Wer kennt noch einen Suppenbesen ? Früher hing er in jeder Küche beim Ofen

Es gibt viele Besen im Haus und Hof, im Viehstall und auch anderswo. Jeder von diesen Besen jeglichen Materials dient dem Zweck des Reinemachens. In vergangenen Zeiten wurden all diese Besen mit großer Mühe handgebunden, und mit noch mehr Kraftanstrengung wurde das notwendige Material in der freien Natur eingesammelt.
Das waren hauptsächlich junge Besenreiser von den Ästen der Birken, die dazu Verwendung fanden.
Diese gab es in den Wäldern üppig. Und welche abzuschneiden schadete den Bäumen am wenigsten.
Besenbinder nannte man diese Leute, die meistens als Nebenverdienst diese Arbeit verrichteten. Fast jeder dieser Besenbinder hatte seine Kundschaft, denn der Verbrauch an Besen auf den Bauernhöfen war groß. Zu Dutzenden schön gebunden wurden dann die fertigen Besen per Huckepack zu den Bauern geliefert, die auch beim Besen auf eine sauber gebundene Ware achteten.
Längst nicht mehr vorhanden
Zu all den Besen im Haus und Hof gab es aber noch einen Besen, den es in der gegenwärtigen Zeit nicht mehr gibt. Dies war ein besonderer, ein kleiner, und er hatte seinen Platz in der Nähe von Mutters Küchenofen. Er war für Mutter unentbehrlich. Dieser Besen hieß Suppenbesen.
Wenn er gerade nicht gebraucht wurde, hing er immer an der Wand und wartete auf seinen Einsatz. Doch er wurde oft gebraucht, wenn Mutter die tägliche Mehlsuppe vorbereitete und diese mit dem kleinen Besen gut verrühren musste. Doch das war noch nicht alles.
Dieser kleine Besen, so an die 40 Zentimeter lang und aus jungem, geschälten Birkenreisig kam auch zum Einsatz, wenn die Kinder nicht Folge leisteten und Strafe mit dem Besen angedroht wurde. Nützte diese Androhung nichts, so wurde dieser kleine Besen herbeigeholt und es wurde zu ein paar nicht zu sanften Hieben auf den Hintern ausgeholt. Oft genügte auch schon die Androhung, den Suppenbesen zu holen, wenn andere Ermahnungen nichts nützten.
So einen Suppenbesen gab es früher fast in allen Stuben. Er gehörte nicht nur zu einer zeitgemäßen Küchen-Einrichtung, sondern er hatte zudem einen Anteil an der damaligen Kindererziehung. Wir haben lange nach so einem Suppenbesen aus vergangenen Zeiten suchen müssen, und es wurde doch noch einer gefunden. Längst wurden diese entsorgt – und mit ihnen auch eine Zeitepoche beendet, in der unsere Vorfahren mit den einfachsten Gegenständen ihren Alltag leben mussten.
Richard Groitl bindet noch
Doch es gibt noch Menschen unter uns, die die handwerkliche Gabe besitzen, Vergangenes am Leben zu erhalten, auch wenn es nur ein Suppenbesen ist. Einer von diesen ist Richard Groitl, der in Katzbach wohnhaft ist. Er hat auch schon gelebt, als der Suppenbesen am heimatlichen Herd alle Tage gebraucht wurde. Mit handwerklichem Geschick gesegnet entstehen in seiner Kellerwerkstatt viele Dinge aus Holz, so auch der Reisigbesen von besonderer Güte und nunmehr auch der Suppenbesen. Für seine Enkelkinder hatte er vor längerer Zeit die ersten gebunden und die hatten damit ihre größte Freude.
Auch dem Verfasser dieses Artikels hatte er einen versprochen, doch er musste warten, bis die neuen Birkenzweige in Saft sind. Erst dann können sie verarbeitet werden.
