Brasilianer geschlagen? Harte Vorwürfe gegen Türsteher und Polizei – Regensburger Club wehrt sich

Heftige Anschuldigungen gegen Türsteher und Polizei: Ein Brasilianer (32) flog am frühen Freitagmorgen aus einem Regensburger Club und sagt nun, er sei hart angegangen worden.
Ihm tue immer noch alles weh, sagt Bruno M. zur MZ. In der Nacht auf Freitag sei er mit Freunden in den Club gegangen. Als er sich auf einer Bank kurz ausruhen wollte, seien die Türsteher auf ihn zugekommen und hätten etwa 30 Zentimeter neben ihm eine Zigarette entdeckt. Er habe diese nicht geraucht, sagt der 32-Jährige. Trotzdem sei er rausgeworfen worden. Er habe noch seine Jacke holen wollen, das habe man ihm nicht erlaubt. Daraufhin habe sich ein Wortgefecht entsponnen, die Türsteher seien handgreiflich geworden. „Die haben mich geschubst und auf den Boden geworfen.“ Sie hätten sein Gesicht nach unten gedrückt. „Ich wusste nicht, was ich tun soll.“
„Es war sehr kalt“: Brasilianer landet nach Club-Besuch in Regensburg in Zelle
Wenig später sei die Polizei angerückt. Er habe die Situation nicht mehr überblicken können. Immer wieder habe er gesagt, dass er nichts getan habe. Die Polizei habe ihn zunächst nach Drogen durchsucht, später fixierten sie ihn auf den Boden. Die Beamten hätten schon vor Ort betont, dass er sich aggressiv verhalte. Dabei sei ihm das gar nicht möglich gewesen, sagt der Brasilianer zur MZ. „Ich lag ja auf dem Boden.“ Im Anschluss hätten sie ihn zur Polizeistation gebracht. Dort habe er mit einer dünnen Decke die Nacht in einer Ausnüchterungszelle verbracht. „Es war sehr kalt.“
Der MZ liegen Bilder vor, die Verletzungen am Körper des 32-Jährigen zeigen. Es sind Wunden unter anderem im Gesicht, den Händen und an den Armen zu sehen. Sein Begleiter hat den Einsatz gefilmt und später im Internet gepostet. Auf dem Video ist zu sehen, wie Polizisten den Mann auf dem Boden fixieren. Immer wieder sagt er: „I did nothing“ – also: „Ich habe nichts getan.“ Sein Begleiter bezeichnet den Einsatz der Beamten und den der Türsteher als völlig überzogen. „Ich dachte wirklich, ich bin im falschen Film.“ Die Türsteher seien wie wild auf seinen 32-jährigen Freund losgegangen. Die Polizei habe dann nur da weitergemacht, wo die Türsteher aufgehört hätten. „Die haben ihn behandelt wie einen Schwerverbrecher.“ Der Vorfall beschäftige ihn noch Tage später. „Diese Hilflosigkeit war krass.“ Gemeinsam habe man Anzeige gegen die Türsteher und die Polizei erstattet, sagen der Brasilianer und sein Freund.
Ein Fall von Rassismus? Regensburger Club weist Vorwürfe entschieden zurück
Der 32-Jährige und sein Begleiter stellen immer wieder den Vorwurf in den Raum, dass es sich um Rassismus handeln könnte, da der Betroffene aus Brasilien stammt. Objektive Anhaltspunkte dafür gibt es nicht – auch die Geschäftsführung des Clubs weist diesen Punkt auf MZ-Anfrage entschieden zurück. Der Vorfall habe sich ganz anders ereignet, betont die Leitung der Diskothek. Der 32-Jährige sei dabei beobachtet worden, wie er im Club raucht, woraufhin er hinausgeworfen wurde und auf die Türsteher losgegangen sei. Die Gewalt sei von ihm ausgegangen, heißt es vonseiten der Geschäftsführung. Zumal die Gruppe „sehr betrunken“ gewesen sei.
Die Polizei bestätigt den Einsatz auf MZ-Anfrage. Demnach seien Beamte zu einer Streitigkeit zwischen mehreren Personen gerufen worden. „Der genaue Auslöser des Streits ist bislang unbekannt.“ Straftaten habe man jedenfalls keine feststellen können. Den Beamten zufolge sei der 32-Jährige „alkoholisiert und stark aufgebracht gewesen.“ Er habe sich nicht beruhigen lassen, weshalb man ihn in Gewahrsam genommen habe. Der Bekannte des Brasilianers habe sich als Journalist vorgestellt und „durch sein Verhalten die ordnungsgemäße Durchführung der polizeilichen Maßnahmen“ verhindert. Deshalb habe man ihn zur Seite schieben müssen. Die Polizei bestätigt die Anzeige gegen die Beamten. Diese sei aufgenommen worden und wird nun – wie in solchen Fällen üblich – in Abstimmung mit dem Bayerischen Landeskriminalamt geprüft. Nach Abschluss der Ermittlungen wandert der Vorgang zur Staatsanwaltschaft.