Aus dem Kaufhof wird ein Ort der Begegnung – nur leider nicht in Regensburg

Von Christian Eckl · 18. März 2025 um 05:00

Die Stadt Hanau in Hessen kaufte das Gebäude für 25 Millionen Euro und muss noch 40 Millionen Euro in die Sanierung stecken. Doch der dortige Oberbürgermeister wollte einen Leerstand in so wichtiger Innenstadtlage verhindern. Die Stadträte in Regensburg winkten hingegen ab.

Feierliche Eröffnung, jede Menge Besucher – und das, obwohl nur das Erdgeschoss des früheren Kaufhof-Gebäudes wiedereröffnet wurde. Flankiert von einer euphorischen Pressemitteilung der Stadt unter der Überschrift: „Vom Warenhaus zum Ort der Begegnung“. Der Stadtrat hat beschlossen, das markante Gebäude in der Innenstadt zu kaufen, dafür Millionen in die Hand genommen – die Entwicklung des einst wichtigen Handelsstandorts im Stadtkern aber an ein Unternehmen vergeben. Der Ort des Geschehens ist allerdings nicht Regensburg. Sondern Hanau. Die Stadt in Hessen traute sich – Regensburg nicht.

In Hanau nämlich entschieden die Stadträte und der Oberbürgermeister schon sehr schnell, dass man das Heft des Handelns nicht aus der Hand geben würde. „Nachdem die Schließung des Warenhauses im Frühjahr 2023 bekannt gegeben wurde, herrschte in Hanau große Einigkeit darüber, dass man die Immobilie so schnell wie möglich erwerben möchte, um die Entwicklung an dieser für die Innenstadt so markanten und wichtigen Stelle in den eigenen Händen zu halten“, teilte Thomas Nawrath mit. Er ist Sprecher der Unternehmungen der Stadt Hanau. Oberbürgermeister Claus Kaminsky sagte damals am Tag der Bekanntgabe: „Der Plan der Stadt Hanau heißt nun, das Haus in der Innenstadt zu übernehmen, ins Eigentum zu kommen.“

Käufer ist Taxifahrer

In Regensburg stellte sich die Sache allerdings auch komplizierter dar. Wer genau das Gebäude am Neupfarrplatz gekauft hat, ob der Käufer tatsächlich ein Islamisches Shopping- und Kulturzentrum eröffnen möchte – das ist völlig offen. „Wie sich das Gebäude in Hanau vom Gebäude Neupfarrplatz 8 unterscheidet, ist für uns in Regensburg im Ergebnis unerheblich“, antwortet die Regensburger Stadtsprecherin Juliane von Roenne-Styra auf die Frage hin, ob man es nicht genauso hätte machen können wie die Hanauer. „An Spekulationen, wie lange das Gebäude am Neupfarrplatz leerstehen wird, beteiligt sich die Stadt nicht“, heißt es weiter.

Dass es jedoch ein „längerfristiges Projekt ist, den Standort nach der Schließung des Kaufhauses neu zu entwickeln, hat die Stadtspitze schon bei verschiedenen öffentlichen Terminen gesagt“, so die Stadtsprecherin. Klare Zielsetzung bleibe, die möglichst baldige Zwischen- und Nachnutzung. „Das liegt aber vordringlich im Verantwortungsbereich der Eigentümer und Besitzer der Gesamtimmobilie.“

Mit dem sei man weiter in Kontakt – nämlich über einen Anwalt, der sowohl den alten Eigentümer, die Kaufhof Regensburg GmbH, als auch den angeblich neuen Eigentümer aus Tel Aviv vertritt. Seltsam ist, dass in dem Kaufvertrag ein Rücktrittsrecht dokumentiert ist. Ob es tatsächlich zur Übertragung von 89,9 Prozent des Gebäudes kommt, ist offen. Das dort geltende Erbpachtrecht wurde nicht verkauft.

Erbpacht belastet Eigentum

Stadträte von Fraktionen, die gegen das Vorkaufsrecht gestimmt haben, verteidigen das auch heute noch – unter anderem wegen des Erbpachtvertrags, der noch einige Jahre läuft und jährlich Kosten von 600.000 Euro verursachen würde. Das Problem sei auch die fragwürdige Eigentümerstruktur hinter der Immobilie gewesen. Aber ein Fraktionschef räumte auch ein: „Die Nummer mit dem Kaufhof war uns ein bisschen zu groß.“

Die relevanten Informationen bekamen die Regensburger Stadträte in nichtöffentlicher Sitzung. Denen zufolge soll der Kaufpreis für den Kaufhof bei 33 Millionen Euro plus Nebenkosten gelegen haben. Insgesamt lag der mutmaßlich bezahlte Kaufpreis bei etwa 38 Millionen Euro. Eine Mehrheit des Stadtrates sah das als völlig überteuert an. Der Gutachterausschuss der Stadt legte als Verkehrswert der Immobilie sogar nur einen Preis von 4,3 Millionen Euro vor – denn allein der Abriss des Gebäudes würde 20 Millionen Euro kosten. Die größte Sorge jener Fraktionen, die gegen das Vorkaufsrecht stimmten: Der neue Eigentümer ist Taxifahrer in Tel Aviv. Er könnte jedenfalls, so die Befürchtung einer Mehrheit im Stadtrat, ein Strohmann sein. Würde man also dem zwischenzeitlich inhaftierten Ex-Kaufhaus-Besitzer René Benko Millionen Steuergelder hinterherwerfen, weil ihm die Immobilie noch über Strohmänner gehört?

Sicher ist: Die Hanauer hatten es da viel leichter. Denn die Eigentumsverhältnisse waren geklärt. Trotzdem unterscheiden sich die Summen, um die es ging, wenig. So zahlte man in Hanau 25 Millionen Euro aus dem Stadtsäckel an die bisherigen Eigentümer. Weitere 40 Millionen Euro sind für die Sanierung vorgesehen. Ab 2027 sollen auf allen Etagen Nutzungen untergebracht sein. Sogar Fördermittel von Bund und Land bekam man.

Der dortige OB begründete den Kauf damit, dass man nicht einfach zusehen könne, was durch einen Leerstand mit der Innenstadt passiere. „Wir nehmen unsere Verantwortung für die Innenstadt wahr.“

Die Eröffnung des ersten Stockwerks des Stadthofs.
Anders als in Hanau steht der Kaufhof in Regensburg leer. F.: Eckl