Sein Truck hat nichts mit Todesfahrt von Riekofen zu tun: Nun spricht Besitzer über böse Gerüchte

Von Philip Hell · 18. März 2025 um 12:33

Was geschah in der Nacht auf den 4. September 2024 auf einer Landstraße bei Riekofen im Landkreis Regensburg? In den frühen Morgenstunden wurde dort ein 24-Jähriger tot auf der Straße liegend gefunden. Die Ermittler waren schnell sicher, dass der junge Mann bei einem Unfall starb – vom Fahrer fehlte allerdings jede Spur. Vor wenigen Wochen schien eine heiße Spur greifbar nahe. Die Polizei stellte ein Fahrzeug sicher. Inzwischen ist klar: Der Wagen hat nichts mit dem Unfall zu tun – sein Besitzer wurde allerdings zum Ziel böser Gerüchte.

Er sei Anfang Januar gerade vom Skifahren zurückgekommen, sagt der Autobesitzer, ein Unternehmer aus dem Landkreis Straubing-Bogen, der Mittelbayerischen Zeitung. „Da stand die Verkehrspolizei vor der Tür.“ Die Beamten wollten seinen Wagen sicherstellen. Dabei handelt es sich um einen alten Toyota. „Wir haben eine Landwirtschaft, da können wir den gut brauchen.“

Anfangs habe er sich nichts gedacht, erzählt der Unternehmer. „Dann haben Leute angerufen, die meinten, dass sie mich eingesperrt haben.“ Es sei das Gerücht umgegangen, er habe den jungen Mann totgefahren und dann auf der Landstraße abgelegt. Das sei absolut nicht richtig, betont der Unternehmer. Das bestätigt nun auch das Ergebnis der Untersuchung des Autos. Es hat nichts mit dem Unfall zu tun, bestätigt Polizeisprecherin Corinna Wild.

Nach Unfall in Riekofen: „Sau durchs Dorf getrieben“

Das Gerücht war da allerdings schon in der Welt – und drehte munter seine Runden. „Die Leute haben zum Teil die Straßenseite gewechselt“, erzählt der Unternehmer. „Wenn mich Leute im Supermarkt gesehen haben, haben sie schlagartig den Gang verlassen.“ Auch bei seiner Arbeit hätten ihn die bösen Gerüchte eingeholt. Er sei zu separaten Besprechungen mit Behörden geladen worden. Die anderen Teilnehmer hätten zu große Angst, erzählt er. „Ich habe mich gefühlt wie eine Sau, die man durchs Dorf treibt.“

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Schließlich erreichten die Geschichten auch den Kindergarten, in die seine Kinder gehen. Der Unternehmer sah keinen anderen Ausweg mehr und wandte sich an die Polizei in Wörth, die die Ermittlungen federführend leitet. Die Beamten gaben eine Pressemitteilung heraus, in der sie vor dem Verbreiten von Gerüchten warnten. Das habe ein wenig geholfen, sagt der Unternehmer. Und dennoch: „In den letzten zwei Monaten ist es um nichts anderes gegangen.“ Ein Beamter habe ihm gesagt, dass es mit Gerüchten wie mit einer Kiste Federn sei. „Fliegen sie erst mal durch die Luft, bekommt man sie nicht mehr eingefangen.“ Innerhalb kürzester Zeit habe sich die Geschichte wie ein Lauffeuer verbreitet. Er bekam Anrufe aus Schwandorf oder aus Passau. Er habe mitbekommen, wie das Gerücht über Whatsapp-Gruppen in Vereinen oder Firmen die Runde machte. „Es ist krass, wie schnell das heute geht.“ Dabei habe er mit dem tragischen Fall nichts zu tun. Er sei am fraglichen Abend zu Hause gewesen. Dafür gebe es Zeugen. Von der Polizei sei er weder als Zeuge noch als Beschuldigter vernommen worden. Das bestätigte die Polizei bereits im Februar.

Nur: Wie kamen die Beamten dann auf das Fahrzeug des Unternehmers? Ihm sei es so erklärt worden, sagt der Mann aus dem Landkreis Straubing-Bogen: Sein Wagen passe ins Profil. Den Beamten sei es inzwischen gelungen, das gesuchte Auto auf eine Reihe von Fahrzeugtypen zu beschränken, in denen ein ganz bestimmtes Bauteil verbaut ist. Dazu zählt ein alter Toyota-Pick-Up – und genau so einen hat der Unternehmer. Knapp zwei Monate liefen die Untersuchungen im Bayerischen Landeskriminalamt. „Für mich und meine Familie wäre es natürlich besser gewesen, wenn es schneller gegangen wäre“, sagt der Unternehmer und betont zugleich: „Wir haben immer gut mit der Polizei zusammengearbeitet.“

Die Suche nach dem Todesfahrer von Riekofen geht weiter

Die Beamten haben in der Vergangenheit nichts unversucht lassen, um den Unfallfahrer noch zu finden. Sie kontrollierten Autos in der Umgebung von Riekofen und hängten in halb Ostbayern Fahndungsplakate aus. Außerdem werteten sie Handynutzungsdaten rund um den mutmaßlichen Tatort aus. Das alles gleicht der Suche nach der Stecknadel im Heuhaufen. Zugleich betonten die Beamten immer wieder, nicht aufgeben zu wollen. Auch jetzt, sechs Monate nach dem tödlichen Unglück betont die Polizei in einer Pressemitteilung: „Die Ermittlungen dauern an.“

Der Unternehmer aus dem Landkreis Straubing-Bogen ist indes einfach nur froh, nun auch schriftlich zu haben, dass er rein gar nichts mit dem Unfall zu tun hat. Zugleich sind seine Gedanken auch bei der Familie des getöteten jungen Mannes. „Ich hoffe wirklich, dass die Polizei den Täter findet.“

Rosen der Trauer: Am Unfallort in der Nähe von Riekofen ist eine kleine Gedenkstelle für den Verstorbenen entstanden. Foto: Hell, Archiv