Der schwere Kampf gegen die vielen Radunfälle in Regensburg

Im Jahr 2024 wurden bei 416 Radunfällen 376 Radfahrer verletzt, 22 davon schwer. Ein Radfahrer verunglückte tödlich. Dabei gibt es laut Polizei keine Unfallschwerpunkte – umso schwerer ist der Kampf gegen die hohen Zahlen.
Die Verkehrswende macht sich auch in der Unfallstatistik bemerkbar. Die Regensburger legen inzwischen 26 Prozent ihrer Wege mit dem Rad zurück, wie die aktuelle Mobilitätserhebung zeigt – und Hunderte ziehen sich dabei Verletzungen zu. 2024 wurden bei 416 Radunfällen 376 Radfahrer verletzt, 22 davon schwer, und ein Unfall endete tödlich. Diese Zahlen präsentierte die Polizei in der vergangenen Woche. Dabei entschärfte die Stadt zuletzt mehrere problematische Stellen in Regensburg.
Dementsprechend hieß es diesmal von der Polizei zu den Radunfällen: „Ein örtlicher Schwerpunkt konnte nicht ausgemacht werden.“ Wolfgang Schuhmann, Verkehrssachbearbeiter der Polizei, sagt: „Das ist wirklich über das ganze Stadtgebiet verteilt gewesen.“ Gerade deshalb sei der Kampf gegen die hohen Unfallzahlen „wirklich schwer, weil man so viele Ansatzpunkte hat“.
Radler sind sehr verletzlich
Mit 416 Radunfällen gab es 9,8 Prozent weniger als im Vorjahr, im Fünfjahresvergleich liegt der Wert im Mittelfeld. Problematisch an den Zahlen ist aus Sicht der Polizei, dass sich Radfahrer viel häufiger verletzen als Autofahrer. Schuhmann sagt: „Das Bewusstsein der Radfahrer, dass ihre Verletzlichkeit sehr hoch ist, ist relativ niedrig.“ Die Polizei appelliert vehement an Radler, dass sie einen Helm tragen und so das Risiko schwerer Verletzungen mindern und dass sie sich möglichst sichtbar machen: Pflicht ist ein verkehrssicheres Rad mit Beleuchtung bei Dunkelheit und reflektierenden Elementen an Reifen und Pedalen, besser sei es, eine Warnweste zu tragen oder anderes, was reflektiert. Der Radler, der Anfang 2024 in der Max-Planck-Straße an einem dunklen Freitagmorgen tödlich verunglückte, weil ihn ein Lkw-Fahrer übersah, hatte etwa kein Licht an seinem Rad.
2024 wurden der Polizei zufolge 139 Unfälle durch Autofahrer verursacht, während bei 292 Unfällen der Verursacher ein Radler war: also in mehr als 70 Prozent der Fälle. Bei 246 Unfällen waren Radler „alleinbeteiligt“, dabei verletzten sich 17 schwer. Zu den Hauptunfallursachen gehört mit 104 Fällen das Abbiegen und Wenden, in diese Kategorie fallen auch Unfälle, bei denen ein Autofahrer einen Radfahrer übersieht. Das Geisterradeln in die falsche Richtung spielte bei 47 Unfällen eine Rolle. Viel öfter, nämlich 156-mal, verursachten „andere Fehler“ die Unfälle. Dazu zählen vor allem die Fälle, in denen Radler ohne Beteiligung anderer stürzen. Schuhmann beklagt: „Ablenkung spielt eine immer größere Rolle.“ Radler telefonierten, hörten schlecht wegen Kopfhörern im Ohr oder trügen zu dunkle Sonnenbrillen. An 109 der 416 Radunfälle waren Pedelecs beteiligt, bei denen bis 25 Kilometer pro Stunde ein Elektromotor mit anschiebt.
Damit fahren auch „Leute schnell Rad, die bisher nicht schnell Rad gefahren sind“, sagt Benedikt Benz vom Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club Regensburg. Überhaupt gelte: „Natürlich gibt’s Leute, die nicht angepasst fahren.“ Aber auch die zum Teil mangelnde Infrastruktur für Radfahrer erhöhe das Risiko für Unfälle. „Wenn mehr Leute das Rad nehmen, brauchen die Leute auch mehr Platz.“ Grundsätzlich sei Regensburg inzwischen „nicht schlecht aufgestellt“, sagt Benz. „Die meisten Problemkreuzungen wurden entschärft.“ Schon 2019 dran war die Kreuzung Kumpfmühler Straße/Fritz-Fend-Straße an der Kumpfmühler Brücke, an der Radler seitdem eine eigene Grün-Phase haben.
Stadt baute Kreuzungen um
Als größere Maßnahmen der jüngeren Vergangenheit nennt Stadtsprecherin Juliane von Roenne-Styra unter anderem den Umbau der Kumpfmühler Kreuzung und der Kreuzung Donaustaufer Straße/Lechstraße sowie die Abbiegespur auf den Odessa-Ring. Sie versichert, die Sicherheit der Radfahrer nehme „mit dem zunehmenden Umstieg der Bevölkerung auf das Fahrrad einen immer breiteren Raum ein“.
Benz fordert flächendeckend eine „klare und fehlerverzeihende Infrastruktur. Mit dem Rad muss ich mir oft erschließen, wie ich fahren muss, zum Beispiel an Kreuzungen.“ Immer wieder seien Radwege zu schmal, besonders für Lastenräder, oder hörten plötzlich auf, in der Wöhrdstraße komme etwa beides zusammen. Auch Unterhalt und Wartung müssten passen. Schlaglöcher oder nasses Laub ließen Radler leichter stürzen, auch wenn selbstverständlich gelte: „Man muss immer den Verhältnissen entsprechend fahren.“