„Autopapst“ warnt vor möglichem Aus des Verbrennerverbots: „Gegen die Autoindustrie gerichtet“

Von Lorenz Nix · 11. März 2025 um 09:45

Das sogenannte Verbrenner-Aus soll bereits 2025 auf den Prüfstand. Eine Rücknahme oder Abschwächung des Verbots würde den Hochlauf der E-Mobiliät in Europa weiter erschweren, sagt „Autopapst“ Ferdinand Dudenhöffer der Mediengruppe Bayern. Continental und Schaeffler sehen sich mit Blick auf verschiedene Antriebsarten gut aufgestellt.

Die Autoindustrie hat in den vergangenen Wochen mächtig Druck gemacht – und nun offenbar einen Teilerfolg erzielt. Vergangene Woche hat die EU-Kommission einen Aktionsplan präsentiert, mit dem die Branche wieder in die Spur gebracht werden soll. Autobauer sollen unter anderem mehr Zeit für die Erfüllung der CO2-Flottengrenzwerte bekommen. Früher als geplant soll zudem das sogenannte Verbrenner-Aus auf den Prüfstand. Eigentlich wollte die EU das ab 2035 geltende Verbot von Benzin- und Diesel-Neuwagen erst 2026 überprüfen. Nun soll es schon dieses Jahr soweit sein. Kommt jetzt die Abschaffung des Verbrennerverbots? Sollte es so weit kommen, wäre das eine Katastrophe für die Autoindustrie, sagt der bekannte Branchen-Experte Ferdinand Dudenhöffer.

Dudenhöffer: „Massenhafter Stellenabbau“

Dass das Benziner- und Diesel-Aus zumindest aufgeweicht werden soll, gilt als wahrscheinlich. Für Dudenhöffer – der Wirtschaftswissenschaftler wird immer wieder auch als „Autopapst“ bezeichnet – ist das allerdings kontraproduktiv. „Das ist gegen die Autoindustrie gerichtet“, sagt er im Gespräch mit der Mediengruppe Bayern. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen (CDU) habe mit dem Green-Deal angefangen und „ist nun beim Black-Deal gelandet“. Befürworter des Verbrennerverbots befürchten, dass durch eine Abschaffung desselben der Hochlauf der E-Mobilität in Deutschland noch weiter erschwert wird. Auch Dudenhöffer teilt diese Meinung: „Europa wird es schwierig haben, den Anschluss an China zu finden“, sagt der Wirtschaftswissenschaftler.

Ihm zufolge hinkt der Kontinent bereits jetzt hinterher. Und komme der Absatz von E-Autos nicht in Schwung, würden die Stromer bald nur noch in Fernost produziert, warnt der „Autopapst“. Die Probleme, die der Abstand zu China mit sich bringe, zeigten sich bereits jetzt: „Wir haben einen massenhafte Stellenabbau in der Autoindustrie“, sagt der Experte.

Insgesamt gingen in der Branche in Deutschland 2024 laut einer Studie fast 19.000 Jobs verloren. Das geht aus einer in der vergangenen Woche veröffentlichten Analyse der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft EY hervor. „Die deutsche Automobilindustrie steckt in einer massiven und umfassenden Krise“, schlussfolgerte das Unternehmen. Und die wird sich laut Dudenhöffer mit einer Kehrtwende der EU-Kommission beim Verbrenner-Aus fortsetzen. Schließlich hätten sich zahlreiche Zulieferer auf eine stetige Absatz-Steigerung bei Stromern eingestellt.

Schaeffler setzt auf Hybrid-Fahrzeuge

Ein Unternehmen, das in jüngster Zeit einen besonderen Fokus auf E-Mobilität zu legen schien, war die Schaeffler AG aus Herzogenaurach (Lkr. Erlangen-Höchstadt). Der Konzern hat im vergangenen Jahr den Regensburger Elektro-Antriebsspezialisten Vitesco übernommen. Im Zuge der Fusion sagte ein Schaeffler-Sprecher der Mediengruppe Bayern, dass man „ganz besonders in der E-Mobilität“ zu den Marktführern gehören wolle.

Macht sich nun wegen der schleppenden E-Auto-Nachfrage also Ernüchterung bei dem Zulieferer breit? In die Öffentlichkeit dringt bislang zumindest nichts. „Die Diskussion: Entweder Elektro oder Verbrenner ist eigentlich nicht mehr die entscheidende“, sagte Schaeffler-Vorstandsvorsitzender Klaus Rosenfeld kürzlich bei der Vorstellung der Jahreszahlen des Konzerns. Schließlich würde die Nachfrage nach Hybriden – also Kombinationen aus Verbrennern und Stromern – enorm zunehmen. „Wir sind das Unternehmen, das genau diese Technologien kombinieren kann“, sagte Rosenfeld.

Dass eine Abschwächung des Verbrennerverbots eine Ausnahme für Plug-in-Hybride beinhalten würde, gilt Experten zufolge als wahrscheinlich. „Autopapst“ Dudenhöffer zufolge wäre das auch nicht unbedingt eine schlechte Entscheidung. Die Modelle hätten sich schließlich enorm weiterentwickelt und beispielsweise mittlerweile deutlich mehr Elektro-Reichweite als noch vor einigen Jahren. „Im täglichen Gebrauch sind diese Fahrzeuge sehr gut“, sagt Dudenhöffer.

Continental gibt sich gelassen

Er bleibt aber dabei: Um die Autoindustrie in Deutschland zukunftsfähig aufzustellen brauche es vernünftige Strompreise und eine neue E-Auto-Kaufprämie – aber auch ein Verbot von Benzinern und Diesel-Fahrzeugen, so der Wirtschaftswissenschaftler. Ohne letzteres „haben wir zwar ein paar Tage länger Verbrenner, aber diese Tage sind nicht die Zukunft“, so Dudenhöffer.

Manchen Zulieferern ist es übrigens auch egal, welche Fahrzeuge produziert werden – zumindest wenn es nach den Aussagen in der Öffentlichkeit geht. Continental-Vorstandsvorsitzender Klaus Rosenfeld teilte in der vergangenen Woche im Rahmen der Vorstellung der Jahreszahlen mit, dass man weitestgehend unabhängig davon sei, welche Antriebsart die Autos hätten. Auf eines ist man aber auch bei Conti angewiesen: Dass überhaupt wieder mehr Fahrzeuge hergestellt werden.