Thomas Steindl folgt bei der Skiabteilung des FC Rötz als Abteilungsleiter seinem Vater nach

Von Mittelbayerische Zeitung · 6. Juni 2024 um 05:00

Freitagnachmittag, 16 Uhr – Hochbetrieb in der Rötzer Turnhalle. Im Aufenthaltsraum und auf der Galerie läuft der Café-Betrieb auf vollen Touren, unten in der Halle flitzen die jüngsten Sportler der FC-Skiabteilung zwischen bunten Bällen, Hütchen, Reifen und Langbänken umher. Sie machen Hampelmann, rollen sich wie ein Pfannkuchen, schwingen an Seilen, machen Purzelbäume. Den Überblick über das Geschehen behält Thomas Steindl.

Er leitet die Kinder fachlich kompetent an, tröstet aber auch bei kleineren Missgeschicken, öffnet Flaschen, bindet Schuhbänder. Dazu kennt er jedes Kind mit Namen. Bei über 60 Kindern in drei Altersgruppen, die regelmäßig trainieren, eine reife Leistung.

Der Freitag ist nur einer von vier Tagen der Woche, an denen die Jugend der Skiabteilung trainiert. Die Altersgruppen von etwa vier bis sechs, von sieben bis zehn und von elf bis 13 Jahren haben eigene Trainingsstunden, hinzu kommt Inliner-Training mit den Älteren am Samstag. Tatkräftige Unterstützung erfährt Steindl von der Abteilungsleitung, weiteren Mitgliedern und auch die Eltern helfen bereitwillig mit. „Die Skiabteilung läuft gut, es geht aber nur, weil ein Team dahintersteht“, erklärt Steindl. Im Herbst werden vier Erwachsene die Übungsleiter-Ausbildung im Breitensport für Kinder und Jugendliche absolvieren. Treibender Motor und unermüdlich im Einsatz ist aber schon „der Steindl Tom“, wie Eltern und Vereinskollegen bestätigen. Auch wenn er das nicht gern hört. Im Mittelpunkt zu stehen liegt ihm nicht und doch ragt sein außergewöhnliches Engagement für die Jugend heraus.

Große Verdienste

Beim Ehrenabend des Landkreises Cham wurde ihm unlängst der Jugendpreis in der Kategorie Einzelpersonen für hervorragende ehrenamtliche Verdienste überreicht. „Der 2. Vorsitzende und Jugendleiter beim Hauptverein 1. FC Rötz sowie Abteilungsleiter Ski rief eine Vielzahl von Aktivitäten ins Leben und konnte seine Abteilung in der Zeit in und nach der Pandemie durch enormen Mitgliederzuwachs erweitern“, heißt es zur Begründung. Und die Zahlen sind wirklich beachtlich. Waren es 2019 noch 60 Personen, steht die Skiabteilung heute mit 210 Mitgliedern da. Noch dazu ist gut die Hälfte unter 18 Jahre alt.

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„Mir liegen die Kinder am Herzen“, erklärt Thomas Steindl seine Motivation. Er selber sei im Sport aufgewachsen und war 14 Jahre lang hauptamtlich als Trainer für Kinder und Jugendliche beim SC Monte Kaolino Hirschau tätig. „Da entwickelt man einfach eine Leidenschaft dafür.“ Die Begeisterung für Sport wurde dem 42-Jährigen quasi schon in die Wiege gelegt. Sein Vater Josef Steindl ist seit jeher leidenschaftlicher Wanderer, Langläufer und Nordic Walker – seine sechs Kinder waren von klein auf mit dabei. 1985 gab Josef Steindl den Anstoß für die Gründung der Skiabteilung. Mit Abteilungsleiter Hans Seebauer wurden in den Folgejahren zahlreiche Veranstaltungen wie Stadtmeisterschaften im Alpinskilauf oder Langlauf auf die Beine gestellt.

Darüber hinaus fanden ein wöchentlicher Lauftreff, Wanderungen und Skigymnastik statt. 2004 übernahm Josef Steindl die Abteilungsleitung und gab sie nach 18 Jahren erfolgreicher Arbeit an seinen Sohn weiter. Und wie es schon beim Vater war, so sind auch bei Thomas Steindl die eigenen Kinder, momentan noch drei an der Zahl, immer mit dabei.

Fernab von Smartphone, Tablet und Co.

Nie sei es wichtiger gewesen, Kindern und Jugendlichen eine Möglichkeit zu geben, sich sinnvoll fernab von Smartphone, Tablet, Computer und Fernseher – bestenfalls auch noch im Freien – zu betätigen, lautet Steindls Devise. Hier sieht er die Vereine gefordert, einen Ausgleich zu Schulalltag und Medien zu bieten. Die Skiabteilung setzt darum auch auf gemeinsame Aktionen mit Schule und Kindergarten. Erst kürzlich gab es beispielsweise einen gemeinsamen Wandertag mit der Grundschule.

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Für die Kinder möchte Steindl in erster Linie, dass sie Spaß haben am Sport und der Bewegung. „Wir müssen Kinder vielseitig ausbilden, zum Beispiel turnerisch, läuferisch, spielerisch. Wir möchten Kondition und Koordination fördern.“ Bis zu einem Alter von etwa 13 sollten sich die Kinder an verschiedensten Sportarten ausprobieren, erst danach beginnt die Spezialisierung und das leistungsorientierte Training. Steindl gelingt es, die Kinder an wettkampforientierten Sport heranzuführen, ohne Druck aufzubauen. „Auch ein fünfter und ein zehnter Platz ist gut“, sagt er. Es gehe darum, die persönliche Bestleistung herauszukitzeln, indem man die eigenen Grenzen auslotet.

Darüber hinaus werden Wille, Ehrgeiz, Durchhaltevermögen gefördert und soziale Kompetenzen erworben, ob im Team oder als Einzelsportler. Alles Dinge, die den jungen Sportlern im Erwachsenenalter weiterhelfen werden, ist er überzeugt, denn „der Sport ist die Schule des Lebens“ lautet sein Credo.

Buntes Vereinsleben

Vielfältige Aktivitäten, auch zur Förderung der Gemeinschaft, prägen das Vereinsleben bis heute, natürlich auch für die Erwachsenen. Der traditionelle Wandertag beim Heimatfest wird von der Skiabteilung organisiert sowie weitere Familienwanderungen im Laufe des Jahres. Für die Kinder und Jugendlichen gibt es die Möglichkeit, ins Trainingslager zu fahren – einmal mit, einmal ohne Eltern. Mehrfach fand in Rötz auch schon die DSV-Sommerolympiade statt, mit der der Deutsche Skiverband Kinder spielerisch an den Sport heranführen will. Im Herbst wird außerdem ein Tagesausflug für Familien gemacht. Die Teilnahme an verschiedenen Laufcups in der Umgebung gehört ebenso zum Sommerprogramm. Beim Landkreislauf in Schwandorf im Juni treten eine Junioren- und eine Seniorengruppe an.

Und dann ist da noch der Schwarzwihrberglauf, der in diesem Jahr zum dritten Mal in Rötz stattfinden wird und Teil der Wertung und Abschlussveranstaltung für den Chamer Landkreislaufcup ist. Bestens organisiert und mit rund 270 Startern ein voller Erfolg, mit Sicherheit auch heuer wieder. Hier zeigt sich, dass der Zusammenhalt groß ist im Skiclub.

Vielleicht packt ja jetzt den ein oder anderen die Lust, im September mitzumachen beim Lauf. „Es gibt nichts Schöneres, als in der Natur aktiv zu sein und sich zu bewegen“, teilt Thomas Steindl seine Überzeugung. Anfänger sollten einfach sportlich aktiv werden, egal ob es Wandern, Walken, Laufen, Radfahren oder ein Mannschaftssport ist. Langsam anfangen und kleine Schritte machen, empfiehlt der Profi. Und noch ein Tipp, wenn einen das Sofa zu sehr festhält: in der Gruppe aktiv werden. Da falle es gleich einmal schwerer, abzusagen.

Kurse und mehr

Das Angebot der Skiabteilung umfasst Sport für Sommer und Winter vom Kind bis zum Senior:

• Skilanglauftraining

• Skigymnastik

• Alpin-Skikurse, Fahrten

• Drei Trainingsgruppen nach Alter für Kinder und Jugendliche ab vier Jahren

• Lauftreff mit Stephanie Ritt immer montags

• Nordic Walking

• Teilnahme an Laufcups in der Umgebung

• Wanderungen

• Radausflüge

• Jährlicher Ausflug für Kinder und Familie

Koordination und Konzentration sind gefragt beim Hampelmann über die Hütchen.
Lang strecken und rollen wie ein Pfannkuchen lautet die Anweisung für diese Übung. Fotos: Bernadette Gabler