Kumpfmühler Schildkröte ist der Hingucker: Wie es mit dem Tier weitergeht, ist aber unklar

Die Besucher des Karl-Freitag-Parks werden durch das Tier gut unterhalten. Dass es aber überhaupt nun in dem Teich lebt, macht einen Experten wütend.
Es ist die große Schau im Karl-Freitag-Park in Kumpfmühl. Die Sonne knallt vom Himmel – und auf einem Stein im kleinen Teich der Parkanlage wärmt sich eine große Schildkröte auf. Stundenlang. Fast regungslos. Nur ab und an dreht sie mal ihren Kopf hin und her. „Ein Wahnsinn“, ruft ein Kind mit freudigem Juchzen.
Die ersten paar Sommertage rund um den Maifeiertag hatten es diese Woche in sich. Bei strahlend-schönem Wetter zog es die Menschen ins Grüne. Auch im Karl-Freitag-Park war natürlich viel los – zumal es hier eine besondere Attraktion gab.
Faszinierende Natur
Linda und Magdalena schleichen sich langsam durchs Schilf an den Teich. Die beiden Mädchen wollen der Schildkröte, die gerade wieder völlig entspannt ein Sonnenbad nimmt, ganz nah sein. Lindas Oma beobachtet das Ganze aus der Ferne. „Es ist wunderschön zu sehen, wie faszinierend die Natur vor Ort auf Kinder wirken kann“, sagt sie.
In der Tat. Am Teich ist nun reger Betrieb. Eine Familie macht eigens ein Picknick, um die Schildkröte in Ruhe beobachten zu können. Ein Mädchen und ihre Schwester jubeln über „Schildkröti“, wie sie sie nennen. Und später, als am frühen Abend die Sonne langsam untergeht, verfolgen drei Jungs gespannt, wie sich die Schildkröte wieder in den Schutz der Pflanzen zurückzieht.
Auch im Regen gab es zuletzt eine Schildkröte. Lesen Sie hier einen Bericht dazu
Bei den Parkbesuchern sorgt das Tier für Unterhaltung. Dass dieses überhaupt hier im Teich ist, macht Tom Aumer allerdings richtiggehend wütend. Er ist ein Tierexperte und unter anderem Regensburger Kreisvorsitzender im Landesbund für Vogelschutz. In freier Natur sollte es in Deutschland eigentlich nur die relativ kleine Sumpfschildkröte geben, sagt er. Allerdings würden immer wieder andere Arten ausgesetzt werden. Vermutlich auch das Tier in Kumpfmühl. Dieses sei mit großer Wahrscheinlichkeit eine Gelbwangen-Schmuckschildkröte.
Tiere können sehr alt werden
Diese werde oft privat gehalten. Manchmal werde dabei aber unterschätzt, wie groß und wie alt – teilweise bis zu 50 Jahre – die Tiere werden. Und dann passiere so etwas, wie nun vermutlich auch in Kumpfmühl: „Sie ist einfach ausgesetzt worden, da bin ich mir eigentlich sicher. Und so etwas ist natürlich unverantwortlich. Die Tiere werden angeschafft und dann einfach entsorgt“, sagt Aumer.
Für das betroffene Öko-System sei das alles andere als lustig, erklärt Aumer. Schildkröten dieser Art seien„grundsätzlich ein Konkurrent für alle heimischen Tiere. Sie haben für unser Artensystem hier keinen Mehrwert“. Als Fleischfresser ernähre sie sich „quasi von allem, was hier kreucht und fleucht, und natürlich ist es nicht gut, wenn ein ausgesetztes Tier hier zum Beispiel die Kaulquappen aus dem Teich herausfrisst“.
Der natürliche Lebensraum der Gelbwangen-Schildkröten liegt in Amerika. Die Tiere, die in den internationalen Handel kommen, stammen zumeist aus Zuchtfarmen. Mit den klimatischen Verhältnissen in Europa kommen sie manchmal recht gut zurecht.
Es drohen hohe Geldstrafen
Ob sich nun möglicherweise Tierschutz-Organisationen um den Fall in Kumpfmühl kümmern werden, ist noch nicht bekannt. Die Stadt Regensburg teilt mit, dass im Westbadweiher zum Beispiel seit Jahren eine Schildkröte lebt. Auch die Schildkröte im Karl-Freitag-Park sei der Stadtverwaltung bekannt. Es würden aber keine Informationen dazu vorliegen, ob das Tier ausgesetzt wurde oder nicht. Grundsätzlich gelte aber natürlich, dass dies verboten wäre. Dies sei auch alles andere als ein Kavaliersdelikt. Es gebe dafür empfindliche Geld- oder – in schweren Fällen – sogar auch Freiheitsstrafen.
Ihre öffentlichen Sonnenbad-Vorführungen hat die Kumpfmühler Schildkröte am Freitag übrigens vorerst wieder eingestellt. Das Wetter war hier zu schlecht.