Continental geht den nächsten großen Schritt Richtung Abspaltung – Neue Details zum Spin-off

Von Lorenz Nix · 12. März 2025 um 18:31

Der Continental-Aufsichtsrat hat am Mittwoch grünes Licht für die Abspaltung des Zulieferer-Geschäfts gegeben. Die IG Metall hat kurz darauf ein Flugblatt an die Belegschaft verteilt. Das enthält neue Details zu dem im Zuge des Spin-offs entstehenden Konzern, der große Standorte in Regensburg und Ingolstadt haben wird.

In der vergangenen Woche hat Continental-Chef Nikolai Setzer es als das wichtigste Thema für den Konzern im laufenden Jahr bezeichnet: die geplante Abspaltung des Autozulieferer-Geschäfts. Nun hat das Mammut-Projekt nun die nächste wichtige Hürde genommen. Der Aufsichtsrat stimmte einstimmig für den Spin-off. Direkt im Anschluss hat die IG Metall ein Flugblatt verteilt, mit dem sie die Belegschaft über wichtige Aspekte der Neuordnung des Konzerns informiert.

Denn dass es zur Abspaltung kommt, gilt mit dem nun erfolgten Votum des Aufsichtsrats als sicher. Lediglich die Hauptversammlung muss am 25. April noch grünes Licht geben – wohl reine Formsache. Continental-Aufsichtsratsvorsitzender Wolfgang Reitzle nannte die Entscheidung des Gremiums einen wichtigen Schritt für die Neuaufstellung des Konzerns. „Denn fokussierte Unternehmen sind gerade in einem herausfordernden Umfeld deutlich agiler und können mehr Wert schaffen“, sagte er am Mittwoch.

Continental-Abspaltung wird keine AG

Geplant ist, dass der neue Autozulieferer bereits im September an die Börse geht. Für Continental-Aktionäre bedeutet das, dass sie dann auch Anteile des neuen Unternehmens ins Portfolio bekommen. Das Zuteilungsverhältnis solle zwei zu eins betragen, teilten die Niedersachsen mit. Wer zwei Continental-Aktien besitzt, bekommt also zusätzlich einen Anteilsschein des neuen Zulieferers.

Das abgespaltene Unternehmen soll allerdings keine deutsche Aktiengesellschaft AG werden. Stattdessen haben sich die Continental-Verantwortlichen für eine europäische Aktiengesellschaft SE entschieden. Für die Gewerkschaft ist das offenbar nicht die präferierte Gesellschaftsform: Diese werde „leider häufig genutzt, um die Mitbestimmung zu beschneiden“, heißt es in einem Flugblatt, das die IG Metall nach der Aufsichtsratssitzung an die Belegschaft verteilt hat und das der Mediengruppe Bayern vorliegt. Demnach hat Continental eine „personallose SE-Vorratsgesellschaft eingekauft“. Diese solle an die Spitze der künftigen Gesellschaften des neuen Zulieferers stehen, heißt es weiter. „Der Einkauf einer Vorrats-SE hat für den Arbeitgeber den Vorteil, dass die Nutzung einer bereits ins Handelsregister eingetragenen Gesellschaft im Vergleich zu einer Neugründung Geschwindigkeitsvorteile bringt.“

IG Metall: Nachteile bei Mitbestimmung

Aus Sicht der IG Metall ergeben sich allerdings Nachteile für die Mitbestimmung. Weil die SE bei ihrer Gründung keine Beschäftigten hatte, seien relevante Schwellenwerte, beispielsweise für die Bemessung der Größe des Aufsichtsrats,– in dem Gremium sitzen auch Arbeitnehmervertreter – umgangen worden, heißt es in dem Flugblatt. Allerdings verhandele der Arbeitgeber aktuell „durch den politischen Druck der IG Metall“ über eine Beteiligungsvereinbarung. In dieser würden die Rahmenbedingungen des künftigen SE-Aufsichtsrats und des SE-Betriebsrats festgeschrieben, schreibt die Gewerkschaft.

Am Mittwoch wurde indes bereits bekannt, wer den Vorsitz des neuen Aufsichtsrats übernehmen soll. Stefan E. Buchner, aktuell Continental-Aufsichtsratsmitglied, sei für das Amt vorgesehen, teilte der Konzern mit. Bereits seit Dezember ist zudem bekannt, wer den Zulieferer leiten soll. Der aktuelle Automotive-Spartenchef Philipp von Hirschheydt werde nach dem Spin-off seine Leitungsfunktion als Vorstandsvorsitzender fortführen, heißt es von Continental. Der Aufsichtsrat habe dafür am Mittwoch grünes Licht gegeben.

Werke in Regensburg und Ingolstadt werden Teil des neuen Unternehmens

Seinen Sitz wird das neue Unternehmen im Rhein-Main-Gebiet haben. Nichtsdestotrotz werden sich zwei wichtige Standorte des Zulieferers auch in der Region befinden. In Regensburg und Ingolstadt arbeiteten Ende des vergangenen Jahres 4200 beziehungsweise 1550 Menschen für die Automotive-Sparte des Konzerns. 2024 hat Continental an beiden Standorten Jobs abgebaut. Auch für das laufende Jahr steht jeweils eine zweistellige Zahl an Arbeitsplätzen im Feuer. Setzt sich das auch im Zuge des Spin-offs fort?

Das Unternehmen selbst hält sich hierzu bislang weitestgehend bedeckt. „Durch den Spin-off erwarten wir keine wesentliche Auswirkung auf die Beschäftigtenzahlen an den Standorten“, teilte ein Sprecher in der vergangenen Woche gegenüber der Mediengruppe Bayern mit.

Insider: Kommt ein Stellenaufbau?

Auch die IG Metall schreibt in ihrem Flugblatt, dass die bestehenden Arbeitsplätze weitestgehend erhalten bleiben sollen. Es werde aber zu Anpassungen kommen, um alle Continental-Konzernteile „mit den nötigen Zentralfunktionen auszustatten“. Aus dem Umfeld des Unternehmens war in der Vergangenheit zu hören, dass das sogar einen Stellenaufbau bei dem neuen Zulieferer bedeuten könnte. Schließlich müssten dort Aufgaben übernommen werden, die vorher zentral für alle Konzernteile aus Hannover erledigt worden seien, sagte ein Insider der Mediengruppe Bayern.