Stadtrat Toni Schmidt warnt: Furth im Wald darf nach Landesgartenschau nicht kaputt gespart werden

Von Mittelbayerische Zeitung · 15. März 2025 um 19:00

Wenn die Landesgartenschau abgerechnet ist, wird die Stadt Furth im Wald mit rund 17 Millionen Euro in der Kreide stehen. Trotzdem sagt Toni Schmidt, Chef der Freien Wähler im Stadtrat, muss die Stadtentwicklung weitergehen. Die Stadt darf in Zukunft nicht ein zweites Mal kaputtgespart werden, lautet sein Credo. Wie das aussehen muss, hat er im Gespräch erläutert.

Beim Thema Schulden ist man in Furth im Wald empfindlich. Toni Schmidt erinnert daran, dass die Schließung des teuer sanierten Krankenhauses, das erst dem Landkreis beigeordnet und dann von Furth übernommen worden war, ein gewaltiges Loch in das Stadtsäckel gerissen hatte.

Furth hat am Boden gelegen

Viele Jahre hat es gedauert, ehe dieses geflickt war. Absolute Haushaltsdisziplin hatte man sich in der Folgezeit verordnet.

Aus Sicht des Freien Wählers hat man sich in dieser Zeit kaputtgespart. Den Beweis für die Aussage lieferte das Gremium, das im Rahmen der Bewerbung zur Landesgartenschau (LGS) die Drachenstadt unter die Lupe nahm. Wie Bürgermeister Sandro Bauer gegenüber der Mediengruppe Bayern einmal sagte, habe er sich an manchen Stellen regelrecht geschämt, diese herzuzeigen.

„Wenn jemand die Fördermittel einer Gartenschau braucht, dann ist das Furth“, sollen die LGS-Entscheider gesagt haben. Auch Schmidt erinnert sich an verrostete Geländer am Kanal in der Lorenz-Zierl-Straße. „Einmal haben wir einen alten Gummistiefel medienwirksam aus dem Wasser gezogen.“ 2018 sei daher genau der richtige Zeitpunkt gewesen, das Projekt LGS anzugehen. Das habe zwar für die folgenden Jahre bis heute viel Geld gekostet, der Stadt aber auch hohe Förderungen eingebracht. Wenn der Rausch der LGS vorüber ist, muss es mit kleinen Schritten vorangehen. „Es darf aber keinen Stillstand geben“, so der Fraktionssprecher.

Dringend notwendig, da würden ihm wohl die allermeisten Further sowie unzählige Landkreisbürger, Schulen und Vereine zustimmen, ist die Sanierung oder der Neubau des Hallenbades. Geschätzte zehn bis 15 Millionen Euro könne die Stadt aber nur schultern, wenn die öffentliche Hand mit 80 oder 90 Prozent fördert. „Auf ein solches Programm müssen wir warten.“ Was kurzfristig angegangen werden müsse, ist eine Überprüfung und die Fortschreibung des Stadtentwicklungsgutachtens, genannt ISEK. „Man kann nicht ignorieren, dass es neue Trends gibt.“ Kleinstädte wie Furth im Wald seien selbst mit dem vorhandenen Einzugsgebiet nicht mehr relevant für große Filialisten. Es wären also wieder Workshops und Bürgerbefragungen nötig, dann eine Überarbeitung des Gutachtens, wo man in Zukunft hin will. Mehr Wohnen im Zentrum, kleine Läden, Friseure, mehr Platz für Außengastronomie und ein Kontingent an Anwohnerparkplätzen könnte sich der Wirtschaftsgeograf (Schwerpunkt Stadtentwicklung) vorstellen.

Ganz grundsätzlich sieht er die Stadtentwicklung noch lange nicht abgeschlossen. „Auch wenn die Gestaltungsmöglichkeiten in den künftigen Haushalten aufgrund des Schuldenstandes gering sein werden, warnt er vor einem neuerlichen Kaputtsparen. Die Aufgaben blieben bestehen, nur das Tempo werde verringert. Weitere Straßen und andere Infrastruktur (Kanäle) müssten saniert werden. „Wir müssen uns auch die Frage stellen, ob wir uns nicht von Liegenschaften, von denen wir viel zu viele haben, trennen.“ Müsste ja nicht sofort sein, aber zumindest sollte der Stadtrat seinen Willen dazu bekunden.

Wirtschaft weiter fördern

Spontan fällt ihm in diesem Zusammenhang die Perlinger Villa am Stadtplatz ein, in der noch das Drachenstichbüro untergebracht ist. „Wenn jemand die Villa liebevoll saniert, ist das ein Gewinn für uns.“ Der Hochwasserschutz ist in den kommenden Jahren von zentraler Bedeutung. Das ausgearbeitete Konzept müsse in den nächsten zehn bis 15 Jahren umgesetzt werden, „sonst schwemmt es uns die Errungenschaften der Landesgartenschau wieder weg.“ Vorrang hat aus Sicht von Schmidt die Unterstützung und Förderung der Unternehmen. Die hohen unerwarteten Gewerbesteuereinnahmen der letzten Jahre haben der Stadt viel Spielraum gegeben. „Das war unser Glück. Wirtschaftsförderung ist Bestandspflege, die Unternehmer müssen gehegt und gepflegt werden.“

Beim Hallenbad ist nicht mehr alles so sonnig. Foto: Schiedermeier
Toni Schmidt