In der Oberpfalz bleiben Kirchen und Klöster leer: Welche Zukunft können die Gebäude haben?

Zu viel, zu groß, zu teuer: Während die Gläubigen immer weniger werden, steigt die Zahl von Kirchengebäuden, die unrentabel und quasi überflüssig sind. Das betrifft auch Kirchen und Klöster in der Oberpfalz. In Frauenzell (Landkreis Regensburg) und in Maxhütte-Haidhof (Landkreis Schwandorf) waren Fachleute aus ganz Europa zu Gast, um Konzepte für eine sinnvolle Nachnutzung zu entwickeln.
Wie Fremdkörper stehen die beiden Vorhänge mitten in der Pfarrkirche St. Barbara in Maxhütte-Haidhof (Landkreis Schwandorf). Sie durchschneiden den großen, einladenden Raum geradezu. Damit stehen sie symptomatisch für ein Problem, das aktuell immer größer wird: Die Zahl der Gläubigen sinkt und einige Kirchen werden folglich zu groß oder quasi überflüssig – wie der Teil hinterm Vorhang in der Maxhütter Kirche. Gleichzeitig haben Kirchen einen emotionalen Wert. Abreißen oder völlig zweckentfremden ist oft keine Option. Was also tun?
Antworten sucht zur Zeit das EU-Projekt „Relihe“, an dem sich auch der Bezirk Oberpfalz beteiligt. „Relihe“ steht für „religious heritage in rural areas“ – zu deutsch: „religiöses Erbe in ländlichen Räumen.“ Von Montag bis Mittwoch sind Fachleute aus ganz Europa in der Oberpfalz unterwegs, besichtigen Kirchen und Klöster, bei denen es genau dieses Dilemma gibt und tauschen Erfahrungen aus.
Die Pfarrei St. Barbara in Maxhütte-Haidhof beschäftigt sich seit Jahren mit solchen Fragen. Eigentlich gibt es eine alte Pfarrkirche, die wegen des Bevölkerungswachstums nach dem Zweiten Weltkrieg allerdings zu klein wurde. Also wurde eine zweite Kirche gebaut – mit Platz für 800 Menschen. Das ist aus heutiger Sicht freilich utopisch.
Was wird aus St. Barbara in Maxhütte-Haidhof?
Wegen der niedrigeren Energiekosten würde die Pfarrei lieber wieder die alte, kleinere Kirche nutzen. Doch die ist wegen Baumängeln gesperrt. Eine teure Sanierung ist nötig. „Aber beide Kirchen wird man langfristig nicht behalten können“, erklärt Verena Pfeffer, die Bezirks-Ansprechpartnerin von „Relihe“ den Teilnehmern.
Darum arbeitet die Pfarrei jetzt mit Architektur-Studenten der Ostbayerischen Technischen Hochschule (OTH) in Regensburg und deren Professorin Anne Beer zusammen. Das Ziel: Nachnutzungs-Konzepte für die zu große Barbara-Kirche finden. Eine Idee sieht vor, den Kirchenraum zu verkleinern und im anderen Teil einen Kindergarten und Büroplätze für mobiles Arbeiten unterzubringen. Ein römisches Bad oder eine Art Innenhof im Freien stehen ebenfalls auf der Liste. Andere Studenten können sich ein Kinderhospiz oder eine Grundschule vorstellen.
Kultur, Bildung oder Soziales: Das scheinen naheliegende Nachnutzungen für Kirchengebäude zu sein – auch in anderen EU-Ländern. Beispiel Niederlande: Suzan Flokstra-Beute erzählt, dass viele Kirchen zu Kulturhäusern umgebaut werden. Oft seien die Gläubigen aber enttäuscht, weil nicht immer auf deren Ideen und Wünsche eingegangen werde.
Jan Wolkowski aus Polen berichtet, dass es in seiner Heimat ebenfalls Ideen geben, Kirchen für Kultur, Ausstellungen und Wissenschaft zu öffnen. „Das bringt die Gläubigen mit anderen Gruppen besser in Kontakt“, sagt er. Und aus dem Kloster Veruela in Spanien ist inzwischen ein Luxushotel, ein Weinmuseum und ein Ort für Konzerte geworden. „Jetzt ist wieder Leben im Kloster“, freuen sich Marisa Sebastian und Juan José Borque.
Viele Ideen in Frauenzell
Wieder Leben im Kloster: Das ist auch das Ziel im Kloster Frauenzell bei Brennberg (Landkreis Regensburg). Auch dort informierte sich die Projektgruppe über Probleme und Perspektiven der gut 700 Jahre alten Anlage. Für die Frauenzeller bedeutet das eine Umstellung, erzählt Bürgermeisterin Irmgard Sauerer. „Das Kloster war früher eine in sich geschlossene Anlage. Die Leute haben neben dem Kloster gelebt, aber jetzt leben sie mit dem Kloster.“
Dazu tragen diverse Ideen bei: Lichtinstallationen zum Beispiel, ein Tag der Stille, ein Kinderzeltlager oder ein Schriftsteller-Festival. Bei einem Rundgang wurde aber deutlich: Eine Instandsetzung ist in vielen Teilen der Anlage dringend nötig – und finanziell herausfordernd. Der Weg zur optimalen Nachnutzung ist auch dort also noch nicht zu Ende.
Das Projekt „Relihe“:
Idee: Das Projekt läuft bis 2028 in sieben Regionen. Ziele sind die Anpassung von Förderungen und die Entwicklung von Leitfäden.
Orte: Die Fachleute besuchen auch sakrale Orte in Waldsassen, Trabitz, Neumarkt und Plankstetten.

