Noch mehr Leihfahrzeuge in Regensburg: Braucht’s das?

E-Scooter-Verleiher Tier setzt in Regensburg jetzt auch auf Pedelecs. Damit stehen noch mehr Gefährte herum. Denn die geplanten Abstellzonen gibt es noch nicht.
Der Regensburger Shpend Xhema (24) hat die Wahl an diesem Morgen. Etliche Leihfahrzeuge stehen am Bahnhof, in der Abstellfläche der Bahn und darum herum: Neben den bekannten Lastenrädern und E-Scootern auch die grünen Pedelecs des Verleihers Tier. Der junge Unternehmer entscheidet sich für den Weg zum nächsten Termin für den Scooter – weil er da nicht treten müsse. „Es kommt nicht seriös rüber, wenn ich als Geschäftsmann verschwitzt irgendwo ankomme“, sagt er.
Tier setzt darauf, dass auch seine Pedelecs gefragt sind. Am 24. April teilte das Unternehmen mit, sein Angebot in Regensburg mit Fahrrädern mit Elektromotor zu ergänzen. In der vergangenen Woche waren bereits 230 Räder im Umlauf. Damit steigt die Zahl der kleinen Leihfahrzeuge in der Stadt deutlich. Die Firmen Tier, Lime, Zeus, Yoio und Superpedestrian bieten nach Angaben der Stadt insgesamt rund 1200 Scooter an. Das Regensburger Unternehmen Feine Räder verleiht laut Geschäftsführer Ulrich Schmack circa 110 Lastenräder, 20 Pedelecs und 20 Fahrräder ohne Motor. Diese „Donau Donkeys“ stehen, anders als die Fahrzeuge der anderen Anbieter, an festen Standorten.
Abstellflächen fehlen noch
Über die E-Scooter gibt es immer wieder Beschwerden. Dabei geht es vor allem darum, dass sie Fußgänger behindern: etwa, weil sie Gehwege einengen, vor Hauseingängen stehen oder herumliegen. So schrieb es die Stadt selbst in einer Beschlussvorlage, mit der sie sich vom Stadtplanungsausschuss des Stadtrats die Zustimmung für feste Abstellzonen in der Innenstadt einholte. Angekündigt war die Umsetzung des Konzepts ab 2023. Noch allerdings gibt es die Abstellflächen nicht, wie auch Klaus Steiner, Vorsitzender des Seniorenbeirats, bemängelt.
Zum Thema Leihfahrzeuge sagt Steiner: „Ich glaube, es wird langsam zu viel. Jetzt stehen die Fahrräder auch noch rum.“ Auch der Seniorenbeirat höre immer wieder Beschwerden, dass Gehwege blockiert würden. „Leute mit Rollator müssen teilweise den Gehweg verlassen.“ Außerdem sei es riskant, wenn Ungeübte sich ein Pedelec ausleihen. „E-Bike fahren musst du können. Sonst kommt es zu Unfällen.“ Steiner kündigt an, der Seniorenbeirat ernenne in Kürze einen Fußgängerbeauftragten. Er solle sich schwerpunktmäßig darum kümmern, „dass die Innenstadt nicht überfrachtet wird“.
Wolfgang Bogie, Kreischef des ökologisch orientierten Verkehrsclubs Deutschland, sieht das neue Angebot dagegen positiv. „Für mich ist das ein Baustein der Verkehrswende.“ Zum öffentlichen Nahverkehr gehöre auch, dass die Bürger zum Beispiel an einem Bahnhof, aber auch anderswo in der Stadt, einfach an Leihfahrzeuge kommen. Dass die Tier-Räder in der Stadt herumstehen, habe der Stadtrat verschuldet. Schließlich sei ein städtisches Projekt mit festen Stationen geplant gewesen, das er schließlich wegen der hohen Kosten abgelehnt habe.
Räder für längere Strecken
Eine Sprecherin des Unternehmens Tier erklärt, es setze auch auf Räder, weil Pedelecs und Scooter sich in ihrer Anwendung unterschieden. „E-Scooter werden von unseren Nutzerinnen und Nutzern hauptsächlich für kürzere Strecken verwendet, die E-Bikes dagegen für längere Fahrten.“ Die durchschnittliche Scooter-Fahrtstrecke sei 1,8 Kilometer lang, die Durchschnitts-Radstrecke bereits jetzt 2,5 Kilometer. Zwischen 24. und 30. April hätten rund 500 Nutzer etwa 1000 Radfahrten absolviert.
Feine-Räder-Chef Schmack bezweifelt, dass die Nachfrage nach den Tier-Rädern groß wird. Mit aktuell 15,60 Euro in der ersten Stunde und 29,99 für 300 Minuten im Monat sei die Leihgebühr zu hoch dafür. Er könne seine Räder mit E-Motor für 3,60 Euro in der ersten Stunde und zehn Euro für 600 Minuten vermieten, weil die Stadt das bezuschusst – so wie andere Kommunen auch. Er hält es für wichtig, „dass das als Teil der ÖPNV gesehen und unterstützt wird“.
Die Stadt äußert sich aktuell nicht zu der Frage, ob die Zahl an Leihfahrzeugen weiter wachsen soll, sondern verweist auf einen Bericht im Stadtrat zum Thema am 15. Mai. Eindämmen will sie das Angebot jedenfalls nicht. Stadtsprecherin Katrin Butz sagt: „Wenngleich es es immer wieder einmal berechtigte Beschwerden gibt und das unsachgemäße der Scooter tatsächlich ein Ärgernis ist, sieht die Verwaltung keinen akuten Handlungsbedarf über das Stellflächenkonzept in der Innenstadt hinaus.“ Eingeführt werden sollen die Abstellflächen ab Juni.
Die Regeln
Parkverbote: Aktuell gelten für die Sharing-Fahrzeuge von Tier, Lime, Zeus, Yoio und Superpedestrian folgende Parkverbote: in allen öffentlichen Grünflächen, Kleingartenanlagen und Parks, auf Friedhöfen, in Feuerwehrzufahrten, an gekennzeichneten Fahrradabstellanlagen (trifft nur auf die Scooter zu) und Motorradstellplätzen, im Halteverbot,in Wartezonen von Bushaltestellen, auf Gehwegen mit einer Breite von weniger als 1,50 Metern und in verkehrsberuhigten Bereichen sowie in verschiedenen Altstadtbereichen.
Ausnahme: Für die Donau-Donkeys-Räder bestehen bereits Sondernutzungserlaubnisse.