Pfarrei Burglengenfeld will Teil der Vituskirche entweihen und als Veranstaltungsort der Stadt übergeben

Eine spannende Idee ist gescheitert, ehe sie konkretere Formen annehmen durfte: Die Umwandlung eines Teils der St.-Vitus-Kirche in Burglengenfeld im Landkreis Schwandorf in einen modernen Veranstaltungsraum für die Kommune. Bischof Rudolf Voderholzer soll der Teil-Profanierung bereits zugestimmt haben, doch der städtische Bauausschuss hat die Pläne in seiner Sitzung am Mittwoch durchkreuzt.
Wie allgemein bekannt sein dürfte, geht es der Vituskirche sehr schlecht. Der Dachstuhl ist so marode, dass kurzfristig eine Notmaßnahme durchgeführt werden musste, auch der Turm weist massive Schäden auf. Seit Oktober 2022 dürfen die Glocken nicht mehr läuten.
Pfarrer Michael Hirmer, Chef der katholischen Stadtkirche, sucht daher seit seinem Amtsantritt vor rund eineinhalb Jahren verzweifelt nach Lösungen. Wie dramatisch die Situation ist, brachte er schon im Dezember 2023 zum Ausdruck. Zwar seien der Erhalt und die Nutzung des Gotteshauses in der Kirchenstraße als Sakralbau oberstes Ziel. Aber „wenn kein Geld da ist, ist auch bei uns alles offen“, sagte er.
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Der Geistliche ist für seine Kreativität bekannt. Und so brachte er vor Monaten eine Zwitterlösung ins Spiel: Das lange Kirchenschiff sollte weiter kirchlichen Zwecken dienen. Der Teil aber, in dem sich der Altarraum befindet, sollte entweiht und an die Stadt abgetreten werden. Damit, so die Überlegung, ließen sich mehrere Probleme auf einmal lösen. Die Kosten für die Sanierung würden für die Kirche deutlich sinken, und die Stadt gewänne einen Veranstaltungsraum, zum Beispiel für Konzerte und Kabarett, Lesungen und Empfänge.
Studie sollte zeigen, was geht
Bürgermeister Thomas Gesche (CSU) wusste schon länger von diesen Gedanken. Im MZ-Interview Anfang Januar machte er entsprechende Andeutungen. Aber erst jetzt, nach ausführlichen Besprechungen mit Hirmer und zuständigen Fachbehörden, setzte er das Thema auf die Tagesordnung des Bauausschusses.
In nicht-öffentlicher Sitzung sollten die Mandatsträger zunächst darüber befinden, was sie grundsätzlich von der Idee hielten, und Mittel für eine Machbarkeitsstudie bewilligen. Die Kosten dafür sollten in einem ersten Schritt rund 40.000 Euro betragen, mit einem weiteren dann rund 100.000 Euro.
Doch die Mehrheit des Gremiums spielte nicht mit. Nach MZ-Informationen gab es von verschiedenen Seiten Bedenken. Strikt abgelehnt wurde das Vorhaben von den Vertretern der Fraktionsgemeinschaft aus SPD, Grünen und Die Linke.
SPD, Grüne und Die Linke fürchteten „Fass ohne Boden“
Ihr Sprecher, 3. Bürgermeister Sebastian Bösl, ist zwar nicht selbst Mitglied des Bauausschusses, erklärt aber auf Anfrage der MZ ausführlich, weshalb seine Mitstreiter die Zustimmung verweigerten. Weil die Verantwortlichen zu lange mit einer Sanierung gezögert hätten, weise die Vituskirche einen enormen Investitionsstau auf. Jetzt, da sie total marode sei, solle die Kommune es richten. Das sei aus mehreren Gründen inakzeptabel, meint der SPD-Rat.
Zum einen würde sich das Projekt als „Fass ohne Boden“ erweisen, und zum zweiten wäre der Bau an sich für Konzerte bestimmter Art völlig ungeeignet. Musiker hätten dies bestätigt. Darüber hinaus kann sich Bösl ein problemloses Nebeneinander nicht vorstellen. Weil der andere Teil der Kirche weiter für Gottesdienste genutzt werden sollte, wären Konflikte vorprogrammiert.
Kurzum: Um den Erhalt von St. Vitus solle sich die Kirche selbst kümmern, betont Bösl und gibt den Verantwortlichen ein Zitat aus dem Johannes-Evangelium mit auf den Weg: „Macht das Haus meines Vaters nicht zu einer Markthalle.“
Bürgermeister sagt Pfarrer weitere Unterstützung zu
Bürgermeister Gesche bedauert das Ergebnis der Abstimmung, das „denkbar knapp“ gewesen sei, sehr. Aufgrund der zentralen Lage der Kirche, der Nähe zum Rathaus und der städtebaulichen sowie gesellschaftlichen Bedeutung des Gotteshauses hätte er sich eine Nutzung in eingangs beschriebener Form gut vorstellen können. Nun bleibe ihm nichts anderes übrig, als zu versichern, dass er Pfarrer Hirmer und die Kirche „weiter nach Kräften und im Rahmen meiner Möglichkeiten“ unterstützen werde, das ortsbildprägende Gebäude zu erhalten.
Sebastian Bösl kann sich angesichts solcher Aussagen Kritik nicht verkneifen. Gesches Verhalten sei „etwas heuchlerisch“, so der SPD-Sprecher. Schließlich habe der Bürgermeister bereits zwei große Chancen vertan, die Basis für ein neues Veranstaltungszentrum zu schaffen: Den Kauf des Pfarrheims St. Michael habe er ebenso abgelehnt, wie den Erwerb der ehemalige Landwirtschaftsschule. Beide Male mit der Begründung, der Kommune fehle das Geld. Nun sollte Gesche jenen, die die Pläne für die Vituskirche ablehnten, dankbar sein. Bösl wörtlich: „Wir haben es geschafft, die Stadt vor einer schlechten Entscheidung zu bewahren.“
Hirmer gibt so schnell nicht auf
Pfarrer Hirmer ließ sich in einer ersten Reaktion keine Enttäuschung anmerken. Hinter den Kulissen, so teilte er mit, sei er mit vielen Partnern unverdrossen bemüht sind, die Vituskirche im Herzen der Stadt zu erhalten. Die Gespräche seien derzeit intern und daher vertraulich. Er hoffe weiter, dass sich eine „gute Lösung für eines der Wahrzeichen von Burglengenfeld finden lässt“.
