Debatte um Toiletten in Regensburg: Braucht die Stadt mehr stille Örtchen?

Der Geruch liegt schon in der Luft: Der Frühling wird bald in Regensburg Einzug halten. Sonnenanbeter werden sich in den Gassen der Domstadt tummeln, einen Spritz trinken – und den notgedrungen auch wieder loswerden müssen. Hier kommen die öffentlichen Toiletten ins Spiel – traditionell ein Reizthema in Regensburg. Schon bald wird sich auch der Stadtrat wieder mit stillen Örtchen befassen.
Stadtsprecherin Kathrin Holzgartner teilt auf Anfrage mit, dass die Gesamtsituation voraussichtlich in der Sitzung im Mai im Gremium behandelt wird. „Dabei sollen auch Lösungsansätze diskutiert werden.“ Der Betrieb der öffentlichen Toiletten sei „anspruchsvoll“ und werde „immer aufwendiger“, sagt Holzgartner. Die Toilettenanlagen werden mutwillig beschädigt, zum Drogenmissbrauch benutzt und verschmutzt. Kleidung verstopft die Klos, Spritzen liegen herum oder es klebt Kot an Wand, Boden und sogar an der Decke, sagt die Stadtsprecherin. Im Schnitt erreiche die Behörden eine Meldung pro Woche.
Öffentliche Toilette in Regensburg: Neues Sorgen-WC
Ein ähnliches Bild zeichnet Stadtwerke-Sprecher Martin Gottschalk. In den Parkhäusern am Bismarckplatz, am Petersweg und am Dachauplatz gibt es jeweils Toiletten. Diese seien zwar eigentlich nur für Kunden, sprich für Menschen, die parken, praktisch sei es allerdings schwer zu kontrollieren, so Gottschalk. Spannend ist der Blick auf die Unterschiede bei den Toilettenanlagen. Am Dachauplatz, so Gottschalk, nehme der Aufwand für Reinigung und Wartung deutlich zu. „Hier kommt es leider auch mitunter zu Vandalismus, sodass die Toiletten und/oder Waschbecken beschädigt werden.“ Am Petersweg sei der Mehraufwand am Wochenende am größten, wenn die Clubs geöffnet haben. Am Bismarckplatz dagegen, der bekanntlich an sonnigen Tagen proppenvoll ist, sei die Situation „relativ entspannt.“ Es komme eigentlich nicht zu Problemen.
Mit den drei halböffentlichen stillen Örtchen der Stadtwerke gibt es 13 öffentliche Toilettenanlagen in Regensburg, teilt Stadtsprecherin Holzgartner mit. In bestimmten Parkanlagen und an Spielplätzen werden mobile Klos aufgestellt. „Derzeit wird auch geprüft, ob es weitere Möglichkeiten gibt, Toiletten an bestimmten Orten aufzustellen.“ Auch aus der Politik, die sich ja im Mai mit dem Thema befasst, wird der Ruf nach mehr Toiletten im öffentlichen Raum laut – in den Details gibt es allerdings durchaus Differenzen.
CSU fordert neue Toiletten in öffentlicher Hand
Michael Lehner, Fraktionschef der CSU im Regensburger Stadtrat, schlägt etwa vor, dass private Firmen Toiletten im öffentlichen Raum betreiben sollen. Diese könne man dann für eine geringe Gebühr benutzen – bekomme dafür dann allerdings ein sauberes Klo. Bislang gibt es nur eine öffentliche Toilette, für die man bezahlen muss. Sie steht am Interims-Busbahnhof. In Sachen Sauberkeit habe die Stadt durchaus ein Problem, gibt Lehner unumwunden zu. Er betont allerdings auch: „Wenn man ein sauberes Klo möchte, muss man sich auch benehmen.“ Es liege an jedem einzelnen, wie die Toilettenanlagen aussehen. „Wir können jedenfalls nicht alle zwei Stunden einen Putzdienst zahlen.“
Die Reinigung von Toiletten übernehmen externe Dienstleister für die Stadt. Das ist mit Kosten in Höhe von rund 300 000 Euro jährlich verbunden. Dazu kamen Unterhaltskosten in Höhe von rund 83 000 Euro. Nicht eingerechnet sind Schadensfälle, die von der Versicherung gezahlt wurden.
Längere Öffnungszeiten für Toiletten in Regensburg?
Grünen-Fraktionschef Daniel Gaittet möchte die Toiletten im Gegensatz zu CSU-Chef Lehner nicht in private Hand geben. „Das ist kein Luxus. Das ist Teil der öffentlichen Daseinsvorsorge.“ Grundsätzlich zeigt sich Gaittet auch für neue Toiletten offen – betont allerdings auch: „Wir sollten in einem ersten Schritt die Öffnungszeiten ausweiten.“ Als Beispiel führt er die Toilette im Stadtpark oder am Protzenweiher an. Beide schließen im Sommer um 20 Uhr. „Das ergibt doch keinen Sinn, da sind diese Orte doch noch belebt.“ Darüber hinaus verweist Gaittet auf das Angebot der „Netten Toilette“. Gastronomen stellen ihre Klos der Öffentlichkeit zur Verfügung und bekommen dafür etwas Geld von der Stadt. „Das wissen immer noch zu wenig Leute“, sagt Gaittet. „Dieses Angebot sollten wir besser bewerben.“
Bislang gibt es genau eine öffentliche Toilette in der ganzen Stadt, die rund um die Uhr geöffnet hat. Das Klo am Neupfarrplatz, das den Ruf hat, das widerlichste seiner Art zu sein. Die Stadt will die Problem-Toilette nun sanieren oder gleich neu bauen. Der Anstoß dazu kam von der Brücke-Fraktion und Stadtrat Florian Rottke, der nebenan einen Kiosk betreibt. Auch er kann sich weitere Toiletten in der Stadt vorstellen und zeigt sich offen dafür, diese auch in private Hände zu geben – allerdings nur komplett. Zuletzt sei beim Christkindlmarkt am Neupfarrplatz offenbar geworden, wie sehr weitere Toiletten fehlen. Darüber hinaus müsse man die Öffnungszeiten an jedem einzelnen Standort bewerten. Zugleich betont Rottke: „Es ist auch ein soziales Thema.“ Für manche Menschen seien öffentliche Toiletten der einzige Zugang zu fließendem Wasser. Toiletten seien Teil der öffentlichen Daseinsvorsorge. „Sie sind auch immer ein Zeichen dafür, wie eine Stadt mit Leuten umgeht.“
Stadt rückt Wildbieslern auf die Pelle
Problem: Nach 22 Uhr hat nurmehr die Toilette am Neupfarrplatz geöffnet. Das führt dazu, dass Nachtschwärmer bisweilen in der Stadt wild pinkeln.
Gesetz: Erlaubt ist das freilich nicht. Es handelt sich um eine Ordnungswidrigkeit. Wird man dabei vom Ordnungsdienst oder von der Polizei erwischt, muss man mit einer Strafe von 35 Euro rechnen.
Hotspots: Betroffen sind die Jahninsel, der Gries, der Schopperplatz, Holz-, Wein- und Donaulände, der Bismarckplatz, die Albertstraße und der Fuchsengang.
Kontrolle: Der Kommunale Ordnungsservice (KOS) bestreift diese Orte. In diesem Sommer sollen sie noch mehr überwacht werden. Verstöße sollen konsequent geahndet werden, schreibt die Stadt.

