Wenn eine Kirche zum Dancefloor wird: So geht es mit Kumpfmühler Gebäude weiter

Von Daniel Pfeifer · 22. Januar 2025 um 19:00

Erstmals öffnet die ehemalige Kumpfmühler Kirche St. Theresia wieder ihre Türen: Am Samstag feiern zahlreiche Regensburger Sportvereine – mit Bars in den Beichtstühlen und einem DJ-Pult am einstigen Altar. Welche Pläne der neue Besitzer für die Zukunft hat, was Anwohner davon halten und wann die Sanierung fertig ist.

Andächtige Ruhe zum In-sich-Kehren zeichnet Kirchengebäude normalerweise aus. Tanz findet man allenfalls in US-Südstaaten-Kirchen, Alkohol in Form von Messwein. Am Samstagabend kehrt sich diese Welt der Stille für einen Abend auf den Kopf. In der ehemaligen Klosterkirche St. Theresia in Kumpfmühl feiern zahlreiche Regensburger Sportvereine – mit Bars in den Beichtstühlen und einem DJ-Pult am einstigen Altar.

Der „Volley-Ball“, wie ihn der veranstaltende Verein Donau Volleys nennt, ist die erste große Veranstaltung in der ehemaligen Kirche, seit sie vor einem halben Jahr profaniert, also entwidmet, wurde. Nach einer Sanierung soll das rund 125 Jahre alte Gebäude als „Theresia – Raum für Ideen“ das Viertel bereichern.

Keine übliche Party-Location für Regensburg

Partys wie am Samstag sind dabei eine Ausnahme. Von der Stadt gab es eine Einmalgenehmigung, die Anfang der Woche ankam, erzählt Vereinsvorstand Leonhard Fuß über die kurzfristige Organisation des Balls. Ein 34-seitiges Sicherheitskonzept, eine Brandschutzwache, Notbeleuchtungen und ein Toilettenwagen im Außenbereich sind nur einige der Voraussetzungen.

Für den Abend selbst wird das Gebäude mit einer Festzeltheizung erwärmt, DJs legen auf, Lounges und viel bunte Deko werden die Kirche füllen. Bis zu 500 Gäste können kommen und viele haben sich schon angemeldet, darunter Sportler von den Legionären, dem TC, Phoenix oder den Bunkerladies. „Es ist auch unser Ziel, die Vereine zusammenzubringen“, sagt Fuß. Dabei sei man darauf bedacht, stets respektvoll zu sein, wenn man auch natürlich auf Social Media mit christlichen Motiven in der Werbung für Aufmerksamkeit sorgen wolle.

Ebenfalls auf der Instagramseite des Vereins zu sehen: CSU-Bürgermeisterin Astrid Freudenstein. Sie sieht den Volley-Ball positiv und habe trotz des heiklen Themas der Kirchen-Nachnutzungen bislang kaum Kritik gehört. Vereinzelte Stimmen hätten „gediegenere“ Veranstaltungen wie Lesungen präferiert. „Aber es finden ja nicht ständig abends Partys statt“, sagt sie. „Ich kann es schon nachvollziehen, dass man überlegt, ob das in Ordnung ist“, sagt Freudenstein. „Ich habe auch überlegt.“ Aber sie vertraue den Donau-Volleys. Die Voraussetzung für den Verkauf der Kirche, dass dort keine „unwürdige Nutzung“ stattfindet, sieht Freudenstein erfüllt. „Unwürdig fände ich es, wenn sie leer steht und verkommt“, sagt sie. Feiern wie am Samstag seien dagegen nicht unwürdig. „Ich bin ein gläubiger Mensch und ich freue mich auf den Ball. Und ich glaube, der liebe Gott hätte da auch nix dagegen.“

Anwohner loben Konzept für Theresia

Wenn man sich im Viertel umhört, findet man ebenso Optimismus vor. „Ich finde das eine gute Sache. In unserer heutigen Zeit muss man die Leute wieder zusammenbringen“, sagt Bernhard Habbel, der gegenüber von der Kirche wohnt und als Kind schon schon auf dem Klostergelände Fußball gespielt hat.

Auch Monika Bemmerl sieht die Entwicklung positiv: „Gerade weil es eine Kirche ist, ist es schön, wenn etwas ganz anderes dort reinkommt“, sagt sie. Eine Möglichkeit für Menschen, zusammenzukommen, fände sie toll: junge, alte, kranke, gesunde.

Auch Karl Géronne vom Geschäft „Bild & Rahmen“ ist optimistisch. „Ich finde es optimal. Kirchen sind Begegnungsorte. Wenn es so bleibt, ist es das Beste. Das wertet auch das Viertel auf“, sagt er. Lärmbedenken habe er auch keine – der Verkehr sei schlimmer als jede vereinzelte Nutzung.

Das Gerüst an der Kirche kommt bald weg

Und so berichtet auch Thomas Dietlmeier, Chef des Immobilienzentrums, das die Kirche kaufte, von positiven Rückmeldungen. „Der zentrale Ansatz von Theresia ist, in Kumpfmühl einen Ort zu schaffen, in dem sich der Stadtteil wiederfindet“, sagt er. „Meine Zusage steht, dass dieser Raum nicht-kommerziellen Ideen zur Verfügung steht, ohne dass man über Miete sprechen muss.“

Auch wenn es von außen nicht so wirken mag: die Sanierung des Gebäudes geht voran. „Wir liegen sehr gut in der Zeit. Die Fassade und der Kirchturm ist schon saniert, Teilbereiche des Dachstuhls werden saniert. Der barocke Garten wird wiederhergestellt“, erklärt Thomas Dietlmeier. Wohnbebauung soll im Garten nicht entstehen, doch die Idee einer kleinen Kita in Stelzenbauweise im Grünen werde abgewägt. Das Gerüst von Theresia soll ab März abgebaut werden, sobald die Witterung die Fassaden-Bemalung (im gewohnten Gelb) zulässt.

Der gotische Klostergarten: Könnte hier eine Kita entstehen?
Anwohner Bernhard Habbel und Monika Bemmerl, im Hintergrund die Kirche St. Theresia