Mit einem Straßenfest feiern die Regensburger den Internationalen Gedenktag gegen Rassismus

Von Martina Groh-Schad · 23. März 2025 um 12:00

„Rassismus hat weder heute noch morgen in unserer Gesellschaft Platz“, sagte Integrationsbeirat Nurdogan Cetinkaya bei der Kundgebung am Regensburger Neupfarrplatz. Vereine und Initiativen aus der Stadt stellten sich vor, um die Bevölkerung zu sensibilisieren.

Mit einer Kundgebung, Infoständen, Musik und Tanz wurde auf dem Neupfarrplatz in Regensburg bei strahlendem Sonnenschein der Internationale Gedenktag gegen Rassismus gefeiert. Die Veranstaltung unter dem Motto „Menschenwürde schützen“ war Höhepunkt der aktuell laufenden Wochen gegen Rassismus, die der Integrationsbeirat der Stadt zusammen mit zahlreichen Kooperationspartnern organisiert hat.

„Die Würde des Menschen gerät immer mehr in den Hintergrund“, warnte Oberbürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer und erinnerte daran, dass jeder dritte Regensburger Migrationshintergrund habe. „Es gelingt uns trotzdem, friedlich zusammenzuleben“, betonte sie.

Erinnerung an Opfer von Hanau

In ihrem Grußwort erinnerte sie an Brandanschläge mit rechtsextremem Hintergrund in Deutschland wie dem in Hanau im Jahr 2020, bei dem auch der Regensburger Fatih Saracoglu getötet wurde. Bei der Kundgebung vor Ort waren auch Angehörigen von ihm, die die Kundgebung nutzten, um dazu aufzurufen, sich stärker gegen Rassismus einzusetzen. „Wir müssen uns gegenseitig stärken, damit weitere Anschläge nicht passieren können“, sagte die Oberbürgermeisterin.

Integrationsbeirat Nurdogan Cetinkaya erinnerte daran, dass am 21. März 1960 in Südafrika eine friedliche Demonstration gegen die Apartheitsgesetze brutal niedergeschlagen wurde. 69 Menschen verloren dabei ihr Leben und Hunderte wurden verletzt. Dieser Vorfall führte zu den Wochen gegen Rassismus, die inzwischen weltweit begangenen würden. „Rassismus hat weder heute noch morgen in unserer Gesellschaft Platz“, betonte Cetinkaya. Rassismus sei kein Zufall. Es sei ein Werkzeug, um zu spalten und um zu schwächen. „Wir stehen zusammen, kämpferisch und solidarisch für eine Gesellschaft, die mehr Menschlichkeit lebt.“

„Eine besorgniserregende Normalisierung“

Stephanie Schwarz rief für den Integrationsbeirat der Stadt dazu auf, klare Zeichen gegen Rassismus, Antisemitismus und jede weitere Form der Menschenfeindlichkeit zu setzen. „Wir erleben weltweit eine besorgniserregende Normalisierung von rassistischen, antisemitischen und diskriminierenden Äußerungen“, erklärte sie. Es sei von großer Bedeutung, sich gemeinsam für den Schutz der Menschenwürde aller Menschen unabhängig von Herkunft, Religion oder Hausfarbe einzusetzen. Aktuell beobachte man mit Sorge, dass die Menschenrechte nicht für alle gleichermaßen gelten.

„Migration ist nicht das Problem, sie ist die Lösung“, betonte Gerhard Hain von der BI-Asyl und wies darauf hin, dass zwei Drittel der 2015 eingewanderten 1,5 Millionen Geflüchteten heute in sozialversicherungspflichtigen Arbeitsverhältnissen tätig seien. „Sie zahlen mehr in die Sozialsysteme ein, als sie bekommen haben“, erklärte er. „Sie sind unsere Zukunft.“ Die Unternehmen würden Arbeitskräfte benötigen.

Gaby Griese-Heindl vom Bündnis für Toleranz und Menschenrechte kritisierte, dass rechtsradikale und menschenverachtende Positionen inzwischen bis weit in die Mitte der Gesellschaft geteilt würden. „Politisch Verantwortliche sind immer mehr bereit, diesen Rechtsruck mitzugehen“, erklärte sie mit Blick auf das Abstimmungsverhalten der CDU/CSU mit der AFD.

Bundesweite Aktion

Aktive, die sich gegen die Bargeldbeschränkung von Geflüchteten aussprechen, nutzten die Kundgebung, um auf eine bundesweite Aktion aufmerksam zu machen. Auf einem großen Banner war zu lesen: Nein zur Bezahlkarte für Geflüchtete. Die Aktiven riefen dazu auf, sich gemeinsam mit ihnen und dem Banner fotografieren zu lassen, um das Foto zu teilen.

Die Trommelgruppe Sarará heizte den Teilnehmern der Kundgebung ordentlich ein, und die Tanzgruppe Celebrate Spring aus München beeindruckte mit indischen Tänzen. An mehreren Ständen stellten sich Vereine und Initiativen aus der Stadt vor, um die Bevölkerung für Rassismus innerhalb der Gesellschaft zu sensibilisieren. Das Programm der Wochen gegen Rassismus gibt es unter www.regensburg.de/wochengegenrassismus.

Mit einer Foto-Aktion riefen Aktive dazu auf, sich gemeinsam mit ihnen fotografieren zu lassen und damit Nein zur Bezahlkarte für Geflüchtete zu sagen.
Der Bruder und die Schwägerin von Fatih Saracoglu riefen zu mehr Engagement auf.