Macht Schlachtbetrieb Vion in Furth im Wald mit Rindergallensteinen das große Geld?

Das ist schon eine kuriose Geschichte, wenn man sie zum ersten Mal hört: Schlachthöfe verkaufen Gallensteine von Rindern und erzielen damit Höchstpreise. Der Schlachthof in Furth im Wald (Landkreis Cham) etwa auch? Vion-Pressesprecherin Lina Witte klärt auf.
„Ja wir verkaufen Gallensteine, aber meines Erachtens wird darum viel zu viel Wind gemacht“, sagt die Pressesprecherin von Vion, zu der auch der Schlachtbetrieb in Furth im Wald gehört.
Aus Rinderlunge wird Medizin
Losgetreten und groß gemacht wurde die Geschichte demnach von einem bayerischen Medienhaus. Die hätten nach einem Drehtermin in einem Vion-Schlachtbetrieb gefragt.
„Das habe ich abgelehnt“, sagt Witte und ergänzt: „Für so eine Kleinigkeit kann ich nicht einen Betrieb für einen halben Tag lahmlegen.“ Wenn es um andere Themen, zum Beispiel die Rolle der Schlachthöfe für die Medizin geht, ist sie gerne bereit, etwas zu arrangieren. So sei aus Rinderlungen ein Medikament entwickelt worden, das bei der Behandlung frühgeborener Kinder helfen kann. Eine kurze Recherche im Internet bestätigt das.
Ein unabhängiges Informationsportal für medizinische Fachkreise teilt in einem Artikel mit, dass zwei Medikamente zur Verfügung stehen, mit denen man das Atemnot-Syndrom Frühgeborener behandeln kann. „In meinen Augen wurde das Thema zu sehr aufgebauscht“, so Witte. Das besagte Medienhaus hat die Frage gestellt, was Schlachthöfe zu verbergen haben. „Gar nichts, das war nicht das Schweigen der Schlachthöfe, wir verkaufen nur keine nennenswerten Mengen.“ Demnach komme das nicht allzu häufig und nur in geringen Mengen im Grammbereich vor. „Als Geschäftsmodell taugt das nicht.“
Die Stadt Furth in der Zukunft: Stadtrat Toni Schmidt warnt: Furth im Wald darf nach Landesgartenschau nicht kaputt gespart werden
In Frankreich gibt es einen Aufkäufer für Steine aus Rindergallen. Er bezeichnet sich als Marktführer in diesem Bereich. Je nach Qualität – es gibt vier Kategorien – zahlt man dort bis zu 144 Euro pro Gramm. Bis zu bedeutet, dass der durchschnittliche Preis wohl weit darunter liegt. Laut Witte werden aus ihren Betrieben Steine der Kategorie drei verkauft.
Funde nicht so häufig
Wohin oder an wen die Gallensteine verkauft werden, sagt Witte nicht. Auch nicht wofür sie verwendet werden. Sie wiederholt aber noch einmal, dass die Funde nicht so häufig sind. Das mag auch daran liegen, dass sich Gallensteine erst bei älteren Tieren entwickeln. Schlachtrinder erlangen bekanntermaßen kein biblisches Alter. Zur Vorgehensweise steht auf der Internetseite des besagten Aufkäufers ox-gallstones: „Es empfiehlt sich dabei, jede Galle aufzuschneiden und auf Steine zu prüfen. Dieser Vorgang sollte systematisch in den Schlachtablauf eingeplant werden. Am Schnellsten lassen sich Gallensteine mit einem Sieb und einem Eimer herausfiltern.“
Promibesuch bei der Landesgartenschau: Auf der Landesgartenschau: AOK-Gesundheitstag mit Biathlon-Star Laura Dahlmeier
Wie die Rinderlunge werden die begehrten Steine offensichtlich medizinisch eingesetzt. ox-gallstones: „Bekannt sind ihre lindernden, entzündungshemmenden beziehungsweise antipyretischen (fiebersenkenden) Eigenschaften, die zum Beispiel bei der Behandlung von Leberkrankheiten angewendet werden.“
In China teuer wie Gold
Der größte Markt für Gallensteine ist China. Da sollen qualitativ hochwertige Stücke mehr als Gold wert sein. „Deutschland ist für den chinesischen Markt gesperrt“, so Witte. Im Wall Street Journal steht zu lesen, dass in Brasilien, einem Hauptlieferanten für den chinesischen Markt, Schlachthöfe überfallen werden, um an die teure Ware zu gelangen.