So erlebten zwei Zeitzeugen aus Arnschwang die Schulzeit im Zweiten Weltkrieg

Ein Klassenfoto aus der Zeit des Zweiten Weltkrieges ist im Arnschwanger Gemeindearchiv im Landkreis Cham aufgetaucht. Archivar Alois Heitzer recherchierte dazu und konnte vielen Gesichtern einen Namen zuordnen.
Zwei Zeitzeuginnen, Johanna Ochsenmeier und Maria Schreiner, erinnern sich an ihre Kindheit, Schulzeit und Jugend. Die Schulzeit während des Zweiten Weltkriegs war von Entbehrungen, Disziplin und besonderen Herausforderungen geprägt. Bis 1939 begann das Schuljahr traditionell im März, doch mit Beginn des Krieges wurde der Schulbeginn auf September verlegt.
Körperliche Bestrafung
Die Klassen wurden jahrgangsübergreifend unterrichtet: Die 1. und 2. Klasse, die 3. bis 5. Klasse sowie die 6. und 7. Klasse waren jeweils in einer Gruppe zusammengefasst. Die 8. Klasse war freiwillig. Kinder mit Behinderungen wurden zwar in die Schule integriert, erhielten jedoch keine besondere Unterstützung.
Der Zugang zu weiterführender Bildung war stark eingeschränkt. Eine höhere Schulbildung stand nur Buben offen, die Priester werden wollten. Diese mussten das Knabenseminar besuchen. Der Ortspriester hatte erheblichen Einfluss auf die Entscheidung und bestimmte maßgeblich, ob ein Kind eine weiterführende Schule besuchen durfte.
Die Disziplin in der Schule war äußerst streng. „Körperliche Strafen waren durchaus üblich: Mädchen erhielten Schläge mit dem Stock auf die Handflächen und Buben wurden mit dem Rohrstock auf das Gesäß geschlagen“, erzählen die beiden Frauen. Die Lehrinhalte wurden anfangs noch in Deutscher Schrift vermittelt. Später wurde auf die Lateinschrift umgestellt. In den höheren Klassen standen Erdkunde und Geschichte auf dem Stundenplan. Während Mädchen in Handarbeit unterrichtet wurden, erhielten die Jungen Unterricht in Werken.
Auf dem Klassenfoto von 1944/45 fanden sich auch Kinder aus Hamburg, die nach der Bombardierung ihrer Heimatstadt für einige Wochen in Arnschwang untergebracht waren. Sie wohnten im Wirtshaus, bevor sie wieder nach Hamburg zurückkehrten. Später wurde das Schulgebäude als Lazarett genutzt, und der Unterricht musste in die sogenannte „Bärenhöhle“ verlegt werden.
Die Vorfreude auf die Landesgartenschau Furth im Wald steigt: Weiterer Meilenstein in Furth im Wald erreicht: Der Brücken-Loop an der Chamb ist geschlossen
Mit dem Einmarsch der Amerikaner musste der Unterricht zunächst eingestellt werden, da sich alle Lehrer einer Entnazifizierung unterziehen mussten. Erst nach Abschluss dieses Prozesses begann der Unterricht wieder, allerdings unter schwierigen Bedingungen: Es gab keine Schulbücher, sodass alles auf Heften notiert werden musste. Der Unterricht bestand meist aus mündlichem Vortrag und Diktat. Die Schulpflicht wurde wieder eingeführt.
Neben dem Schulbesuch war die Mitarbeit der Kinder in der Landwirtschaft und im Haushalt selbstverständlich. Jungen halfen auf den Höfen, während Mädchen sich um den Haushalt kümmerten. Ergänzend zur Volksschule gab es sonntags eine Berufsschule in der Kirche, in der der Pfarrer zwei Jahre lang Katechismusunterricht erteilte.
Der Schulweg war oft beschwerlich, besonders im Winter. Die Kinder mussten durch hohe Schneeverwehungen stapfen. Die waren allerdings so verpresst, dass man nicht einsank. Einige Schüler nahmen Abkürzungen über den zugefrorenen Chamb-Fluss oder durch die Gärtnerei Fischer.
Die Kleidung war schlicht und funktional. Im Winter trugen die Kinder Lederschuhe mit Stoffbündchen oder Holzschuhe, gestrickte Strümpfe, die Mädchen mit Strapsleibchen, sowie eine Schafwollweste und einen Mantel oder ein großes Tuch. Nach dem Erreichen der Schule, waren die Kleidungsstücke oft nass und mussten im Klassenzimmer getrocknet werden. Die Finger und Zehen waren steif gefroren. Schneeepflüge gab es nicht. Die Straßen mussten von den Bewohnern selbst freigeschaufelt werden. Dazu „sagte der Bürgermeister ein“. Da viele Männer im Krieg waren, übernahmen oft Frauen und Zwangsarbeiter diese Aufgabe.
Trotzdem war Kindheit schön
Trotz der schwierigen Umstände erinnert sich Johanna Ochsenmeier an eine schöne Kindheit. Sie konnte sich frei bewegen und hatte stets genug zu essen. Ein prägendes Erlebnis war für sie das Gänsehüten, bei dem sie einmal unachtsam war und von ihrer Mutter eine Ohrfeige erhielt. Nach dem Krieg erlebten die Zeitzeuginnen eine unbeschwerte Jugendzeit in den Jugendgruppen, in denen gesungen, gespielt und Ausflüge unternommen wurden.
Die Schulzeit während des Zweiten Weltkriegs war von harten Bedingungen, Entbehrungen und Disziplin geprägt. Dennoch berichten die Zeitzeuginnen von schönen Momenten, die sie trotz des Krieges erleben durften. Ihre Erinnerungen sind wertvolle Zeugnisse einer vergangenen Epoche und verdeutlichen die Herausforderungen und Besonderheiten des damaligen Schulalltags.

