So wurde früher im Bayerwald geheiratet: Mit Marschmusik ging es im Brautzug in die Kirche

So eine große Bauernhochzeit hatte seine festen Regeln. Wenn der große Tag gekommen war, sorgte unter anderem der Hochzeitslader dafür, dass alles „vorschriftsmäßig“ seinen Gang nahm.
Nach der Gaglhenn wurde es wieder Ernst bei den Hochzeitsleuten. Es folgte der Kirchenzug, an dem sich alle Hochzeitsgäste beteiligten. Waren es ein lustiger Hochzeitslader und Brautführer, so schallten schon die die ersten „Juchaza“ durch das Dorf, umrahmt von den flotten Klängen der Musikkapelle.
Lesen Sie hier Teil eins: Kammerwagen und Hochzeitslader: So wurde früher im Bayerwald geheiratet
Gar viele Dorfbewohner standen bereits am Straßenrand und bestaunten das Brautpaar und die vielen Gäste. Der Einzug in das Gotteshaus vollzog sich in gebührender Ehrfurcht vor dem, was nun folgen wird. Der kirchliche Akt der Trauung stand in diesen Minuten im Mittelpunkt dieses Tages und das Mitfeiern war für alle Gäste eine Selbstverständlichkeit. Nach vollzogener Trauung und dem Gottesdienst begab sich das Brautpaar mit den Gästen an das Familiengrab, wo gemeinsam für die erstorbenen Angehörigen gebetet wurde.
Mütter nicht in der Kirche
Mancherorts gab es auch den Brauch, dass die Mütter des Brautpaares der kirchlichen Trauung nicht beiwohnten, wollte man das Glück des Brautpaares nicht gefährden. Diese Einstellung wurde vielerorts sehr ernst genommen. Als schlechtes Omen für das Brautpaar wurde auch ein offenes Grab am Hochzeitstag angesehen.
Nach diesem Akt der Besinnlichkeit folgte etwas, auf das die Kinder des Dorfes schon lange warteten, nämlich auf das Rapsen. Es gehörte auch zu einem alten Brauch, dass die Dorfkinder auf den Stufen zur Kirche oder auf der Straße auf das frisch vermählte Brautpaar warteten. Dieses, schon darauf vorbereitet, streute einige Hände voll Münzen– meist mit kleinen Werten – in die wartende Menge der Kinder, die dann ihre größte Freude mit dem Einsammeln hatten.
Andere Kinder sperrten mit einem Seil den Weg und bekamen dafür sogar ein „Fuchzgerl“. Anschließend formierte sich dann der Hochzeitszug, und mit flotter Marschmusik ging es zurück ins Gasthaus, wo mit einem Begrüßungstrunk aus einem besonderen Hochzeitskrug die Gäste nochmals willkommen geheißen wurden und die weltliche Feier ihren Anfang nahm.
Die Gäste versammelten sich dann in der sogenannten „Hochzeitsstubn“, die es früher dazu gab. Diese Zeit nützte das Brautpaar, um dem Fotografen in der Stadt einen Besuch abzustatten, denn Hochzeitsbilder hatten einen lebenslangen Wert. Im Hochzeitslokal drehte man in dieser Zeit bereits die ersten Tänze, die man auch „Hungertänze“ nannte, wenn die die Gäste bereits Hunger verspürten.
Noch vor dem Mittagsmahl gab es auch noch den Brauch des Ofenschüsselrennens, an dem nur die Jünglinge unter den Hochzeitsgästen teilnehmen durften. Diese mussten um die Wette laufen und bekamen dafür Preise. Der letzte Preis war immer eine Packung Schnupftabak, den immer viele wollten.
Und so fiel ein Läufer häufig so oft hin, bis er wirklich der Letzte war. Es ging mit dem Hochzeitsmahl weiter, das mit dem Tischgebet des Hochzeitladers oder des Pfarrers begann. Es gab üblicherweise zu Beginn eine Suppe und saueres Lüngerl, das nie fehlen durfte. Es folgte Schweinebraten mit Knödel oder Rindfleisch mit scharfen „Kree“ (Meerrettich).
Die Braut bekam immer das Stück vom Schwein serviert, wo das Schwänzchen noch dran war. Dieses Schwänzchen war immer mit einer roten Schleife verziert. Zum Abschluss gab es eine süße Nachspeise.
Bei den Hochzeiten vor dem Zweiten Weltkrieg bestand diese Nachspeise aus einem Mus von Zwetschgen oder Rosinen. Während des Essens kassierte der Hochzeitslader das Mahlgeld, das den Gästen bekannt war. Dann hatte der geladene Gast oft noch eine zweite Person dabei, die jedoch nicht direkt mit am Tisch saß. Man nannte diese Person einen „Nachgeher“ für den Fall, dass das Essen sehr üppig und für eine Person zu viel war. In diesem Fall konnte nun der „Nachgeher“ weiter essen was die Erste nicht mehr essen konnte. Es gab aber keine Hochzeit ohne das Brautstehlen. Dieses Stehlen war immer schon vorgeplant. Man holte die Braut einfach zum Tanz und in einem günstigen Augenblickl verschwand man damit plötzlich von der Tanzfläche.
Mit weiteren Gästen besuchte man ein vorher ausgewähltes Gasthaus und begann dort ausgiebig zu feiern. Die Hochzeitsgäste kamen allmählich nach und feierten mit. Nach geraumer Zeit kamen auch Hochzeitslader und Musikanten , um die Braut wieder zu holen. Es folgte dann das Abendessen so ähnlich wie das Mittagsmahl. Zum Abschluss gab es eine Sulz, jedoch nicht für jeden Gast eine, sondern eine große Platte für den ganzen Tisch mit etwa zehn Personen. Und da hat sich ganz früher, so wird erzählt, manchmal folgendes zugetragen: Die Frauen hatten zu jener Zeit immer ein großes Tascherl dabei, in das alle nicht aufgegessenen Speisen hineingekommen sind. Und so geschah es auch mit der Sulz, man hatte schon extra Pergamentpapier mitgenommen, in das die Sulz dann eingewickelt wurde. So hatte man auch am nächsten Tag noch ein festliches Essen.
Nach dem Abendessen kam der letzte Höhepunkt der Hochzeit: Das Schenken. Es war immer eine große Zeremonie, die dabei stattfand. Außer dem Brautpaar waren noch alle wichtigen Personen am Brauttisch versammelt. Weinflaschen und drei Gläser kamen auf den Tisch und eine große Schüssel mit einer weißen Serviette zugedeckt stand bereit, außerdem zwei Teller für die Musikanten und den Hochzeitslader, die mit einem Mundstück und Parfümflascherl gekennzeichnet waren. Die Musikkapelle rückte heran und die Hochzeitsgäste standen dicht gedrängt um den Brauttisch, wenn der Hochzeitslader mit dem Schenken und der Danksagung begann.
Ein Glas Wein auf das Paar
Es waren ernste, aber auch heitere Worte, die der Hochzeitslader an die Brautleute und Gäste richtete, ehe diese namentlich zum Schenken aufgerufen wurden. Für jeden Gast gab es ein lustiges Schnadahüpfl, und die Musik spielte fröhlich drauf. Die Ehrenmutter nahm immer das Kuvert in Empfang und verwahrte es in der großen Schüssel. Das Brautpaar und der Gast erhoben das Glas und mancher leerte dies ziemlich ungebührlich mit einem Zug.
Auch der Brautführer trat beim Schenken voll in Aktion und sorgte für Erheiterung. Dieses Schenken dauerte bei großen Hochzeiten oft Stunden. Anschließend folgten die Brauttänze, mit denen der offizielle Teil der Hochzeit beendet wurde. Als gegen Mitternacht das Brautpaar sich auf den Heimweg machte, wurde es von der Musik noch kräftig „hinaus gespielt“. Für das junge Paar begann nun die Brautnacht. Und die Gäste feierten diesen Tag zu Ende.
Etwa eine Woche später gab es dann noch eine Nachhochzeit. Dazu erschien dann nur noch ein kleinerer Kreis von Gästen. Es wurde nochmals nachgefeiert und wie es sich gehört, von der schönen Hochzeit erzählt.
