Nach fast einem Jahr: Stadt entfernt Geisterauto von Regensburger Friedhof

Er stand und stand und stand: Die Stadt Regensburg hat vergangene Woche einen Dauerparker abgeschleppt, der sage und schreibe elf Monate auf dem Parkplatz des Unteren Katholischen Friedhofs stand – und für mächtig Ärger sorgte.
MZ-Leser Karl Gschwendner muss regelmäßig auf den Friedhof. Der graue Audi stinkt ihm seit geraumer Zeit gewaltig. Schon im Sommer wandte er sich an unsere Zeitung, um auf den Missstand aufmerksam zu machen. Damals vermutete er mit einer Prise Humor: „Im Zuge des Bürokratieabbaues hat das zuständige Amt vermutlich heimlich einen kostenlosen Dauerparkplatz eingerichtet.“
Geisterauto an Regensburger Friedhof: Fall ist seit Januar bekannt
Ganz so war es nicht, wie die Stadtverwaltung damals mitteilte. Der Fall sei seit Januar bekannt. Das Problem: Der Wagen stammt aus Polen. Und der Verkehrsüberwachungsdienst der Stadt kann keine Halterdaten von ausländischen Behörden erhalten. Also wandte sich die Verwaltung an die Polizeiinspektion Regensburg Süd. Die Beamten ermittelten – mit Erfolg. Im Sommer stand die Halteradresse fest. „Nun kann ein Ordnungswidrigkeitenverfahren eingeleitet werden“, sagte Stadtsprecherin Juliane von Roenne-Styra im Sommer. Das hieß allerdings noch lange nicht, dass das Auto auch abgeschleppt wird. „Solange das Auto die öffentliche Sicherheit nicht gefährdet, muss man dem Halter Zeit geben, sein Eigentum abzuholen“, sagte von Roenne-Styra damals. „So unschön das ist.“
Tja, unschön fand das MZ-Leser Karl Gschwendner durchaus. Sehr unschön sogar. Er hakte nach – mehrfach. Mit den Antworten war er nicht zufrieden. „Mein Eindruck ist, dass die zuständigen Behörden mauern und abwimmeln.“ Gerade an Allerheiligen hätte es diesen Parkplatz unweit des Friedhofs gebraucht, argumentiert Gschwendner und wandte sich kurz nach Allerheiligen erneut an die MZ. Das scheint wieder etwas Bewegung in die Sache gebracht zu haben. Denn vergangenen Freitag stellte Gschwendner fest: Das Auto ist endlich weg!
Das Geisterauto vom Regensburger Friedhof: Wagen sollte nach Usbekistan verkauft werden
Stadtsprecherin von Roenne-Styra erläutert: „Der Halter legte einen Kaufvertrag vor, der den Verkauf des Fahrzeuges im Herbst 2023 an einen Käufer in Usbekistan dokumentiert.“ Dessen Adresse sei allerdings nicht ermittelbar gewesen. Mitte September waren die Kennzeichen weg, das Umweltamt übernahm den Fall. Kurz darauf wurde ein roter Punkt an dem Fahrzeug angebracht. Dieser fordert den Halter dazu auf, den Wagen zu entfernen. Erst wenn dieser rote Punkt mindestens einen Monat hängt, darf die Stadt das Auto entfernen. Am 24. Oktober kontrollierte das Umweltamt das Fahrzeug erneut. Es stand da, wo es schon die vergangenen elf Monate stand. Daraufhin entschied sich das Amt dazu, das Auto zu entfernen. Das ist nun geschehen.
Das Geisterauto vom Friedhof ist kein Einzelfall, sagt von Roenne-Styra: „Pro Jahr kommt es etwa in zehn bis 15 Fällen zu einer längeren Bearbeitungszeit aufgrund aufwendiger Eigentümerermittlung.“
Gschwendner hat seinen Humor indes nicht verloren: „Es erstaunt, dass die städtischen Behörden nach elf Monaten doch so schnell und konsequent handelten.“