Scheibe lag in Scherben: Doppel-Einbruch schockt Regensburger Traditions-Geschäft

Von Philip Hell · 14. März 2025 um 16:00

Diesen Freitagmorgen hat sich Harry Gröger wahrlich anders vorgestellt. Noch bevor er seinen Trekking-Laden in der Oberen Bachgasse in Regensburg aufsperrte, klingelte sein Handy. Der Anrufer hatte eine Hiobsbotschaft parat: Die Schaufensterscheibe von Grögers Geschäft war eingeschlagen worden – vor dem Laden lag ein Meer von Scherben. Mal wieder.

Mit irgendeinem schweren Gegenstand muss der Unbekannte die Scheibe eingeworfen haben, sagt Gröger der MZ am Freitagvormittag. Ein Stein könne es jedenfalls nicht gewesen sein. „Der müsste ja noch drin liegen.“ An eine spontane Tat glaubt er nicht: „Es schaut sehr gezielt aus.“ Zumal es ihn schon am Tag vor Heiligabend erwischt habe. Auch damals lag die Schaufensterscheibe zertrümmert am Boden. „Das war fast identisch“, erinnert sich der Betreiber des ältesten Outdoor-Geschäfts in Regensburg.

Einbruch in Regensburg: Der Wolpertinger blieb da

In der Nacht auf Freitag wurden eine Hose, Hosenträger, Gürtel und ein paar Mützen gestohlen, sagt Gröger. Die Ware habe einen Wert von etwa 200 Euro – viel schlimmer sei der Schaden an der Scheibe. „Die kostet einen Tausender.“ Dabei gehe es nicht nur um die Materialkosten für das Sicherheitsglas. „Der Glaser muss herfahren, die Scheibe ausmessen, eine neue anfertigen und dann wieder einbauen. Das ganze Drumherum ist ein riesen Aufwand.“ Ganz davon abgesehen, dass er auch keine Lust habe, sich rauszustellen und zu putzen, sagt Gröger. „Das unterbricht einen ja schon bei der Arbeit.“

Das ist der praktische Aspekt – so ein Vorfall hat freilich auch einen psychologischen Effekt. „Ich habe so etwas bisher noch nicht erlebt. Aber es sagt jeder, bei dem eingebrochen wurde, dass das ein sehr komisches Gefühl ist.“ Schließlich dringe ein Unbekannter in die eigene Intimsphäre ein.

Dabei hatte Gröger noch Glück im Unglück. In dem Schaufenster, dass eingeschlagen wurde, stand die Figur eines Wolpertingers. Der Unbekannte ließ ihn stehen. „So etwas ist richtig teuer. Da kann man schon ein paar tausend Euro zahlen. Andererseits: Was will jemand mit so etwas, wenn er kein Auge dafür hat?“ Dass nun unter anderem eine Hose geklaut wurde, kann Gröger nicht so recht nachvollziehen. Man könne doch nicht durch die Scheibe sehen, ob eine Hose passt.

Erster Einbruch kurz vor Weihnachten

Kurz vor Weihnachten wurden ein paar Stanley-Cups gestohlen. Die multifunktionalen Trinkflaschen einer US-Firma sind im Internet gerade der große Renner. „Vielleicht hat er ja Weihnachtsgeschenke gebraucht“, sagt Gröger und zuckt mit den Schultern. Der Geschäftsmann ist sich ziemlich sicher, dass zweimal der selbe Unbekannte zugeschlagen hat. „Vielleicht hat er ja beim ersten Mal gesehen: Es funktioniert.“ Wobei, überlegt Göger: „Ich habe ja Sicherheitsglas! Um so eine Scheibe einzuschlagen, braucht man echt Gewalt.“ Jetzt müsse er sich überlegen, ob er noch Ware in die Schaufenster packt, sagt der Ladeninhaber. „Ich weiß es noch nicht.“

Der Einbruch habe ihn ins Grübeln gebracht, erzählt Gröger. Den besten Rat habe ihm wohl ein Geschäftsmann aus der Nachbarschaft gegeben: „Du willst ja nicht mit dem tauschen, der die Scheibe eingeschlagen hat. Was sind das für Menschen?“

Ein Mutmacher aus Holz

Mit dieser Frage muss sich nun die Kriminalpolizei beschäftigen. Die Beamten ermitteln, wie eine Sprecherin der MZ am Freitag bestätigte. Zeugen der Tat werden gebeten, sich unter (09 41) 5 06 28 88 an die Polizei zu wenden.

Während Gröger hofft, dass die Beamten den Täter bald finden, macht ihm eine Begegnung Hoffnung. Kurz nach dem ersten Diebstahl kam ein Kunde in seinen Laden und hatte einen kleinen Stanley-Cup aus Holz dabei – als Aufmunterung. „Es ist gut zu sehen, dass es auch noch solche Menschen gibt.“ Das Kunstwerk steht nun im Schaufenster – und bleibt dort hoffentlich auch.