„Für Kinder ist viel verloren gegangen“: Tom Steindl vom FC Rötz spricht über die Folgen von Corona

Von Stefanie Bauer · 23. März 2025 um 19:00

Mitten in der Pandemie wurde Tom Steindl zum Abteilungsleiter Ski beim FC Rötz gewählt und zum zweiten Vorsitzenden des Hauptvereins. Die Hürden, die während dieser Zeit von Vereinssport und Vereinen im Allgemeinen gemeistert werden mussten, waren gewaltig. Vor allem, was die Angebote für Kinder betrifft, die der 44-jährige Rötzer mit weiteren Teammitgliedern seit 2017 anbietet, habe der Lockdown eine große Lücke gerissen, sagt er – doch natürlich auch bei den Unternehmungen, an denen sich Erwachsene und darunter Senioren beteiligen, wie die Wanderungen, die sein Vater Josef Steindl leitet.

Die Sparte Ski, sagt er, habe dennoch in gewisser Weise „Glück im Unglück“ gehabt. Viele der Aktivitäten konnten im Freien stattfinden. Schwieriger sei das für Sportarten gewesen, die sich ausschließlich drinnen abspielten, beispielsweise die der Judo-Abteilung.

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Doch zunächst einmal stand ab März 2020 das gesamte Vereinsleben still. Turnhallen wurden gesperrt, die Außensportanlagen waren verwaist, auch Skiausflüge fanden nicht statt, die Lifte waren ohnehin geschlossen. Man dürfe nicht vergessen, dass durch Homeschooling und Distanzunterricht auch in den Schulen keine Sportstunden stattfanden.

„Für die Kinder war das schlimm, sie haben ja auch gar nicht richtig verstanden, warum das alles plötzlich wegfällt“, blickt Steindl zurück, der selbst vierfacher Vater ist.

Wichtige Entwicklungsphase für Kinder

Gerade in dieser wichtigen Entwicklungsphase sei viel verloren gegangen, nicht nur die Bewegung beim Sport, sondern auch das Miteinander, die Gemeinschaft, das Sich-Messen mit Gleichaltrigen, zum Beispiel bei Fußballturnieren, wo sie Kinder aus anderen Vereinen treffen. „Für Kinder sind zwei, drei Jahre eine lange Zeit.“

Für Kinder sind zwei, drei Jahre eine lange Zeit.

Abteilungsleiter Tom Steindl

Umso größer war die Freude, als die Einschränkungen dann zeitweise und irgendwann komplett weggefallen sind: Man habe den Kindern zunächst aber schon angemerkt, dass es ungewohnt für sie war, wieder etwas miteinander machen zu dürfen und dass sie erst einmal vorsichtig waren, so der Eindruck des Abteilungsleiters.

Doch dann ging es zum Glück relativ schnell: Was sie im sogenannten goldenen Lernalter versäumt hätten, brauche hinterher manchmal zwar ein wenig mehr Zeit, damit es kompensiert werden könne, so Steindl. Aber die Kinder holen trotzdem rasch auf, sind wieder mit Begeisterung beim Kinderturnen und der Skigymnastik in den drei Trainingsgruppen und allen anderen Sportarten, die der FC für sie anbietet, mit dabei. „Auch die Erwachsenen haben den Weg in den Verein zurückgefunden“, sagt der Abteilungsleiter, zum Beispiel in den Lauftreff, den seine Schwester Steffi Ritt leitet. Die einzige Altersgruppe, bei der man feststelle, dass etwas weniger dabei sind als zuvor, seien Teenager. „Wer mit 14 Jahren aufhören musste mit dem Sport im Verein, tut sich vielleicht schwieriger, mit 16,17 wieder anzufangen.“

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Insbesondere auch für viele Senioren sei der Lockdown eine extrem schwere Zeit gewesen. Die Möglichkeit, wie beim Nordic Walking und Wandern nicht nur Sport zu treiben, sondern sich auch auszutauschen, habe gefehlt, so Steindl. An der Tatsache, dass Corona ein gefährliches Virus gewesen sei und die Vorsicht berechtigt, hat er keine Zweifel – doch die Maßnahmen der Politik waren aus seiner Sicht in Bezug auf Kinder und die Auswirkungen auf sie falsch und übertrieben. Das sei seine Meinung während der ganzen Pandemie gewesen und sei es auch heute noch. Es sei nur mehr Schaden angerichtet worden – Stichwort Immunsystem und auch die seelische Gesundheit.

Viele Vorgaben: Abstand sowie Test- und Impfnachweise

Maximale Gruppenstärken, Abstand, Testnachweise, Impfnachweise für die Trainer: Es gab viele Vorgaben. An alle habe sich der Verein gehalten und Ansteckungen während des Sportbetriebs habe man nicht zu verzeichnen gehabt. Den Trainingsbetrieb an der frischen Luft in einzelnen Gruppen von klein bis groß habe man aufrecht erhalten, was zu keiner Zeit zu Problemen geführt habe, so Steindl.

Viele Vereine hatten Einbrüche durch die Pandemie. Der FC Rötz habe die Corona-Zeit zum Glück relativ überstanden. Auch die Zahlen in der Skiabteilung seien wie in etlichen anderen Sparten wieder gut, in den letzten Jahren habe es einen deutlichen Zuwachs gegeben.

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Das Gesellige hingegen, Stammtische, das Sich-Zusammensetzen, sei leider eingeschlafen und auch nach dem Lockdown nicht vollständig wiedergekommen, bedauert Steindl. Auch ehrenamtliche Trainer zu finden, sei nun allgemein eher schwieriger geworden als vor Corona, wobei dieses Problem vielleicht nicht allein der Pandemie geschuldet sei.

Und man dürfe auch nicht vergessen, dass Versammlungen über längere Zeiträume nicht stattfinden durften, Neuwahlen haben entweder online stattgefunden oder mussten verschoben werden.

Ein weiterer Punkt ist, dass auch viele Einnahmen wegfielen für die Vereine, weil keine Feste, die durch die Einnahmen der Aufrechterhaltung des Sportbetriebs helfen, veranstaltet werden durften. Da wären das Rötzer Heimatfest, zu dessen Organisatoren der FC zählt, und das Bockbierfest der Fußballabteilung, um nur zwei zu nennen. Corona-Hilfen hätten nicht gedeckt, was es sonst an Einnahmen gegeben hätte, so der Abteilungsleiter.

Corona ist mittlerweile kaum mehr präsent

Nachdem mittlerweile fast zwei Jahre seit der Aufhebung der pandemiebedingten Einschränkungen vergangen seien, sei Corona bei den Leuten kaum mehr präsent. Alle, die zuvor aktiv oder passiv bei einem Verein waren – egal bei welchem –, will Tom Steindl ermutigen, sich dort wieder einzubringen oder sich vielleicht auch zu trauen, etwas Neues auszuprobieren.

Die Teilnehmer des Skiclubs beim Rennen des SC Großberg zum Jahresende 2024 mit Abteilungsleiter Thomas Steindl
Indoor-Sport, wie hier bei der Skigymnastik, war während der Pandemie über einen langen Zeitraum nicht möglich. Fotos: G. Hofmann