Gefasoft: Wie sich ein Regensburger Unternehmen unabhängig von der Autoindustrie macht

„Das Gute ist, dass wir alles können“, sagt Andreas Fundeis über das Unternehmen, das er seit Mai 2024 leitet. Der 46-Jährige hat die Geschäftsführung des Automatisierungsspezialisten Gefasoft in unruhigen Zeiten übernommen: Weil die Autoindustrie schwächelt, muss er die Regensburger Firma umbauen. Der Mediengruppe Bayern erklärt er, wie das gelingt.
Das knallgelbe Schild fällt auf: „Ab hier nur mit Sicherheitsschuhen“. Was für die Mitarbeiter in der Fertigung des Automatisierungs-Spezialisten Gefasoft seit Jahren selbstverständlich ist, ist seit Anfang März nun auch für Besucher Pflicht. Andreas Fundeis, seit Mai 2024 Geschäftsführer, baut die Regensburger Firma mit ihren 180 Mitarbeitern aktuell zu einem modernen Industrieunternehmen um. Der 46-Jährige muss den Sondermaschinenbauer fit machen für eine Zeit, in der sich Firmen nicht mehr auf Aufträge aus der Autoindustrie verlassen können.
Letztere garantierte in den vergangenen Jahren auch Gefasoft ein solides Auftragspolster. Über 90 Prozent arbeiteten die Oberpfälzer für Autobauer und deren Zulieferer. In Regensburg war das besonders komfortabel: Mit Continental und Vitesco beziehungsweise Schaeffler haben zwei große Firmen aus dem Bereich wichtige Standorte in der Region.
Gefasoft in Regensburg: Nicht mehr nur Software
Für die Autoindustrie hat Gefasoft beispielsweise eine Anlage im Portfolio, mit der geprüft werden kann, ob Windschutzscheiben die für sogenannte Head-up-Displays notwendige Qualität aufweisen. „Da sind wir bei fast allen Glasherstellern gesetzt“, sagt Fundeis. Bei den Autobauern selbst kommen dann erneut Gefasoft-Prüfstände zum Einsatz: Nämlich dann, wenn die eingebauten Head-up-Display-Systeme getestet und kalibriert werden. Die Technik aus der Oberpfalz ist laut Fundeis bei allen gängigen Autoherstellern im Einsatz. „In dem Bereich sind wir Weltmarktführer.“
Hervorgegangen ist Gefasoft aus der Regensburger Niederlassung eines gleichnamigen Münchner Software-Unternehmens. Seit 1995 ist die Firma in Regensburg eigenständig. Zunächst war auch sie nur eine Software-Schmiede. Kunden haben aber bald gefragt, ob das Unternehmen nicht auch die passenden Maschinen liefern kann. Deshalb hat Gefasoft laut Fundeis heute einen entscheidenden Wettbewerbsvorteil: Von der Software bis zur fertigen Anlage – „Wir können alles selbst machen.“ Immer mit dem Ziel: Komplizierte Vorgänge in der Industrie zu automatisieren.
Standort in Nittendorf: Maschine für Siemens
Welche Maschinen dabei auch für Unternehmen abseits der Autoindustrie entstehen können, ist am Fertigungsstandort in Nittendorf im Kreis Regensburg zu sehen: Dort steht eine große Anlage, die demnächst an Siemens in Karlsruhe ausgeliefert werden soll. Sie prüft automatisiert USB-Sticks, beschriftet diese mit Laser und spielt die passenden Dateien – zum Beispiel Software-Lizenzen – auf.
Die Anlage vereint die drei Kernkompetenzen von Gefasoft – Automatisierung, Bildverarbeitung und Lasertechnik. „Dass ein Unternehmen diese wichtigen Technologien in so einer Tiefe beherrscht, ist ein Alleinstellungsmerkmal“, sagt Fundeis. Bevor der Wenzenbacher (Lkr. Regensburg) im vergangenem Mai in die Firma kam, war er mehrere Jahre bei der Starkstrom-Gerätebau GmbH in Regensburg, zuletzt als Geschäftsführer.
Die Basis dafür legte Fundeis mit seiner Ausbildung zum Industriemechaniker bei Siemens VDO in Regensburg, wo er danach auch noch mehrere Jahre arbeitete. Damals kam Fundeis zum ersten Mal in Kontakt mit Gefasoft. Er war für die Inbetriebnahme und Betreuung einer von dem Regensburger Unternehmen gelieferten Anlage zuständig. Später hatte er aber zunächst keine Berührungspunkte mit dem Sondermaschinenbauer mehr. Das änderte sich erst vor Kurzem: Die beiden Gefasoft-Gesellschafter und Geschäftsführer Harald Grünbauer und Michael Würsching suchten einen Nachfolger für die Leitung ihres Unternehmens – und Fundeis eine neue Herausforderung. „Das hat gepasst“, sagt der Familienvater.
Gefasoft: Vertrieb erst 2024 aufgebaut
Würsching und Grünbauer waren bis Ende des vergangenen Jahres weiterhin Co-Geschäftsführer neben Fundeis − beschränkten sich aber auf beratende Funktionen. „Es war von Anfang an klar, dass ich, wenn ich komme, sofort die operative Leitung übernehme“, blickt Fundeis auf die gelungene Übergabe zurück. Bereits bei seinem Start bei Gefasoft kriselte allerdings die Autoindustrie. Grünbauer habe ihn deshalb sogar gefragt, ob er sich die Leitung des Regensburger Unternehmens wirklich antun wolle. „Das ist eine Herausforderung. Das reizt mich“, antwortete Fundeis.
Ihm zufolge ist der Umbau des Unternehmens dann sehr geräuschlos vonstatten gegangen. Widerstände gab es weder von den Gesellschaftern noch aus der Belegschaft. Erstere hätten ihn schließlich geholt, damit er neue Impulse gebe, sagt Fundeis. „Und auch die Mitarbeiter haben sich nach Veränderung gesehnt.“ Teil der Neustrukturierung war unter anderem der Aufbau eines Vertriebs. Den gab es vorher wegen der guten Kontakte zur Autoindustrie nicht.
Energiebranche bei Gefasoft in Zukunft im Fokus
Nachdem in dem Bereich die Bestellungen nun ausbleiben, will man bei Gefasoft aktiv auf Unternehmen aus anderen Industriezweigen zugehen. Ein Beispiel: die Energiebranche. Hier spielt Fundeis sein Know-how aus seiner früheren Tätigkeit als Geschäftsführer in die Karten: „Ich weiß, wie man Transformatoren baut und ich weiß, wie man da automatisieren kann.“ Außerdem stünden ab sofort kleinere Unternehmen im Fokus von Gefasoft, sagt Fundeis. Schließlich hätten sich viele davon noch nie mit dem Thema Automatisierung befasst. „Aber das müsse sie, sonst kommen sie nach und nach unter die Räder“, ist der Firmenchef überzeugt. Neben der aktiven Aquise, will Fundeis Gefasoft aber auch insgesamt bekannter machen. Dafür hat er eine neue Stelle geschaffen: Demnächst wird erstmals ein Marketing-Manager eingestellt.
Für die Zukunft ist Firmenchef deshalb optimistisch: Bislang sei die Resonanz der aktiv angesprochenen Firmen sehr positiv. Nach einer kleinen Delle im laufenden Jahr, werde man deshalb ab 2026 wieder nachhaltig wachsen, prophezeit Fundeis. Vielleicht mischt dann auch wieder die Autoindustrie mit: „Wir werden natürlich die Aufträge annehmen, wenn sie kommen.“ Aber: „Das Gute ist, dass wir alles können.“
Weiteres Wissenswertes über das Regensburger Unternehmen: Die Gefasoft Automatisierung und Software GmbH hat ihren Sitz am TechCampus in Regensburg. Ein Fertigungsstandort befindet sich zudem in Nittendorf im Landkreis Regensburg. Außerdem gibt es zwei Servicestandorte: in Mexiko und Ungarn. 2023 hatte Gefasoft einen Umsatz von knapp 25 Millionen Euro. Etwa 180 Mitarbeiter arbeiten für die Firma.
