Meisterbetrieb: Franz Xaver Wagner besohlte den Chamern 33 Jahre lang ihre Schuhe

Franz Xaver Wagner war eigentlich kein geborener Chamer, doch 33 Jahre lang durfte er ihre Schuhe besohlen und die waren mit ihrem Meister voll zufrieden. Man schrieb das Jahr 1998, und im Chamer Stadtteil Brunnendorf ging in den letzten Tagen dieses Jahres still und leise ein Handwerkerleben zu Ende. Franz Xaver Wagner legte mit Erreichung der Altersgrenze seine Leisten zur Seite und ging in den Ruhestand.
Wir durften ihn an seinem vorletzten berufsmäßigen Arbeitstag in seiner bekannten Schusterwerkstatt besuchen, und er erzählte uns aus seinem Leben, von dem er nun zufrieden in den wohlverdienten Ruhestand geht.
„Goldenen Boden“ versprach man sich vom Handwerk, als Franz Xaver Wagner, 1933 in Ränkam geboren, sich im Jahr 1948 entschloss, das Schuhmacherhandwerk zu erlernen.
Mit 15 Jahren in die Lehre
Noch sehr jung, mit 15 Jahren, begann er seine dreijährige Lehre im Schuhmacherbetrieb Dums in Furth im Wald, der an die 13 Beschäftigte hatte. Die Nachkriegszeit machte sich damals in diesem Beruf noch sehr bemerkbar, besonders, was die Beschaffung des Materials anbelangte. Leder war zu dieser Zeit sehr rar und für die wertlose Reichsmark kaum mehr zu haben.
In den ersten Monaten seiner Lehrzeit musste der junge Lehrling natürlich die einfachsten Arbeiten verrichten. Dazu gehörte in erster Linie das Abdrehen des Hanfgarnes zur Herstellung eines brauchbaren „Schusterdrahtes“, den man zum Nähen mit der Hand benötigte. Auch das Besohlen der Schuhe mit Holznägeln musste erst erlernt werden.
Handgemache Schuhe waren gefragt
Nach dieser Anlernzeit war man schon ein fortgeschrittener Lehrling, der allmählich in die Fertigung neuer Maßschuhe miteinbezogen wurde. Die Währungsreform die in der Zwischenzeit stattgefunden hatte, brachte neuen Schwung in die Handwerksbetriebe, so auch in die Schuhmacherei. Groß war damals die Nachfrage nach handgemachten Schuhen. Sportliche Rahmengenähte, schwere Zwiegenähte oder auch gewöhnliche „Holzgenagelte“ kamen damals in Mode. Der Preis für ein Paar neue Schuhe war für die damaligen Verhältnisse hoch, betrug so um die 60 Deutsche Mark. Die Arbeitszeit für die Anfertigung betrug rund 15 Stunden.
Nach der Lehre ging es nach München
Nach drei Jahren Ausbildung legte Franz Xaver Wagner 1951 in Cham seine Gesellenprüfung ab. Mit seinem Gesellenstück „Original Rahmengenähte“ hat er eine sehr gute Benotung geholt. Nach der Lehre verschlug es den jungen Handwerksgesellen nach München. Dort gründete er dann 1958 eine Familie. Doch dem heimatverbundenen „Waldler Wagner“, wie er sich selbst nannte, zog es 1965 wieder in die alte Heimat nach Ränkam.
Seit 1965 selbstständig
Am 1. Mai 1965 machte sich der junge Schuhmacher selbstständig und eröffnete in Brunnendorf in Cham eine Reparatur-Werkstatt. Ein Jahr später legte er in Regensburg die Meisterprüfung ab. 33 Jahre übte Franz Xaver Wagner seinen Beruf aus, hatte all die Jahre einen großen und zufriedenen Kundenstamm und vermittelte seinen Kunden beste Handarbeit.
„Chams letzter Schuhmacher der Reparatur“ nannte er sich und er legte darauf besonderen Wert, da sich noch mehrere Schuhfachbetriebe in Cham befanden, die jedoch auch Neuanfertigungen vornahmen.
Der letzte Arbeitstag in der Schusterwerkstätte in Brunnendorf war für den scheidenden Meister kein leichter. Er stand jedoch nicht mehr arbeitend an seinem Arbeitstisch. Nein, dieser war bereits fein säuberlich aufgeräumt. Auch die Maschinen und Arbeitsgeräte waren blank geputzt. Alles deutete auf Abschied hin.
Abschied nehmen hieß es an diesem Tag auch von seinen alten und treuen Kunden, die er bereits über drei Jahrzehnte gekannt hat. Und sie kamen an diesem letzten Tag sehr zahlreich, vielleicht, um noch ein Paar Schuhe abzuholen oder einfach „Pfüat Gott“ zu sagen und ihn mit den besten Wünschen in den Ruhestand zu verabschieden.
Franz Xaver Wagner verbrachte seinen Ruhestand in seiner Heimat Ränkam und wurde 73 Jahre alt.



