehmhütten. Aber davon findet sich oft kein Wort.“

Wagner gefällt es zudem nicht, wenn Hauptfiguren in Kinderbüchern mehrheitlich weiße Hautfarbe haben. Ein Plakat aus der Ausstellung nennt bei diesem Thema die Conni-Reihe als Beispiel. Ein anderes zeigt ein Buch, das Kinder über Rassismus aufklären soll. Die dunkle Hautfarbe auf dem Titel soll hier nur eingesetzt worden sein, um den Aspekt der Fremdheit zu verdeutlichen, ist darauf zu lesen. Problematisch ist es in den Augen der Ausstellungsmacherinnen auch, wenn das N-Wort zum Einsatz kommt und Menschen mit dunkler Hautfarbe kindlich oder fehlerhaft sprechen. All das führe zu Abwertung und Verletzungen, sagen sie. Es sei sicher nicht böse gemeint gewesen, aber rassistisch sei es eben trotzdem, sind sie sich einig.

Den moralischen Zeigefinger will das Team um Wagner nun nicht erheben. „Es geht nicht darum, Bücher zu verbieten“, steht auf einem der Ausstellungsplakate. Vielmehr sei es wichtig, die Kinderbücher neu zu entdecken – ohne Schuldzuweisungen oder die Abwertung persönlicher Leseerfahrungen. Das könne ein erster Schritt sein, früh über Rassismus aufzuklären und seinen Strukturen entgegenzuwirken.

Positive Beispiele entliehen

Aber was könnte jemand tun, der ein rassistisches Motiv in einem Kinderbuch entdeckt und es nicht in die Tonne treten möchte? „Man kann darüber sprechen“, sagt Kleinknecht. Hast du so etwas schon gesehen? Ist das echt? Fragen wie diese sollen dabei helfen. „Die Kinder können aber auch einfach beschreiben, was sie sehen. Da kommt viel“, schlägt Rakos vor.

Außerdem steht in der Kinderabteilung ein Tisch mit Büchern, die die Ausstellungsmacherinnen als positive Beispiele bezeichnen. Bücher, in denen selbstverständlich Hauptfiguren mit dunkler Hautfarbe vorkommen, oder die erklären, wie verletzend rassistische Sprache sein kann. Dass die Frauen damit einen Nerv getroffen haben, sieht Rakos auch daran, dass viele dieser Bücher gerade entliehen sind. „Ich muss täglich nachfüllen“, sagt sie. Zudem sehe sie jeden Tag Menschen vor den Plakaten stehen.

Jim Knopfs breite Lippen – eine Illustration, die im vergangenen Jahr in einer überarbeiteten Version aus dem Buch verschwand – oder einheimische Kinder in Baströcken bei Pippi Langstrumpfs Besuch im Taka-Tuka-Land: Das sind für Lea Wagner Stereoptype.