Prägende Erinnerung: So erlebten Regensburger Mediziner und ein Gastronom den ersten Lockdown

Sie erinnern sich an lange Arbeitstage, Zukunftssorgen und Existenzangst – aber auch an ganz viel Zusammenhalt und Unterstützung untereinander. Zwei Regensburger Mediziner und ein Gastronom blicken auf den ersten Corona-Lockdown vor fünf Jahren zurück.
Kurz vor dem ersten Lockdown gab es für Richard Leberle noch Grund zu feiern. „Ich bin 40 geworden – und unser Sohn hatte Taufe“, sagt er. Obwohl Freunde und Familie schon vor der offiziellen Ausgangssperre nur noch in sehr kleinem Kreis zusammengekommen seien, sind das mitunter die letzten prägenden Erinnerungen für den Mediziner, bevor am 16. März 2020 die erste Ausgangssperre beschlossen wurde, die am 22. März in Kraft getreten ist. „Mir war früh klar: Das, was wir da erleben, passiert vielleicht einmal in 100 Jahren“, sagt er.
Leberle befand sich damals in der Ausbildung zum Arbeitsmediziner am Universitätsklinikum Regensburg. Nebenberuflich war er bereits in Projekte wie das Corona-Testzentrum am Dultplatz involviert. Daraus entstand schließlich ein Vollzeitjob: Leberle wurde ärztlicher Leiter des ebenfalls am Dultplatz hochgezogenen Impfzentrums. „Das waren einschneidende Jahre meines Lebens“, sagt er rückblickend über die Corona-Zeit.
Corona-Lockdown: Begleitschutz für erste Impfdosen
Noch sehr genau erinnert sich Leberle daran, wie die ersten Dosen des neuen Impfstoffs mit Blaulicht und Begleitschutz ans Uniklinikum gebracht wurden. Sie gingen an das Personal in der Notaufnahme. Gegen Ende des Jahres konnte das Impfzentrum seine Arbeit mit mobilen Einsätzen in Pflege- und Altenheimen aufnehmen. „Wie wir dort empfangen wurden, war sehr eindrücklich. Die Herren kamen im feinen Zwirn und die Damen hatten ihre schönsten Blusen herausgeholt. Auch an Silvester waren wir bis 22 Uhr unterwegs, um keine Restbestände zu verschwenden.“
Trotz 16-Stunden-Tagen blickt er positiv zurück. Im Gedächtnis geblieben ist ihm vor allem der Zusammenhalt aller Kräfte: Von der Oberbürgermeisterin, die zu jeder Zeit erreichbar gewesen sei, über die Stadtverwaltung bis hin zu den Einsatzkräften von Malteser und Johanniter, DLRG und THW, FFW und der Bundeswehr. „Man wusste, dass man sich aufeinander verlassen kann“, sagt er.
Gastronomie: Café-Betreiber verschenkt Lebensmittel
Auch an anderer Stelle sind die Erinnerungen an den ersten Lockdown bis heute präsent. „Wir haben die Pressekonferenz im Fernsehen im Café verfolgt“, sagt Karl von Jena, der mit seiner Frau Martina das „Anna liebt Brot und Kaffee“ in der Gesandtenstraße betreibt. „Als es hieß, dass wir von heute auf morgen zusperren, war der Schock riesig.“ Nachdem klar war, dass der Betrieb auf unbestimmte Zeit nicht weiterlaufen wird, habe er verderbliche Lebensmittel an Mitarbeiter verschenkt und zur Tafel gebracht.
Trotz geschlossenem Café trudelten in den kommenden Wochen weiterhin Rechnungen, etwa für Miete und bereits erfolgte Lieferungen, ein. Noch heute rührt es ihn deshalb, wenn er daran denkt, wie der Autohändler die Leasingrate erlassen oder der Steuerberater das nächste Honorar ausgesetzt hat. „Da waren wahnsinnige Existenzängste“, sagt er.
Als damaliger Sprecher der Regensburger Altstadtgastronomen im Deutschen Hotel- und Gaststättenverband bekam er aus erster Hand mit, wie auch seinen Kollegen der Lockdown zusetzte. Was jedoch in dieser Zeit auch entstanden sei, ist das gute Netzwerk unter ihnen, das es bis heute gibt. Durch Projekte wie „Gastfreundschaft hilft“, mit dem Bedürftige nach der plötzlichen Schließung des Strohhalms und der fürstlichen Notstandsküche weiterhin versorgt wurden, rückte die Szene näher zusammen. „Wir standen nicht mehr im Wettbewerb, sondern haben uns untereinander kennengelernt. Man hilft sich bis heute“, sagt von Jena.
Corona-Experte über Ausbruch: „Die Frage war nur, wann“
Nicht überraschend kam der erste Lockdown für den Corona-Experten Prof. Dr. Bernd Salzberger. „In der Klinik haben wir uns schon länger Gedanken gemacht“, sagt der ehemalige Leiter des Fachbereichs Infektiologie am Universitätsklinikum. „Dass es einen Ausbruch geben wird, war klar. Die Frage war nur, wann es so weit sein wird.“
Salzberger ist mittlerweile im Ruhestand. Noch genau erinnert er sich aber daran, wie eine Woche vor dem Lockdown der erste Covid-19-Patient ins Klinikum gekommen ist. „Es ging ihm nicht besonders schlecht, aber er war sehr infektiös.“ Kurz nach dem Beginn des Lockdowns ging es dann Schlag auf Schlag: Die Zahl der Corona-Patienten stieg, die ersten mussten auf der Intensivstation behandelt werden. Bald wurde eine zweite Intensivstation gebraucht. „Ich weiß noch, wie ich in diesen Tagen auf dem Weg zur Arbeit durch die menschenleere Stadt gefahren bin. Das war eine ganz merkwürdige Erfahrung“, sagt er.
Mangel an Schutzkleidung beschäftigte Uniklinikum
In der Klinik sei die Stimmung zu dieser Zeit angespannt, aber positiv gewesen. „Was uns damals getroffen hat, war der Mangel an Schutzkleidung. Um genügend Masken zu bekommen, haben wir in der ganzen Welt herumtelefoniert.“ Ausgezahlt habe sich, dass bereits im Januar Arbeitskreise mit allen Berufsgruppen eingerichtet worden waren, um sich vorzubereiten. „Dinge wie das Anziehen der Schutzkleidung, bevor man ins Patientenzimmer geht, muss man vorher einmal geübt haben“, sagt Salzberger. „Für die gute Planung bin ich der Klinikleitung bis heute sehr dankbar.“

