Mama geht tanzen: Obwohl die Tickets für die Party in Regensburg fast weg sind, gibt es auch Kritik

Eine Party mit Hip Hop sowie Musik aus den Charts und den 90ern nur für Mütter von 20 bis 23 Uhr – damit haben Anna Schumacher und Andrea Rücker bundesweit einen Nerv getroffen. In Regensburg macht die Reihe „Mama geht tanzen“ am 8. Februar Halt.
Mehr als zwei Wochen vor dem Startschuss im Club Heart melden die Veranstalterinnen: 90 Prozent der 500 Tickets sind weg. Schumacher sagt, vor über zwei Jahren auf die Idee für die Reihe gekommen zu sein, als sie und ihre Mitveranstalterin stillten. „Die Kinder schlafen am besten zwischen 20 und 24 Uhr, deswegen ist das die beste Zeit, um tanzen zu gehen“, sagt sie. Der Testlauf mit 300 Frauen hat sich inzwischen zu einem Franchise entwickelt, mit dem die Partys von 37 Frauen in 180 Städten organisiert werden.
Eingeschlagen habe die Reihe wegen der frühen Uhrzeit, sagt Schumann. So könne der Alltag am nächsten Morgen ausgeschlafen weitergehen. Auch, dass die Party für Frauen ist, komme gut an. „Sie freuen sich, dass sie ihr Bier nicht wegen möglicher K.O.-Tropfen zuhalten müssen und keine Angst haben brauchen, angequatscht zu werden“, sagt die Veranstalterin. Es werde zwar keine der Frauen auf eine Mutterschaft kontrolliert, Männer aber werden laut Schumacher lediglich in manchen Städten als Begleiter eingelassen, allerdings nicht in Gruppen.
„In Regensburg sind wir immer ausverkauft“, sagt Anni Klages, Veranstalterin für die Region. Für alle ohne Tickets kündigt sie die vierte Auflage der Reihe im Mai an.
Kritischer sieht Sarah Nerb diese Feiern. Die Regensburgerin ist Mutter von zwei Kindern im Alter von 15 und sechs Jahren. „Warum braucht es spezielle Veranstaltungen wie ,Mama geht feiern‘, die nur auf Mütter abzielen?“, fragt sie. Das signalisiere, dass es für Mütter etwas Besonderes sei, einmal aus dem Alltag auszubrechen, während Väter in dieser Hinsicht ihrer Beobachtung nach oft gar nicht angesprochen werden. „Solche Events verstärken alte Rollenklischees, indem sie suggerieren, dass Kindererziehung und Familienorganisation primär Aufgabe der Mütter sind“, warnt Nerb. Stattdessen wünscht sie sich Angebote, die Eltern unabhängig vom Geschlecht ansprechen und fördern, dass beide gleichermaßen Freiräume genießen können. Grundsätzlich findet Nerb es aber begrüßenswert, wenn bereits um 21 Uhr getanzt werden kann. „Da geht‘s wahrscheinlich vielen Menschen in meinem Alter ähnlich“, vermutet sie. Schumacher sagt zu dieser Kritik, dass sie sich mehr Gedanken über den Namen gemacht hätte, wenn sie gewusst hätte, zu was für einer Nummer sich diese Partys entwickeln.