Paukenschlag: Regensburg streicht Craft-Bier-Festival und Weinfest auf dem Neupfarrplatz

Von Heike Haala, Micha Matthes · 3. Mai 2024 um 12:44

Fans von Freiluftfeten in der Altstadt müssen jetzt ganz stark sein: In diesem Jahr wird es weder das Craft-Bier-Festival noch das Weinfest auf dem Neupfarrplatz geben. Stattdessen teilen der Organisator beider Events und die Verwaltung ordentlich gegeneinander aus.

Dabei hatten die Veranstaltungen die Besucher zuletzt in Scharen angelockt. Zudem hatte Benedikt Friedrich, Geschäftsführer bei der veranstaltenden Lautlicht GmbH, beide Events bereits terminiert: Von 30. Mai bis 1. Juni, also bereits in wenigen Wochen, hätte das Craft-Bier-Festival in seine achte Auflage gehen sollen. Das Weinfest auf dem Neupfarrplatz hätte 14 Tage später zum dritten Mal über die Bühne gehen sollen. Jetzt spricht Friedrich davon, beide Feste an diesen Tagen im Kaufpark in Neutraubling abfeiern zu wollen.

Parteien im Clinch

Was ist passiert? Vergangene Woche beklagte sich Friedrich im Gespräch mit unserer Zeitung über die in seinen Augen zähen Genehmigungsverfahren bei der Stadt: Lautlicht habe seinen Angaben zufolge bereits im vergangenen September für das Weinfest in diesem Juni angefragt. Erst im März seien Rückfragen der Stadt zu kleineren Themen gekommen. Die offizielle Genehmigung stehe immer noch aus, monierte er. „Das wird superknapp für uns“, sagte Friedrich.

Auf Nachfrage bei der Stadt hört sich das ganz anders an. Die für die Platzvergabe zuständige Marktabteilung habe bereits am 17. Juli 2023 die unverbindliche Platzvormerkung bestätigt, sagt Katrin Butz von der Pressestelle der Stadt. Im Dezember 2023 seien dann die Konzepte für die Events eingereicht worden. Dann habe die Stadt der Veranstalterin mit einem Schreiben vom 26. Februar 2024 mitgeteilt, dass sie den Antrag auf Zulassung am Neupfarrplatz voraussichtlich ablehnen werde. „Da sich aus den fristgerecht eingegangenen Äußerungen der Veranstalterin keine anderen Erkenntnisse ergeben haben, wurde ihr am 26. März 2024 ein Ablehnungsbescheid zugestellt“, sagt Butz. Dieser sei nach Ablauf der Klagefrist mittlerweile auch rechtskräftig.

Friedrichs Vorwurf, dass das Genehmigungsverfahren zäh sein soll, weißt Butz als haltlos zurück und kontert: „Wie bereits bekannt und auch der Veranstalterin mehrmals mitgeteilt, wurde das letztjährige Genehmigungsverfahren deshalb so langwierig, da die Unterlagen oft mehrmals nachgebessert werden mussten oder zum Teil nicht vollständig waren.“ Butz beklagt, dass der Lageplan noch am Tag vor dem Fest verändert oder Standbetreiber nachgemeldet worden seien. „Dass das Genehmigungsverfahren für die Veranstaltung langwierig war, liegt somit nicht in unserem Verantwortungsbereich“, schickt Butz die Retourkutsche auf den Weg.

„Unzählige Vertröstungen“

Darauf angesprochen bestätigt Friedrich die Absage der Stadt. „Diese lange Wartezeit ist für uns bis heute nicht erklärbar“, ärgert er sich. Rund zehn Mal habe er im Januar schriftlich und telefonisch nachgefragt, es sei zu unzähligen Vertröstungen gekommen, irgendwann auch zu einer Aufforderung zu einer Stellungnahme und dann zur Absage.

„In Neutraubling wurden wir bisher mit offenen Armen empfangen“, sagt er. Auch ein Plakat für das Fest der Braukunst und das Weinfest schickt er mit. Harald Stadler (FW), Bürgermeister von Neutraubling, bestätigt, dass sich der Veranstalter dieser beiden Feste vorgestellt hat. „Wir haben nichts dagegen. Die Veranstaltung ist nicht genehmigungspflichtig und muss nur angezeigt werden. Wir wissen damit Bescheid“, sagt er.

In der Regensburger Verwaltung scheint sich deswegen kein Abschiedsschmerz breit zu machen. Auf die Option angesprochen, dass die Veranstalter die Feste in Zukunft woanders steigen lassen könnten, antwortet Butz: „Das steht ihnen aufgrund ihrer Berufsfreiheit selbstverständlich frei.“ Auch Maria Müller, Geschäftsführerin bei Faszination Altstadt, sagt, dass sich ihr Verein zwar als Altstadtgemeinschaft für qualitativ hochwertige und nachhaltige Veranstaltungskultur in der Altstadt einsetze. Die Entscheidung der Stadtverwaltung, für das diesjährige Craft-Bier-Festival und das Weinfest am Neupfarrplatz keine Genehmigung zu erteilen, spiegle dennoch ein gemeinsames Ziel wieder: Sie nennt die Verbesserung der Lebens- und Geschäftsqualität in der historischen Altstadt. Friedrich hingegen ist einer Rückkehr nach Regensburg nicht abgeneigt. „Gerne würden wir als gebürtige Regensburger die Veranstaltungen im kommenden Jahr wieder in der Stadt Regensburg veranstalten, aber dafür braucht man am Ende Planungssicherheit“, sagt er.

Streit mit Nebenschauplatz

Es gibt aber auch noch einen anderen Schauplatz bei diesem Konflikt: Stadtamhof. Vergangene Woche zeigte sich Friedrich im Gespräch mit unserer Zeitung erstaunt darüber, dass die Bayern Event GmbH zuletzt positive Signale aus dem Rathaus für ihr Vorhaben bekam, das Weinfest in Stadtamhof wieder aufleben zu lassen. „Ich muss schon sagen, dass wir verwundert waren“, merkte er an. „Wir hatten in den vergangenen Jahren ebenfalls überlegt, mit der Veranstaltung nach Stadtamhof zu gehen. Die Antwort der Stadt lautete da aber, dass das nicht gehe, weil es dort zu eng sei.“ Auch dem widerspricht Butz von der städtischen Pressestelle: Die Veranstalterin des letztjährigen Weinfestes auf dem Neupfarrplatz habe bislang keinen Antrag für ein Weinfest in Stadtamhof gestellt. „Die Aussage, dass Stadtamhof zu eng für ein Weinfest sei, kann seitens der Stadtverwaltung nicht nachvollzogen werden“, antwortet sie. Müller von Faszination Altstadt sagt, die Neubelebung des traditionellen Weinfests in Stadtamhof zu unterstützen.

Wann und wo steigt welches Fest?

Neutraubling: Von 30. Mai bis 1. Juni wird das Fest der Braukunst am Kaufpark in Neutraubling dauern. Diese Veranstaltung ist der Ersatz für das gestrichene Craft-Bier-Festival auf dem Neupfarrplatz.

Neutraubling: Am 14. und 15. Juni soll auch das Weinfest der Lautlicht GmbH am Neutraublinger Kaufpark steigen. Auch diese Veranstaltung ist vom Neupfarrplatz in Regensburg umgesiedelt.

Stadtamhof: Davon abgesehen soll das Weinfest in Stadtamhof in diesem Jahr erstmals seit 2019 wieder stattfinden. Die Bayern Event GmbH plant diese Veranstaltung von 20. bis 22. September.