Parkhaus am Unteren Wöhrd in Regensburg: 2024 geht’s los

Die Stellplätze am Alten Eisstadion in Regensburg sind ab Juli nicht mehr kostenlos. Das Stadtwerk baut dort das Parkhaus für die Mobilitätsdrehscheibe – und führt vorab eine „Tarifstruktur“ ein. Der Verkehrsclub Deutschland kritisiert, es drohe Steuergeldverschwendung.
Drei Ladesäulen für Elektroautos sind am Parkplatz am Alten Eisstadion schon in Betrieb und auch die abschließbaren Fahrradboxen sind schon da, allerdings noch hinter einem Bauzaun. Es sind erste Vorboten der Mobilitätsdrehscheibe. Jetzt soll auch die Realisierung des Parkhauses Fahrt aufnehmen.
Das Stadtwerk solle Anfang Juni den Auftrag vergeben, heißt es in der Beschlussvorlage für die Sitzung des Planungsausschusses an diesem Mittwoch. Im zweiten Halbjahr solle die Baustelle eingerichtet werden für die Anlage, die in der Basisvariante 1000 bis 1100 Parkplätze bieten soll statt der aktuell vorhandenen 767 – und statt der einmal vorgesehenen 1400. Im ersten Halbjahr 2026 soll sie in Betrieb gehen, 2023 war noch vom ersten Quartal die Rede. Kosten soll die Drehscheibe höchstens 19 Millionen Euro.
Mehrere Monate später als geplant kommt der Probebetrieb. Eigentlich wollte die Stadt 2023 das Parken ohne Ticket abschaffen, um auszutesten, „wie sich die Zahlungsbereitschaft und das geänderte Nutzungsverhalten am Unteren Wöhrd bei einer Bewirtschaftung der Parkfläche entwickelt“. Nun ist geplant, dass im Juli circa 75 Bewohnerparkplätze und die „Tarifstruktur“ kommen. Die Tagestickets sollen zwei Euro kosten. Wegen der Baustelle verkleinert sich jedoch die dann kostenpflichtige Parkfläche, zunächst auf 410 Parkplätze.
Wolfgang Bogie, Kreischef des ökologisch orientierten Verkehrsclubs Deutschland, bemängelt vor diesem Hintergrund, der Bedarf für das Projekt sei „nicht nachhaltig geprüft“. „Es ist unwahrscheinlich, wie hier mit Steuergeldern umgegangen wird und ich erwarte auch, dass eine Aufsichtsbehörde auf die Stelle kuckt“, sagt er. Am Galgenberg stehe schon ein Parkhaus größtenteils leer. Überhaupt seien Park-und-Ride-Anlagen in der vom Verkehr stark belasteten Stadt „falsch aufgehoben“: Er wünsche sich ein Angebot wie in München-Fröttmaning am Lappersdorfer Kreisel.
Altstadt-Unternehmer freuen sich über zusätzliche Parkplätze
Die Vertreter der Unternehmer in der Altstadt halten das Parkhaus dagegen für nötig. Maria Müller, Geschäftsführerin von Faszination Altstadt, sagt: „Wir freuen uns natürlich, dass es da jetzt weitergeht.“ Die Stadt wachse, der Verkehr nehme zu, der öffentliche Nahverkehr sei aber an der Grenze. Deshalb brauche es Angebote, wie die Menschen die Altstadt mit dem Auto erreichen könnten. Die Mobilitätsdrehscheibe sei „ein Baustein“. Allerdings müssten sich die Verantwortlichen noch Gedanken machen über die Tarifstruktur. Müller fordert: „Das Arbeiten in der Altstadt darf für die Menschen nicht teurer werden.“ Auch zwei Euro am Tag seien zu viel für Menschen, die frühmorgens keinen Bus nehmen könnten und nur Mindestlohn bekämen. Nötig sei auch ein kostenloser Shuttlebus in die Stadt für alle Nutzer der Drehscheibe. Generell hofft Müller, dass das Projekt „auch endlich realisiert wird“. Auch Armin Gebhard, Vorsitzender der Regensburger Kaufleute, pocht auf eine Fertigstellung bis Mitte 2026. „Die Regensburger Kaufleute freuen sich darauf“, teilt er mit, und äußert Bedenken: Die Evaluierung der Zahlungsbereitschaft sei „unnütz“, auch seien die Kaufleute gespannt, ob sich ein Bauunternehmen finde.
SPD-Fraktionschef Thomas Burger nennt den Zwischenstand dagegen „erfreulich“. Die Mobilitätsdrehscheibe zähle zu den wichtigen Verkehrsprojekten derzeit. Sie bringe Autoverkehr raus aus der Innenstadt, entlaste den öffentlichen Raum vom ruhenden Verkehr und sei ein „Schnittpunkt“ für Mobilitätsangebote. Weniger begeistert klingt CSU-Fraktionschef Michael Lehner. Dabei hatte die CSU immer wieder darauf verwiesen, dass die weitere Verkehrsberuhigung in der Altstadt abhänge vom Bau des Parkhauses am Unteren Wöhrd. Jetzt sagt Lehner: „Gute Sache. Aber wir hoffen wirklich und achten sehr darauf, dass der finanzielle Rahmen eingehalten wird.“
Grüne: Mobilitätsdrehscheibe ist „nicht sinnvoll“
Für nötig hält Brücke-Fraktionschef Joachim Wolbergs die Mobilitätsdrehscheibe. Er nennt es aber „sehr verwunderlich“, „dass es von der ersten Idee bis zur Realisierung zehn Jahre dauert“. Außerdem würden damit „zu wenig Parkplätze“ geschaffen. Aus Sicht der Grünen ist das Projekt dagegen „nicht sinnvoll“, wie Fraktionschefin Maria Simon sagt. Sie wollten lieber das Parken am Stadtrand ermöglichen. Da gebe es genügend Kapazitäten, auch im Norden. „Wir haben diese Fläche beim Walhalla-Bahnhof. Vielleicht sollten wir uns darauf konzentrieren.“
Sofortmaßnahmen
Ziel: Die Stadt will am Unteren Wöhrd ein Paket an Service- und Mobilitätsangeboten bereitstellen.
Bausteine: Eine Fahrrad-Reparaturstation und zehn Fahrradboxen stehen schon, ebenso drei Ladesäulen für E-Fahrzeuge. Von der Stadt zudem angekündigt sind Flächen für E-Scooter- und Fahrrad-Sharing sowie eine Fahrradabstellanlage mit Dach und Beleuchtung.