Es parkt mit „Segen“ der Polizei vor Regensburger Friedhof: Die tragische Geschichte eines Geisterautos

Karl Gschwendner sieht Gespenster – oder besser Geister in Form von Fahrzeugen. Der MZ-Leser ist regelmäßig auf dem Unteren Katholischen Friedhof in Regensburg. Dabei ist im vergangenen Jahr ein sogenanntes Geisterauto aufgefallen. Im November wurde es nach rund elf Monaten entfernt – nun hat er ein neues Geisterauto auf dem Parkplatz entdeckt. Diesmal ist die Sache allerdings ein klein wenig komplizierter. Darauf deutet unter anderem eine Visitenkarte unter der Windschutzscheibe hin.
Gschwendner wandte sich mit einer Mail an den Verkehrsüberwachungsdienst und wies auf das Geisterauto hin. Antwort bekam er anderthalb Monate später von der Polizeiinspektion Regensburg Süd. Man sei darum bemüht, das Fahrzeug zu entfernen. Alle Bemühungen seien allerdings fehlgeschlagen. Er dürfe keine Einzelheiten nennen, es sei aber „äußerst schwierig“, etwas zu erreichen. Die nächsten Schritte seien eingeleitet. Das hört sich äußerst kryptisch an. Also: Was ist da los? Anruf bei Markus Reitmeier, Sprecher der Polizeiinspektion Regensburg Süd. Der Fall sei bekannt, „aber etwas kompliziert.“ Dahinter stecke eine tragische Geschichte, deren Details er nicht komplett schildern könne.
Darum steht das Geisterauto am Friedhof in Regensburg
Was er erzählen darf: Im November hätten Beamte einen Autofahrer in der Nähe des Unteren Katholischen Friedhofs kontrolliert, da sein Fahrzeug keine Kennzeichen hatte. Die Polizisten wiesen den Fahrer an, das Auto am Unteren Katholischen Friedhof abzustellen. Die Kennzeichen seien ihm geklaut worden, sagte der Fahrer.
Und genau da liegt das Problem: Der Fahrer ist derzeit ohne Wohnsitz. Deshalb habe er massive Probleme, sein Fahrzeug anzumelden, um dann wieder Kennzeichen zu bekommen, um dann wiederum sein Auto wegzufahren.
Nur: Warum wurde das Fahrzeug ausgerechnet am Friedhof abgestellt? Auf die Frage hin holt Reitmeier ein wenig aus. Das sei vergleichbar mit einer Polizeikontrolle, bei der die Beamten einen Betrunkenen erwischen. In solchen Fällen wird das Auto in der Nähe abgestellt. Sobald der Fahrer wieder nüchtern ist, also in der Regel am nächsten Tag, kann er das Auto wieder abholen.
Darum liegt die Visitenkarte der Polizei im Auto
Hier kommt auch die Visitenkarte ins Spiel. Sie gehört einem Polizeimeister der PI Süd und liegt unter der Windschutzscheibe. Sie diene als eine Art Hinweis an das Ordnungsamt, dass das Auto der Polizei bekannt ist, sagt Reitmeier. Ähnlich gehe man zum Beispiel auch nach Trunkenheitsfahrten vor.
Moment mal: Wenn das Auto nun seit Monaten dort steht und nichts passiert, warum schleppt die Polizei das Fahrzeug nicht einfach ab? So leicht gehe das auch wieder nicht, sagt Reitmeier. Im Moment begehe der Autohalter einen Parkverstoß – also eine Ordnungswidrigkeit. Das reiche nicht, um den Wagen abzuschleppen.
Polizeisprecher Reitmeier betont: „Wir arbeiten an einer Lösung.“
Anruf bei Karl Gschwendner. Für die tragische Geschichte des Fahrzeughalters zeigt er Verständnis. Er fragt sich allerdings, warum er die Hintergründe vom MZ-Reporter erfahren muss. Zumal der Parkplatz am Friedhof wichtig sei. „Gerade bei Beerdigungen.“ Am Ende des Telefonats verabschiedet sich Gschwendner lachend mit einem „Bis zum nächsten Mal.“ Er wird sich wieder melden, wenn er ein Gespenst sieht, dass auf dem Parkplatz spukt.
