Senior (75) schießt in Regensburg um sich – Vorfall an Uferpromenade kommt vor Gericht

Von André Baumgarten · 26. März 2025 um 05:00

Schüsse auf ein junges Pärchen sorgen im Sommer für einen Großeinsatz mitten in Regensburg. Der Mann, der nachts zum Luftgewehr gegriffen haben soll, muss nun vor Gericht. Angeklagt ist allerdings noch ein weiterer Fall.

Im Juni 2024 fallen am Ufer des Regens plötzlich Schüsse. Zwei Menschen werden mitten in Regensburg von Projektilen getroffen und verletzt – die Polizei löst sofort Großalarm aus und riegelt das Wohngebiet ab. Bald zeigt sich, dass wohl ein älterer Herr auf das junge Pärchen schoss. Nun muss der Senior, der in unmittelbarer Nachbarschaft wohnt, am Mittwoch vor Gericht. Was die Staatsanwaltschaft dem Mann vorwirft, bestätigt einen bereits früh aufgekommenen Verdacht – es geht um mehr als einen Fall, in dem er zum Luftgewehr gegriffen haben soll.

Tagelang hatte der Einsatz im Norden Regensburgs für Unsicherheit und viel Unruhe gesorgt. Anwohner berichteten von einem stundenlangen Einsatz, während dem sie weder in noch aus Häusern und Wohnungen kamen. Sogar vom Zugriff eines Spezialeinsatzkommandos (SEK) war die Rede. Das berichtigte ein Sprecher der zuständigen Polizeiinspektion Regensburg-Nord jedoch: Solche Kräfte seien nicht im Einsatz gewesen, aber es sei sehr wohl eine Wohnung in einem nahen Mehrfamilienhaus gestürmt worden. Bewaffnete Polizisten hätten dort eine Tür aufgerammt und alles durchsucht. Zunächst ohne Erfolg.

Sportwaffe war offenbar gut versteckt

Erst tags darauf, so der Polizeisprecher damals, hätte sich ein Tatverdacht gegen den damals 75-Jährigen ergeben. Als Ermittler seine Wohnung im Regensburger Stadtteil Reinhausen durchsuchten, wurden sie fündig. Ein Luftgewehr sowie Munition seien dabei beschlagnahmt worden, hieß es. Nach Informationen der Mediengruppe Bayern eine handelsübliche Sportwaffe der Marke Diana, die für einige Hundert Euro frei im Internet zu bekommen ist, und dazu Diabolo-Geschosse.

Nur wenige Tage später bestätigte die Polizei dann auch, dass mögliche Zusammenhänge mit früheren Taten geprüft werden. Es hätte sich ein Zeuge gemeldet. Recherchen hatten da bereits ergeben, dass es weitere ähnliche Vorfälle in 2023 und 2022 gegeben haben soll.

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Das scheint sich womöglich bestätigt zu haben: Teil der Anklage, die vor dem Schöffengericht verhandelt werden soll, ist ein zweiter Fall aus 2022, also fast genau zwei Jahre vor den Schüssen im letzten Sommer. Demnach soll der Senior da ebenfalls am späten Abend auf einen Mann geschossen haben. Ein Projektil soll ihn am Kopf getroffen haben. Genauso, wie beim jüngsten Vorfall vom 18. Juni 2024, wo ein damals 27-Jähriger links am Kopf und seine sechs Jahre jüngere Freundin am Knöchel verletzt worden sein sollen. Verantworten muss sich der mutmaßliche Schütze wegen drei Fällen von gefährlicher Körperverletzung.

Auch das Landeskriminalamt ermittelte

In die Ermittlungen eingebunden war auch das bayerische Landeskriminalamt. Die Waffe, die der nun angeklagte Senior einst wohl versteckt hatte, wurde im Kriminaltechnischen Institut untersucht. Vor allem, um womöglich dem Senior zuordenbare Spuren zu sichern. Ob die Spezialisten fündig wurden, könnte womöglich der Prozess am Amtsgericht in Regensburg zeigen. Wenngleich Schüsse aus sogenannten Luftdruckwaffen dafür ungeeignet sind, einen Menschen zu töten, seien jedoch schwerste oder auch lebensgefährliche Verletzungen nicht auszuschließen.

Das Schöffengericht, besetzt mit einem Berufsrichter und zwei Laien, hat einen Prozesstag für die nächtlichen Schüsse am Ufer des Regens angesetzt. Die größere Besetzung kommt zum Einsatz, wenn eine Strafe zwischen zwei und vier Jahren zu erwartet ist. Darüber wäre eine Strafkammer des Landgerichts zuständig. Auf gefährliche Körperverletzung steht im Wortlaut des Strafgesetzbuches eine Maximalstrafe von bis zu zehn Jahren Gefängnis.

Die Polizei sicherte am 18. Juni Spuren und stellte Projektile sicher. Der Tatort lag an der Ufermauer des Regens im Norden der Stadt. Foto: Baumgarten/Archiv